Winkelgrunds Bilder zeigen vielfältige Orte des Übergangs

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Der der Vernissage hatten Besucher Gelegenheit, mit der Künstlerin (links) ins Gespräch zu kommen.

Neuenrade -  Einen Querschnitt durch ihr vielseitiges bildnerisches Schaffen zeigt die Plettenberger Künstlerin Johanna Winkelgrund bis zum 29. Oktober in der Stadtgalerie. Zur Eröffnung der Ausstellung „Mittendrin am Rand“ kamen am Sonntag zahlreiche Besucher in die Aula der Hönnequellschule.

Auf der einen Seite sehen die Besucher disziplinierte Strichzeichnungen, in denen Johanna Winkelgrund mit einem Minimum an gestalterischem Aufwand ein Maximum an Ausdruck erreicht. Manche dieser Bilder erinnern an Karikaturen.

„Im Karussell“ lautete der Titel einer kleinen humorigen Serie, deren groteske Gestalten den Betrachter scheinbar angrinsen. Das Thema „Kirmes“ begleitet die Besucher der Ausstellung: Sie finden eine „Kleinstadtkirmes“ als Linolschnitt und größere Karussell-Formate in Kohle und Acryl – üppig koloriert.

„Fahrgeschäfte“ beschäftigen Johanna Winkelgrund nicht nur in der Freizeitversion. Eines ihrer interessantesten Werke zeigt eine Straßenbahn und ihre Fahrgäste in ihrer alltäglichen Schönheit. Thematisch ähnlich ist das Bild „Straßenbahnendstelle“, das in seiner Art der Schilderung des Alltäglichen ebenfalls an Bilder von Edward Hopper erinnert. Während der amerikanische Maler seine Szenen aus dem ganz normalen Leben allerdings eher akademisch ausführte, malt Johanna Winkelgrund freier, expressionistischer. Dazu gehört auf vielen Bildern auch der recht freie Umgang mit den Farben, die sich durch das Naturvorbild nicht immer gängeln lassen.

Das Bild "Straßenbahnendhaltestelle" ist eines der interessanten Bilder der Ausstellung.


Volker Hauer vom Kunstverein Werkstatt Plettenberg lobte in seiner Einführung die Vielfältigkeit von Johanna Winkelgrunds Schaffen. Die Künstlerin zeige „transitorische Orte des Übergangs“ – so wie die Straßenbahnreisenden, die unterwegs zu unbekannten Zielen sind.

Die Beschreibung einiger ihrer Werke als „Bilder des Übergangs“ würde ebenfalls passen: Ein traditionelles Dorf etwa trifft durch eine Satellitenschüssel und ein Windrad unvermittelt auf die Moderne. Spannungen in gestalterischer Hinsicht zeigen Bilder, in denen die Künstlerin Strukturen gegenständlicher Motive darstellerisch bis an den Rand des Ungegenständlichen schiebt.

Doch verloren geht ihr der Gegenstandsbezug trotz der gestalterischen Freiheit nie: Immer zeigen Johanna Winkelgrunds Bilder Figuren oder Landschaften, Alltagsszenen oder etwas so Ungewöhnliches wie einen Steinbruch.

Geboren wurde die Künstlerin 1969 in Cottbus. Sie studierte von 1992 bis 1999 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und wurde dort im Jahr 2000 Meisterschülerin von Rolf Kuhrt. 2003 kam sie für ein Stipendium der „Werkstatt Plettenberg“ ins Sauerland. Bei der Vernissage ließ Johanna Winkelgrund ihre Bilder sprechen. Doch eines war ihr wichtig - „ein Dankeschön an alle, die dabei geholfen haben, in diesen schönen Räumen auszustellen.“

Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober samstags von 10 bis 12.30 Uhr und sonntags von 15 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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