Deutlich erhöhte Personalkosten

Versorgungszentrum: Defizit von 80000 Euro

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Michael Beringhoff leitet das Medizinische Versorgungszentrum in Neuenrade an der Zweiten Straße.

Neuenrade - Kaum ist das Medizinische Versorgungszentrum Neuenrade (MVZN) aus der Taufe gehoben und der Haushalt verabschiedet, muss ein Nachtragshaushalt her. Statt des geplanten Mini-Ertrags im ersten Jahr in Höhe von knapp 3000 Euro, geht der Vorstand nun von einem Defizit in Höhe von rund 80 000 Euro aus.

Die Stadt Neuenrade müsse allerdings nicht einspringen, „weil es genügend liquide Mittel in Höhe von 54 000 Euro“ gebe, sagte Vorstand Gerhard Schumacher auf Nachfrage der Redaktion. Der Nachtragshaushalt des MVZN ist am Mittwoch kommender Woche, 20. Mai, ab 17 Uhr im Rahmen einer Verwaltungsratssitzung Thema. Die Sitzung findet im Kaisergarten-Saal statt. Grund für den Nachtragshaushalt seien die Corona-Pandemie und Neueinstellungen.

Trotz zusätzlicher Ärztin, Mohana Thayapararajah wurde erst vor wenigen Tagen vorgestellt (wir berichteten), seien die Umsatzerlöse in der neuen Planung nicht erhöht worden. Denn durch die Pandemie würden in Deutschland derzeit die Hausarztpraxen an sinkenden Patientenzahlen leiden. Davon sei auch das MVZN betroffen. Zwar hätte sich im ersten Quartal 2020 die Patientenzahl ganz gut entwickelt und sich den prognostizierten Durchschnittszahlen angenähert, doch werde mit wesentlichen Steigerungen wegen der Pandemie in den kommenden Monaten nicht gerechnet, schreiben die beiden Vorstände Daniel Wingen (Stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender) und Gerhard Schumacher (Kämmerer Stadt Neuenrade).

Bei Betrachtung der Gesamtsituation der hausärztlichen Versorgung rechnen Wingen und Schumacher frühestens im Herbst (vermutlich geht ein Arzt in den Ruhestand) mit einer Steigerung, die Schätzung vom Dezember 2019 habe man daher nicht verändert. Sprich: Die beiden gehen von gleichbleibenden Umsatzerlösen am Ende des Jahres aus. Grund für das geplante Defizit bei der Ergebnisrechnung des MVZN in Höhe von knapp 80 000 Euro sei der erhöhte Personalaufwand. Man habe nicht nur eine zusätzliche Ärztin eingestellt, sondern auch eine weitere Arzthelferin. Die Einstellungen seien perspektivisch sinnvoll für die hausärztliche Versorgung in Neuenrade.

Für die Einstellung der neuen Ärztin hat die Kassenärztliche Vereinigung zwar einen Betrag von 50 000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Summe muss jedoch als Darlehen ausgewiesen werden, auch wenn – sollte die Ärztin mindestens drei Jahre beim MVZN bleiben – 38 000 Euro davon nach Ablauf dieser Frist „als Zuschuss gebucht“ werden könnten und nur 12 000 Euro zurückgezahlt werden müssten. Zunächst müssten die 50 000 Euro aber als Darlehen im Vermögensplan gebucht werden. Die Personalkosten schlagen dafür dann im Erfolgsplan durch.

MVZN-Leiter Michael Beringhoff und der Vorstand haben über die Bezirksregierung noch einen Förderantrag beim Land gestellt und bewilligt bekommen. Für die Einrichtung des Arbeitsplatzes und die Ausstattung zusätzlicher medizinischer Geräte gibt es rund 18 400 Euro. Das sind immerhin 80 Prozent des Gesamtaufwandes von rund 23 000 Euro. Auch das ist in den Nachtragshaushalt eingearbeitet worden. Was die weitere Entwicklung des MVZN über das Jahr 2020 hinaus anbelangt, so halten sich Wingen und Schumacher zurück. Sie weisen darauf hin, dass für die Jahre 2021 bis 2023 noch keine Aussage getroffen werden könne, weil die Auswirkungen der Pandemie nicht abzuschätzen und wichtige Grundsatzentscheidungen für die künftige räumliche Entwicklung des MVZN noch nicht getroffen worden seien. „Da sind wir in Gesprächen“, sagte Schumacher auf Nachfrage.

Bleibt noch einmal der Blick auf den ursprünglichen Wirtschaftsplan, der im Dezember verabschiedet wurde. Dort war man ganz offensichtlich nicht von der zusätzlichen Einstellung eines Mediziners ausgegangen. Jedenfalls erhöht sich im alten Plan der Lohnaufwand bis zum Jahr 2023 lediglich um rund 30 000 Euro.

Der Beschlussvorschlag für die Sitzung des MVZN-Verwaltungsrates am 20. Mai: Ein geplantes Defizit im Erfolgsplan in Höhe von 79 675 Euro absegnen und im Vermögensplan freie liquide Mittel in Höhe von 54 175 Euro beschließen.

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