Volkstrauertag in Neuenrade : Vergangenheit, Verantwortung, Zukunft

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Viele Jüngere nahmen an der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Neuenrade teil.

Neuenrade - Wie gefährlich Worte sein können, erläuterte Christian Berwanger am Beispiel des Zitates von Alexander Gauland (AFD). Der hatte die Zeit des Nationalsozialismus „als Fliegenschiss“ in der Geschichte Deutschlands bezeichnet. Ein Zitat, das den Geschichts- und Lateinlehrer Berwanger in der Endphase zur Vorbereitung des Projekts der Hönnequell-Schüler „Vergangenheit, die nicht vergeht“ zu Ohren kam.

Er fragte, wie er denn Schülern die NS-Zeit vermitteln solle, wenn dabei so eine „sprachliche Bagatellisierung“ vorgenommen werde. Worte würden ungefiltert gerade in Köpfe Heranwachsender eindringen, verankerten sich dort. Spätere Relativierung spiele da nicht mehr die große Rolle.

Nicht Schuld, sondern Verantwortung

Warum immer wieder NS-Zeit, wieso werde diese Zeit immer thematisiert, warum nicht 30-jähriger Krieg oder andere historische Themen? Doch: Auschwitz zu sehen, sei etwas anderes. Es gehe nicht um Mitleid oder Schuld, sondern um Verantwortung. Geschichte zu betrachten, bedeutet die Gegenwart besser zu verstehen und eine eigene Meinung zu bilden. Berwanger sagte zum Abschluss. „Keiner unserer Schüler wird die NS-Zeit als Fliegenschiss in der Geschichte betrachten.“

Präsentation

Die nachfolgende Präsentation mit Eindrücken und Bilder aus Ausschwitz, welche die industrielle Tötungsmaschinerie des NS-Regimes dokumentierte, gewann eine besondere Eindringlichkeit, weil die Schüler wohl die Geschehnisse eher wissenschaftlich-nüchtern präsentierten und auch aktuelle Zusammenhänge herstellten.

Friedensprojekt Ysselsteyn

Mit den Schrecken des Ersten Weltkrieges befassen sich Neuenrader Jugendliche im Rahmen eines Projekts, das seit nunmehr 31 Jahren jährlich stattfindet. Im holländischen Ysselsteyn beschäftigen sich junge Leute mit dem Tod auf dem Schlachtfeld. Eine besondere Friedensarbeit mit jungen Menschen, die hier unter Federführung von Sabine Protzer geleistet wird. Auch dazu gab es eine Präsentation zum Nachdenken anhand von zwei Einzelschicksalen und auch zu dem Kollwitz-Denkmal „Die trauernden Eltern“.

Frieden stiftende Integration Europas

 Zuvor hatte Bürgermeister Antonius Wiesemann in seiner Rede ebenfalls auf die Lehren der Vergangenheit verwiesen. Insbesondere verwies er auf den Schatz der europäischen Integration, den man bewahren müsse. Schnell könne aus Frieden Krieg werden. Er hoffe dass man sich nicht einmal fragen müsse wie das geschehen konnte. Das Streicherensemble der Musikschule Lennetal spielte ein Thema aus „Der Tod und das Mädchen“, sowie Lacrymosa und zum Abschluss die Nationalhymne.

Von Peter von der Beck

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