Statistik der Awo

Verschuldete Neuenrader: Das sind die Gründe

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Vielen wachsen die Schulden über den Kopf.

Neuenrade – Vor allem ist es eine unwirtschaftliche Haushaltsführung, die Neuenrader in die Schuldenfalle treibt. Die neue Statistik der Awo räumt mit vielen Klischees auf.

Auf den ersten Blick verspricht der Jahresbericht 2018 der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Positives: weniger Insolvenzen und weniger „harte“ Verschuldung. Hart verschuldet sind diejenigen, die ein Insolvenzverfahren beantragen mussten oder bereits Eintragungen im Schuldnerverzeichnis haben. Aber die weiche Verschuldung – erfolglose Mahnungen von Gläubigern – nimmt zu. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wie viele Menschen in Neuenrade suchen die Hilfe der Schuldnerberatung? 

Zum Jahresende 2018 hatte die Awo-Schuldnerberatung insgesamt 43 Klienten aus Neuenrade, davon sind 21 neu im vergangenen Jahr hinzugekommen, ebenso viele sind aus der Beratung ausgeschieden. 22 Klienten, die 2017 mit der Beratung begannen, wurden auch 2018 betreut. 

Wie alt sind die Schuldner? 

Etwa ein Viertel der Ratsuchenden (elf Personen) im vergangenen Jahr war zwischen 31 und 40 Jahren alt. Bei allen weiteren Altersgruppen – von jungen Erwachsenen bis zu Senioren mit 60 Jahren und älter – hält sich die Zahl der Kunden die Waage. Männer (55,8 Prozent) waren übrigens geringfügig häufiger in der Schuldnerberatung als Frauen (44,2 Prozent). 

Trifft es Einzelpersonen häufiger als Familien? 

Diesen Schluss lässt die Statistik für das vergangene Jahr nicht zu: Ein Drittel der Neuenrader mit Geldproblemen (13 Personen) ist ledig, 15 sind verheiratet und neun geschieden. Kinderreichtum scheint kein besonders großes Risiko für Überschuldung zu sein: Kein Schuldner aus Neuenrade hatte vier oder mehr Kinder. Vielmehr sind es Personen mit einem (15 Klienten) oder zwei (zwölf Klienten) Kindern, die in die Schuldenfalle tappen. 

Sind Ausländer häufiger verschuldet als Deutsche?

Das bestätigt die Statistik keinesfalls. Knapp 70 Prozent der Klienten waren Deutsche, 13 hatten eine andere Staatsangehörigkeit. Kein Schuldner aus Neuenrade hatte die deutsche Staatsangehörigkeit, aber einen Migrationshintergrund. 

Welche Rolle spielen Berufsausbildung und Selbstständigkeit? 

Dass Menschen ohne Berufsausbildung und Selbstständige öfter in die Schuldenspirale geraten, belegt die Statistik nicht: 22 Neuenrader mit Schulden haben eine abgeschlossene Ausbildung, 21 nicht. Und nur fünf der 43 Fälle zum Jahresende waren Menschen, die einmal selbstständig waren. 

Und mit noch einem Klischee räumt die Statistik auf: Es muss nicht die Arbeitslosigkeit sein, die Menschen in Schulden treibt. Denn 29 der 43 Schuldner aus Neuenrade haben ein Arbeitsverhältnis, nur acht waren arbeitslos. Erwartungsgemäß spielt aber die Einkommenshöhe eine bedeutende Rolle. Ein Drittel der Klienten hatte ein Monatseinkommen von weniger als 1139 Euro. Bemerkenswert: Immerhin 17,5 Prozent (sieben Personen) kamen mit mehr als 2500 Euro Monatseinkommen nicht aus. 

Wie hoch waren die Neuenrader verschuldet? 

Die größte Gruppe der Beratungssuchenden hatte 10 000 bis 25 000 Euro Schulden – insgesamt 14 Neuenrader. Nur knapp dahinter diejenigen mit vergleichsweise geringen Schulden von bis zu 5000 Euro (zwölf Personen). Nur ein Kunde der Schuldnerberatung hatte mehr als 100 000 Euro Schulden. 

Wie vielen Gläubigern schuldeten die Neuenrader denn Geld? 

Die meisten Schuldner (53,5 Prozent) hatten zwischen einem und fünf Gläubiger. Es gab aber auch vier Fälle, in denen bis zu 50 Gläubiger auf ihr Geld warteten. 

Wem schuldeten sie hauptsächlich Geld?

Platz eins: Telekommunikations- und Warenanbietern im Internet – mit je 18 Fällen. Ein Drittel gab an, Schulden bei der Bank zu haben, sogar etwas mehr als ein Drittel (32,3 Prozent) schuldeten ihrem Energielieferanten Geld. Und immerhin knapp ein Drittel (27,9 Prozent) hatten auch erhebliche Probleme, ihre Miete zu zahlen. Viele Schuldner gaben mehrere Ursachen für ihre finanzielle Misere an. 

Was waren die häufigsten Gründe für eine Überschuldung? Spitzenreiter der Gründe ist eine unwirtschaftliche Haushaltsführung (acht Fälle). Auffällig: Krankheit/Sucht, Arbeitslosigkeit und längerfristig niedriges Einkommen rangieren mit je fünf Fällen gleichzeitig auf Platz zwei.

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