Schülerin pilgert nach Norderney

Viel Zeit investiert: Waldorfschüler stellen Achtklassarbeiten vor

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Thessa Römer (rechts) pilgerte mit einer Freundin und ihrer Mutter von Hamburg nach Norderney.

Neuenrade - Ein halbes Schuljahr lang haben sich die Achtklässler der Waldorfschule mit eigenen Projekten beschäftigt. Sie bauten, schrieben, zeichneten und fotografierten. Eine Kleingruppe unternahm sogar eine Pilgerreise. Die Ergebnisse der Achtklassarbeiten wurden jetzt vorgestellt.

Wie und wo entsteht eigentlich eine Jeanshose und was kann man damit noch machen, wenn sie zu klein geworden ist? Mit dieser Frage hat sich die 14-jährige Marie Mletzko im Rahmen der Achtklassarbeiten beschäftigt. Die Achtklassarbeiten sind ein Pflichtprojekt in der Waldorfschule, bei dem sich die Schüler über ein halbes Schuljahr mit einem selbst ausgewählten Thema befassen.

Diese Projekte wurden praktisch umgesetzt und auch schriftlich protokolliert. Gestern wurden die Ergebnisse den Mitschülern in der Aula vorgestellt. Am Präsentationsstand von Marie Mletzko waren zahlreiche verschiedene Recycling-Ideen für Jeanshosen ausgestellt, zum Beispiel selbst genähte Kopfkissen und Handtaschen sowie Stiftehalter und verschiedene Deko.

Marie Mletzko entwarf verschiedene Produkte, die allesamt aus alten Jeanshosen entstanden.

Wie sie auf die Idee gekommen ist? „Wir haben zu Hause unsere Kleiderschränke aussortiert und da habe ich mich gefragt, wie man die Hosen vielleicht noch anders benutzen kann.“ Auch mit der Globalisierung hat sich Marie auseinandergesetzt und unter anderem den CO2-Fußabdruck einer Jeans ausgerechnet. Die Entwicklung von Ideen und auch die Umsetzung begleitet Klassenlehrer Andreas Zemke.

Die Projekte werden dabei zusätzlich zum normalen Unterricht entwickelt. Lediglich das Präsentieren habe man im Unterricht geübt. Neben den Achtklassarbeiten gibt es im zweiten Schulhalbjahr ein weiteres Projekt, das Theaterspielen. „Es geht bei beiden Projekten um Individualität. Beim ersten darum, seine Individualität zu finden und auszuleben, beim zweiten darum, seine Individualität in die Gruppe einzubringen und sie dadurch zu stärken“, erklärt Zemke.

Schülerin Esther Schniewindt erzählt, dass sie das Projekt genutzt habe, um ein Buch zu schreiben. Sie sei selbst eine Leseratte, interessiere sich vor allem für Fantasy-Literatur. „Ich habe schon mal angefangen, ein Buch zu schreiben, habe es aber nie zu Ende gebracht. Deshalb habe ich die Achtklassarbeiten dafür genutzt.“ Rechtzeitig zur Präsentation gestern war das Buch der 13-Jährigen auch fertig.

Rund fünf Monate Arbeit seien in das Werk geflossen, erzählt Esther – und möchte auch in Zukunft hobbymäßig schreiben. Das Buch handelt von der 14-jährigen Alea, die im Haus ihrer Uroma lebt. Die Urgroßmutter hat ein geheimes Arbeitszimmer, das eigentlich niemand betreten darf. Alea aber kann ihrer Neugier nicht widerstehen und findet schließlich eine Fabelwelt, in der sie spannende Entdeckungen macht.

Ein Buch geschrieben hat auch Thessa Römer. Die 14-jährige Waldorfschülerin ging dafür gemeinsam mit ihrer Mutter und einer Freundin auf Reisen. Größtenteils zu Fuß sei die kleine Gruppe von Hamburg aus nach Norderney gepilgert, habe auf dem Weg viele verschiedene Kirchen besucht.

Julius Hagn wohnt in Attendorn und liebt seine Heimatstadt. Daher hat er sie in vielen Facetten fotografisch dargestellt. Das Cover seines Buches hat er selbst gezeichnet.

„Am besten gefallen hat mir Cuxhaven“, erinnert sich Thessa. Ihre Reiseeindrücke hat sie in Fotos und Text in einem Buch zusammengefasst und für ihr Projekt auch die geschichtlichen und religiösen Hintergründe des Pilgerns recherchiert. Julius Hagn hat zusammen mit dem Fotografen Gerrit Cramer ein Fotobuch gestaltet. Es zeigt verschiedene Fotomotive aus seiner Heimatstadt Attendorn.

Fiene Emma Burghardt befasst sich in ihrem Buch mit dem Klettern als Leistungssport, dabei mit der Überwindung der großen Herausforderungen Höhe und Angst. In weiteren Büchern geht es um Lieblingsrezepte und auch ein Reh-Kochbuch wurde ausgestellt. Andere Achtklassarbeiten waren handwerklicher Art.

Ein Schüler, der gestern krankheitsbedingt fehlte, hatte eine Wand mit Vogelhäusern für Spatzen gebaut. Andere präsentierten einen selbst geschnitzten Bogen zum Bogenschießen und eine liebevoll gebaute Standuhr. Nicht vor Ort vorstellen konnte seine Arbeit Simon Honert.

Nicht aber, weil er sie nicht erledigt hatte, sondern weil sie zu Hause fest verbaut ist. Der Schüler entwarf und baute gemeinsam mit seinem Vater eine Holzterrasse, die an einen Pool angestellt werden kann. Die konnte er natürlich kaum mit zur Schule bringen und zeigte deshalb ein Video von den Arbeiten. Gewerkelt haben auch der 13-jährige Lukas Fuderholz und sein gleichaltriger Klassenkamerad Joey Steingräber.

Lukas Fuderholz (links) stellte in der Aula eins von insgesamt drei mobilen Blumenbeeten vor. Joey Steingräber (rechts) baute im Rahmen der Achtklassarbeiten ein rollbares Möbelstück, in dem er seine Spielekonsolen verstauen kann.

Lukas hatte mobile Blumenbeete entworfen, die auf Rollen bewegbar sind. 70 Stunden arbeitete er gemeinsam mit einem befreundeten Tischler an seinen Entwürfen. Joey dagegen entwarf ein Möbelstück, in dem er Spielekonsolen ordentlich unterbringen kann, so dass die Verbindungskabel nicht mehr sichtbar sind. Bewertet werden die Arbeiten von Andreas Zemke. Klassische Noten gibt es aber nicht, sondern eine Notiz auf dem Zeugnis.

Bei der Bewertung gehe es insbesondere um die persönliche Entwicklung, die die Schüler während der Ideenfindung und des Arbeitsprozesses durchmachen.

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