Wahl in Neuenrade

Wiesemann wieder Bürgermeister und CDU stürzt ab 

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Marcus Dunker, CDU-Chef, gratuliert Antonius  Wiesemann zur Wiederwahl

Neuenrade – Es war eine historische Wahl in Neuenrade: Die CDU verliert ihre absolute Mehrheit im Stadtrat und landet bei knapp 49 Prozent. Bürgermeister Antonius Wiesemann bleibt indes im Amt. Die Neuenrader wählten ihn klar mit gut 55 Prozent zum Stadtoberhaupt.

DieCDU büßt satte 12,5 Prozent ein. Die Partei – die sämtliche Wahlkreise direkt holte – erhält nur noch 16 Sitze. Das ist ein Ergebnis, auf das die Oppositionsparteien hingearbeitet hatten. Bürgermeister Antonius Wiesemann musste schwer Feddern lassen: Im Vergleich zur Wahl in 2014, als Wiesemann als Bürgermeister noch mit knapp 80 Prozent gewann, ist das aktuelle Resultat ein eher bescheidenes Ergebnis. Wiesemann zollte den beiden Konkurrenten Thomas Wette (SPD) und Jan Schäfer (FDP) Respekt.

Zwei starke Gegenkandidaten

 Die beiden hätten „einen guten Wahlkampf“ abgeliefert. „Ich hatte zwei starke Gegenkandidaten. Ich will auch nicht verschweigen, dass ich mir mehr erhofft hatte.“ Ein Ergebnis zwischen 60 und 70 Prozent habe er ursprünglich angepeilt. Er habe nun „für weitere fünf Jahre ein deutliches Signal erhalten, weiter das Städtchen so zu führen“. Gewinner in Neuenrade sind vor allem die FDP, aber auch die Grünen. Die Liberalen holten etwas mehr als 14 Prozent und sitzen nun mit vier Vertretern im Stadtrat, die Grünen holten rund 8,5 Prozent und sitzen dort nun zu dritt. Die SPD und auch die FWG mussten Verluste hinnehmen. Die FWG konnte aber mit vier Sitzen ihren Anteil im Rat halten. Die SPD hat fünf Mandate. Die Parteigranden der CDU, Marcus Dunker als Parteichef und Mark Hantelmann als Fraktionschef, hatten für das aus CDU-Sicht sicher bescheidene Ergebnis noch keine Erklärung parat. Möglicherweise habe es an den „Brennpunktthemen“ gelegen. Zudem sei es den kleinen Parteien wie den Grünen und der FDP gelungen, alle Bezirke zu besetzen. „Wir werden die Köpfe zusammenstecken und die Situation beraten“, sagte Hantelmann – auch was die Ausschussbesetzungen angehe. Beide ließen auf Nachfrage durchblicken, dass man einer Koalition nicht abgeneigt sei. Dunker sagte, dass man „das durchdenken“ wolle. „Schauen wir, wo es die größten Schnittmengen gibt. Dann werden wir auf die Parteien zugehen“.

"Grandioses Ergebnis"

 Absolut zufrieden ist der FDP-Bürgermeisterkandidat Jan Schäfer mit dem Ergebnis. Er habe mit 20 Prozent gerechnet und sei nun bei knapp 25 Prozent gelandet. „Das ist ein grandioses Ergebnis. Damit brauche ich mich nicht verstecken.“ Zudem freue er sich, dass die absolute Mehrheit der CDU gefallen sei. Michael Hammer, FDP-Chef, glaubt, dass die FDP ihr Scherflein zu den Verlusten der CDU beigetragen habe. Er kündigte an, dass die FDP „konstruktiv mit ihrem themenorientierten Arbeiten“ weitermachen werde. Enttäuschung gibt es bei der SPD. Thomas Wette, als Bürgermeisterkandidat angetreten und auch Parteichef. macht aus seinem Frust keinen Hehl. Rund 20,5 Prozent holte er. „Ich bin nicht damit zufrieden.“ Man habe soviel gearbeitet und Engagement gezeigt – da habe er andere Zahlen erwartet. „Wir sind viel gelobt worden für unsere Arbeit. Aber das waren wahrscheinlich unsere eigenen Leute.“ Aber Wette sagte auch: „Die absolute Mehrheit der CDU gibt es nicht mehr. Das begrüßen wir. Das war auch unser Wahlziel.“ Jetzt sei eine größere Meinungsvielfalt möglich. „Die Leute wollten Veränderung. Aber haben leider uns nicht gewählt.“ 

Opposition will durchstarten

Jetzt werde man unter neuen Voraussetzungen durchstarten. Bei der FWG freuten sich Detlef Stägert (Vorsitzender) und Bernhard Peters (Fraktionschef), dass man die vier Sitze halten konnte. Schon während des Wahlkampfs habe man festgestellt, dass die FDP wohl diesmal stark aufsteigen werde. Von daher habe man mit dem Ergebnis gerechnet. Und das Ziel, die CDU unter die 50 Prozent zu bringen – das habe man erreicht, betonte Stägert. „Es wäre schön gewesen, wenn die CDU noch weiter unter der 50-Prozent-Marke geblieben wäre“. Nun gebe es neue Perspektiven, der Rat sehe anders aus. Stägert: „Wir werden nun mit jeder Partei um das bestmögliche Ergebnis für Neuenrade ringen.“ Peters ergänzte: „Wir freuen uns auf neue Mitglieder im Rat und auf spannende Debatten.“ Dass sich die politischen Rahmenbedingungen in Neuenrade ändern werden, hatte sich so nicht abgezeichnet. Zumindest war das im Wahllokal und von dem einen oder anderen Wähler nicht zu hören. Die angehende Medienmanagerin Piriyanga Karunananthan hatte sich vor der Kommunalwahl nochmals in alles eingelesen. und wollte zudem ihrer Bürgerinnenpflicht als junge Wählerin nachgehen. Ein spezielles Thema, das ihre Wahlentscheidung beeinflusst, hatte sie nicht. Bleibt noch der Kommentar der Bündnisgrünen zur Wahl: Uli Naumann, Sprecher der Grünen ist „zufrieden mit dem Gewinn der drei Sitze“. Es sei auch gut, dass die absolute Mehrheit der CDU gebrochen sei. Zum Ausgang der Bürgermeisterwahl sagte der Sprecher: „Ich persönlich kann gut mit Bürgermeister Antonius Wiesemann leben, aber bei den Grünen gibt es dazu unterschiedliche Ansichten“. 

Von Peter von der Beck

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