Dialog: Vernissage in der Stadtgalerie

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Brigitte Reinken-Stork und Silvia Voßloh im Gespräch während der Vernissage.

Neuenrade - „Sprich nicht – male!“ schrieben die Künstlerinnen Annette Kögel aus Werdohl und Renate Wischinski aus Uedem am Niederrhein unter ihre gemeinsame Arbeit, die eigentlich „Don’t talk just paint“ heißt.

Es ist das einzige gemeinsame Werk der beiden Künstlerinnen in einer Ausstellung in der Stadtgalerie Neuenrade, die sie tatsächlich in enger Nachbarschaft zeigt.

„Dialog“ lautet der Gesamttitel, und er ist mit Vorsicht zu genießen. Denn die oft nur zart angedeuteten bis stark abstrahierten Figuren in den Bildern kommen kaum miteinander ins Gespräch – sie sind isoliert, empfinden „Leere“, sprechen mit sich selber, warten – worauf auch immer. Majuskeln, also Großbuchstaben, die Annette Kögel über viele Bilder verteilt hat, deuten an, dass das Werkzeug Sprache eigentlich vorhanden ist, aber nicht funktioniert: „Versuchen Sie nicht, einen sinnvollen Text aus diesen Majuskeln zu rekonstruieren“, empfahl Klaus Peter Sasse.

 Nicht einmal festhalten konnte die Wandinstallation „Leere“ ihre Buchstaben – sie liegen auf einem Häufchen unter der weißen Leinwand. Vor allem farblich unterscheiden sich die Bilder der beiden Künstlerinnen: Während Annette Kögel gerne zu Braun-, Beige-, Grautönen und Schwarz greift, setzt Renate Wischinski auch kräftigere Farben bis hin zu Rosa ein.

Das passt zum etwas optimistischeren Weltbild ihrer Figuren, denen immerhin schon ein Satz wie „Es muss sich was ändern“ oder noch aktiver „Wir sollten uns jetzt entscheiden“ in den Mund gelegt wird. Das macht Spaß anzusehen. Neben ihren Bildern zeigt Annette Kögel auch Plastiken und vor allem ihre überbevölkerten Stelen.

Auch das ließe sich pessimistisch deuten: Nur unter dem Druck der irdischen Verhältnisse rücken die Menschen in einer Art und Weise zusammen, die jedoch auch keiner mehr will. Auch diese Figürchen sehen nicht aus, als pflegten sie einen Dialog. Es war ein schönes Erlebnis, dass Kunst mit einer eher pessimistischen Aussage ganz im Gegenteil zu intensiven Dialogen animierte. Viele Dialoge öffneten sich zu weiteren Gesprächen – Anlässe dafür gab es mehr als genug.

Und um dem Ganzen noch einen besonderen Glanz zu verleihen, tanzten Schülerinnen von Sinica Wingen nicht nur klassisches Ballett. Auch sie wurden zu lebendigen Figuren, die eine Menge Schönes miteinander auf den Tanzboden brachten. Die Ausstellung „Dialog“ ist in der Stadtgalerie Neuenrade in der Gemeinschaftsschule an den Wochenenden bis zum 23. April zu sehen. Samstags ist die Galerie von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet, an Sonntagen von 15.30 Uhr bis 17.30 Uhr. Führungen durch die Ausstellung außerhalb der Öffnungszeiten können unter Tel. 02392/69327 vereinbart werden.

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