Versteckte Hinweise im Affelner Klappaltar

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Pastor Werner Spancken mit einer der geschnitzten Altarfiguren aus dem 15. und 16. Jahrhundert. ▪

AFFELN ▪ Antwerpen, gelegen im Norden Belgiens, zeichnet sich noch heute durch seine strategisch günstige Lage an den Ausläufern der Nordsee aus. Im 15. und 16. Jahrhundert zählte die Metropole zu den größten Städten der Welt und aufgrund ihres Seehafens zu den Drehscheiben der europäischen Wirtschaft.

Antwerpen ist aber nicht nur berühmt für seine Diamanten-Verarbeitung, im 15. und 16. Jahrhundert wurden in der Weltstadt herausragende Retabel hergestellt. Einer dieser als Klappaltäre bekannten handwerklichen Kunstwerke steht in der Lambertuskirche in Affeln und zieht seit langem das Interesse von Historikern auf sich. Friedhelm Grote gehört dazu, aber auch Niklas Gliesmann, der am Kölner Schnütgen-Museum beschäftigt ist.

Gliesmann und Grote trafen sich 2005 zufällig in Schwerte, den Kontakt vertieften sie rasch. Gliesmann schrieb seine Doktorarbeit über Retabel des 15. und 16. Jahrhunderts. Da durfte der Affelner Klappaltar, um den sich viele Geschichten bezüglich seiner Herkunft ranken, nicht fehlen.

In seinem Buch „Geschnitzte kleinformatige Retabel aus Antwerpener, Brüsseler und Mechelener Produktion des 15. und 16. Jahrhunderts“ fasste der Kunsthistoriker sein Wissen zusammen und veröffentlichte es im Imhof-Verlag.

„Endlich mal eine wissenschaftliche Arbeit“, sagte Friedhelm Grote bei einem Treffen mit dem Kunsthistoriker und Pastor Spancken Mitte November in der Affelner Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert und fügte hinzu: „mit vielen offenen Fragen“. Sowohl Grote als auch Gliesmann sind sich in vielen Fragen einig, wohlwissend, dass es noch einige Rätsel zu lösen gilt. Im Stile eines guten Detektives betrachtete Gliesmann das Retabel, erinnerte dabei an Sherlock Holmes oder Tom Hanks in seiner Rolle als Symbologe in dem Film „The Da Vinci Code“, und entdeckte Hinweise, die bisher verborgen blieben. Am Stil der Bilder und wiederkehrenden Mustern stellte Gliesmann fest, dass die Affelner Passionsretabel zu einer Reihe von Werken aus der selben „Feder“ zählt. Hierzu erklärte der Fachmann, dass Meister aus rein ökonomischen Gründen häufig die Auftragsarbeiten annahmen und Teile dann an weitere Künstler vergaben. So ist zu erklären, dass Haltung, Kleidung, Gestaltung von Gesichtern, räumliche Darstellungen oder Muster auf Umhängen erstaunliche Ähnlichkeiten mit anderen Klappaltären Europas aufweisen. ▪ maj

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