Veronika Gumenjuk hört auf: Mit Leib und mit Seele Ärztin

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Eine Hausärztin in Neuenrade muss aus persönlichen Gründen aufhören.

Neuenrade - Veronika Gumenjuk hat geweint, als sie die Entscheidung fällen musste. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin, die mit Dr. Heidrich-Meisner in einer Gemeinschaftspraxis ist, wird aufhören.

 Dabei hätte sie so gerne weitergemacht. Sie liebt ihren Beruf und ihre Patienten. Sie ist 66 Jahre alt. Doch zum 31. Dezember diesen Jahres geht sie in den Ruhestand. Sie will sich um ihren schwer kranken Mann kümmern. „Die Familie geht vor.“ Alles ist auf den Weg gebracht. Sie hat ihre Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet, ihr Kassensitz ist ausgeschrieben, eine Anzeige geschaltet – bislang ohne Erfolg. Auch Kollege Heidrich-Meisner bemüht sich. Doch bislang ohne große Resonanz.

„Niemand will nach Neuenrade.“ Das kann sie nicht verstehen. In Neuenrade habe man „die besten Patienten, die es nur geben könne“. Hier herrsche gegenseitiges Vertrauen. Es tue ihr weh, diese Menschen zu verlassen. Und sie ist sich sicher: Ein Nachfolger würde mit den Menschen hier auch gut zurecht kommen. Natürlich ist ihr die gesamte Problematik rund um die Überalterung des Medizinbetriebes bewusst.

Sie sieht die Schuld ganz klar bei der Politik. Da habe es Versäumnisse gegeben, da hätte man eher strukturell eingreifen müssen. Der Beruf Hausarzt sei möglicherweise nicht mehr so attraktiv. So könne sie schon verstehen, dass jemand, der eine Familie gründe, das aktuelle Hausarztmodell nicht als Option sehen könne. Wenn sie damals unter den Umständen schon Hausärztin gewesen wäre, „dann hätte ich heute keine Familie“, sagt die Ärztin. Lange Arbeitszeiten während der Woche und am Wochenende noch all den Schriftkram, da bleibe wenig Zeit.

Die Umstände machten die Arbeit zudem unattraktiv. Die Bürokratie habe so drastisch zugenommen. „Die frisst alles auf.“ Seit 15 Jahren im Ort tätig Veronika Gumenjuk arbeitet mittlerweile seit 15 Jahren in Neuenrade und die Menschen sind ihr ans Herz gewachsen. Und die Sache mit dem Herz ist es auch, die ihre Arbeit ausmacht: „Es ist ein toller Beruf. Sie begleite ganze Familien. Sie sei eben mit Leib und Seele Ärztin. Das Finanzielle dürfe man bei diesem Beruf nicht in den Vordergrund rücken.

Und ob Medizinische Versorgungszentren der Stein der Weisen sei – da ist sie sich nicht sicher. Sie kenne Polikliniken aus eigener Anschauung. Sie glaubt jedenfalls, dass das Hausarztsystem nicht zu halten ist. „Es ist schade, wenn so etwas zu Ende geht“. Veronika Gumenjuk geht nicht ganz. Sie möchte noch als Vertretung arbeiten.

Neue SV-Serie Arzt-Report

Auf dem Land – vor allem in Westfalen – fehlen immer mehr Hausärzte. Eine 70-Stunden-Woche und überfüllte Praxen sind der Normalfall. Viele Ärzte sind weit über 60 und finden keine Nachfolger. Die Notlage ist der Politik seit langem bekannt – doch eine Besserung der Lage ist nicht in Sicht. Der Süderländer Volksfreund möchte wissen, wie dramatisch die Lage vor Ort tatsächlich ist. Wir sprechen mit Ärzten, mit Sprechstundenhilfen, mit Patienten und dokumentieren dies in unserer neuen SV-Serie „Arzt-Report“. Wenn Sie uns Ihre Praxis öffnen möchten, um von Ihren Erfahrungen zu sprechen – oder wenn Sie uns Ihre Sicht als Patient berichten wollen, wenden Sie sich an uns. Telefon: 02392 - 500578 Email: sv@mzv.net

Peter von der Beck

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