Medizinisches Versorgungszentrum: Innenstadt oder Altstadt

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Die Visualisierung des 14-Millionen-Euro-Projektes in Neuenrade

Neuenrade – Das Ringen um den neuen Standort für das Medizinische Versorgungszentrum Neuenrade (MVZN) erreicht seinen Höhepunkt.

Nachdem hinter den Kulissen schon zahlreiche Gespräche geführt worden sind, wird sich der MVZN-Verwaltungsrat am kommenden Dienstag mit dem Thema beschäftigen. Zwei Standorte sind in der engeren Wahl: das neue Zentrum der Hönnestadt Hinterm Wall und ein Areal Hinter der Stadt im Randbereich der Altstadt.

Für den Standort Hinterm Wall setzen sich der Neuenrader Unternehmer Jürgen Echterhage und Volksbankvorstand Karl-Michael Dommes ein. Circa 14 Millionen Euro will die VR Südwestment GmbH & Co. KG dort in ein ganzes Quartier investieren. Diese Gesellschaft mit Sitz in Lüdenscheid wurde 2016 gemeinsam von der damaligen Volksbank im Märkischen Kreis eG (jetzt Volksbank in Südwestfalen eG) und der zum Neuenrader Unternehmen Echterhage Holding gehörenden Tochtergesellschaft VE Holding GmbH gegründet, die mit 25 Prozent beteiligt ist. 

„Es ist nicht das erste gemeinsame Projekt, das wir mit Echterhage verwirklichen“, lobt Volksbank-Chef Karl-Michael Dommes die gute Zusammenarbeit mit dem Unternehmer aus der Hönnestadt. Er ist überzeugt, dass sich das Quartier ideal für die Weiterentwicklung des MVZN eignet: „Der Standort ist optimal, zentraler geht es nicht. Und es ist ohnehin geplant, dass sich dort Ärzte ansiedeln.“ Eine Apotheke sei in unmittelbarer Nähe, ebenso ein Drogeriemarkt, weitere Geschäfte und das Rathaus. Auch vor dem Hintergrund, dass Hinterm Wall in einem der geplanten Gebäude demnächst Tagespflege angeboten werden soll, wäre die Ansiedlung ideal, unterstreicht der Banker. 

Dommes macht zudem kein Geheimnis daraus, dass die VR Südwestment auf jeden Fall bereit sei, die Planungen den Wünschen und Erfordernissen des MVZN anzupassen: „Augenblicklich wäre das noch möglich.“ Viel Zeit bleibe den Entscheidungsträgern aber nicht mehr: „Geplant ist, dass unser Projekt bis Mitte nächsten Jahres, spätestens aber im Herbst 2021, realisiert ist.“ Das versichert auch Unternehmer Jürgen Echterhage „Es würde nicht allzu lange dauern, bis das MVZN umziehen könnte.“ Zunächst habe man der Stadt Neuenrade angeboten, das MVZN auf zwei Etagen – verbunden durch einen Liegendaufzug – zu bauen.

Auch dieses Areal Hinter der Stadt könnte neuer Standort des MVZN werden.

 „Nachdem aber klar war, dass auf jeden Fall eine ebenerdige Lösung gewünscht wird, haben wir nachgelegt“, unterstreicht Echterhage. Jetzt könne die Einrichtung Hinterm Wall ebenerdig auf 240 Quadratmetern zuzüglich weiterer Flächen realisiert werden. Die Kosten, die durch das Umplanen entstünden, werde man nicht auf die Miete aufschlagen, betont Echterhage: „Die Volksbank, deren Wiege die Stadt Neuenrade ist, wird diese Kosten tragen.“

Der Unternehmer appelliert an die Entscheidungsträger: „Wir müssen an die älteren Menschen denken, die vielleicht nicht mehr so mobil sind.“ Wer einen Arztbesuch hinter sich gebracht habe, müsse in der Regel auch zur Apotheke, um sich dort Medikamente zu besorgen. „Und die würde sich dann ja in unmittelbarer Nähe des MVZ befinden.“ Das komme natürlich auch jüngeren Patienten zugute sowie allen Neuenradern, die in der Innenstadt wohnen – und allen Verkehrsteilnehmern in der Hönnestadt: „Gerade in Neuenrade im Bereich der Bundesstraße 229 noch mehr innerstädtischen Verkehr zu produzieren, das kann doch politisch auf keinen Fall gewollt sein.“ 

Das gelte besonders auch mit Blick auf die Bemühungen im Bereich des Klimaschutzes. Echterhage: „Es ist uns einfach wichtig, für die Neuenrader die beste Lösung zu finden. Deshalb setzen wir uns für diese zentrale Lösung ein, von der alle Betroffenen profitieren würden.“ Der zweite mögliche Standort, den Gerhard Schumacher, Vorstand des MVZN-Verwaltungsrates, im Anschluss an die Verwaltungsratssitzung im Mai genannt hatte (wir berichteten), befindet sich Hinter der Stadt auf dem ehemaligen Gelände der Firma Kohlhage. 

Dieses Grundstück hat der Neuenrader Unternehmer Gert Friedrich Middendorf erworben, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Muschert + Gierse. Im Gespräch mit der Redaktion sagte Gert Middendorf, die Möglichkeit, das MVZN Hinter der Stadt anzusiedeln, sei „eine gute Option für Neuenrade“. Zur Bauplanung könne und wolle er sich momentan noch nicht äußern. Dass der ärztliche Leiter des MVZN, Michael Beringhoff, bezüglich der Standortfrage auf jeden Fall zu Wort kommen solle, kündigte Gerhard Schumacher, während der Sitzung des Gremiums am 20. Mai an. Beringhoff werde gemeinsam mit einem Fachplaner für Arztpraxen Gespräche mit den möglichen Investoren führen, teilte Schumacher mit. Beringhoff will vorab nicht verraten, welchen Standort er favorisiert. 

„Wir möchten das gesamte MVZN gerne im Erdgeschoss auf einer Fläche realisieren“, sagt der Mediziner. Dieser Wunsch habe sich nach den Beratungen mit seinem Team herauskristallisiert. „Einen Aufzug möchten wir nicht.“ Auf die Frage, warum ein behindertengerechter Lift – der in so gut wie allen Krankenhäusern und vielen modernen Ärztehäusern unverzichtbar ist – nicht in Frage komme, antwortet Beringhoff: „Aufzüge sind störungsanfällig, das hört man ja immer wieder.“ 

Sollten sich die Verantwortlichen für den Neubau des MVZN Hinter der Stadt entscheiden, würde auf jeden Fall die Untere Bodenschutzbehörde des Märkischen Kreises beteiligt, sobald ein entsprechender Bauantrag gestellt werde. Das erklärte Kreis-Pressesprecherin Ursula Erkens auf Anfrage der Redaktion.

Denn: Nachdem das Kohlhage-Gebäude abgerissen wurde, seien dort 2005/06 Altlasten im Boden entdeckt worden. „Es handelte sich um metallverarbeitende Industrie. Im Boden wurden Ölverbindungen gefunden“, berichtet Erkens. Nach den Einträgen im Altlastenkaster sei das Gelände zwar bereits teilsaniert, der Boden ausgekoffert worden. Dennoch könne es durchaus sein, dass Auflagen gemacht würden – je nachdem, welchem Zweck ein Neubau Hinter der Stadt dienen solle, „damit dort gesundes Wohnen und Arbeiten gewährleistet werden könnten“. Dem dritten möglichen MVZN-Standort im Bereich der Niederheide, den die Sozialdemokraten in die Diskussion eingebracht hatten, erteilte der Verwaltungsrat schon während seiner Sitzung am 20. Mai eine Absage. Dort sollen eine Filiale des Discounters Aldi sowie Wohnbebauung, ebenfalls von der VR Südwestment, errichtet werden. 

Auch für das MVZN wäre auf der Niederheide noch Platz. Allerdings berichtete Schumacher aus dem nicht-öffentlichen Teil, der Verwaltungsrat habe Bedenken, dass die Umsetzung dieser Lösung zu lange dauern könne. Das kann man bei der VR Südwestment nicht nachvollziehen, denn noch in diesem Jahr bestehe Planungsrecht. Dann könne man auf jeden Fall auch dort bis spätestens Ende des kommenden Jahres die Baumaßnahme abschließen.

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