Sie schlichten Streitigkeiten

Vereidigung erfolgt: Das sind die neuen Schiedsleute für Neuenrade

Schiedsleute für Neuenrade: Im Flur des Amtsgerichtes präsentieren sich Amtsgerichtsdirektor Dieter Neuhoff, Bürgermeister Antonius Wiesemann, Werner Fuderholz, Angelika Maria Stracke (links) und Martin Köper (rechts).
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Im Flur des Amtsgerichtes präsentieren sich Amtsgerichtsdirektor Dieter Neuhoff, Bürgermeister Antonius Wiesemann, Werner Fuderholz, Angelika Maria Stracke (links) und Martin Köper (rechts).

Martin Köper und Angelika Maria Stracke sind die beiden neuen Schiedsleute für den Amtsbezirk Neuenrade.

Nachdem der Neuenrader Stadtrat die beiden nach Vorschlag durch Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) bereits im November in nicht-öffentlicher Sitzung bestätigt hatte, wurden Köper und seine Stellvertreterin Stracke am Dienstag im Altenaer Amtsgericht von Amtsgerichtsdirektor Dieter Neuhoff vereidigt.

Das geschah unter Pandemiebedingungen hinter Acrylglasabschirmungen mit Abstand und nacheinander. Normalerweise sitze man „zusammen bei Kaffee und Plätzchen“, sagte Neuhoff. Das werde möglicherweise nachgeholt. Sowohl Neuhoff als auch Wiesemann betonten die Bedeutung dieses Ehrenamtes, das die Gerichte entlastet und das Zusammenleben stärke.

Gespräche finden häufig im Rathaus statt

Vor allem für Wiesemann ist es wichtig. Die Stadt stellt den kleinen Sitzungssaal des Rathauses für die Gespräche zu Verfügung, auch eine extra Telefonnummer wurde auf Anregung von Werner Fuderholz aufgeschaltet. Fuderholz war wohl beispielhaft in seinem Engagement, er hatte die Idee mit der Rufnummer, über die er auch im Urlaub über etwaige Fälle und Anfragen in Kenntnis gesetzt wurde.

Fuderholz wurde am Dienstag verabschiedet, er kann nicht weitermachen, weil der die Altersgrenze von 70 Jahren erreicht hat. Sein Stellvertreter Heribert Rath war verstorben. Fuderholz bekam eine Anerkennungsurkunde vom Landgerichtspräsidenten.

Vereinbarungen haben verbindlichen Rechtscharakter

Wie Fuderholz erläuterte, seien es meist Nachbarschaftsstreitigkeiten, um die er sich habe kümmern müssen. Manches könne man sozusagen unverbindlich zwischen Tür und Angel klären. Oft helfe ein Telefongespräch oder ein persönliches Gespräch. Anderes hingegen werde besprochen, vereinbart, protokolliert und habe den entsprechenden Rechtscharakter. Werde die Vereinbarung gebrochen, könne Klage erhoben werden, erläuterte Fuderholz.

Dabei geht es um Angelegenheiten des Zusammenlebens: Wenn der Baum über die Grundstücksgrenzen ragt und im Herbst das Laub auf den gepflegten Rasen fällt. Aber Schiedsleute werden durchaus auch nach einer Rangelei tätig und versuchen Streitigkeiten außergerichtlich zu schlichten. Abstrakter formuliert: in für Außenstehende weniger wichtigen strafrechtlichen und nachbarschaftlichen Angelegenheiten, also wenn der Staatsanwalt kein öffentliches Interesse sieht.

Grundlage ist das Bürgerliche Gesetzbuch

„Die Schiedsperson entscheidet in Streitigkeiten nicht, sondern führt zwischen den Parteien einen Vergleich herbei, das heißt, einen Vertrag, aus dem gegebenenfalls auch unmittelbar die Zwangsvollstreckung betrieben werden kann“, so steht es auf der Homepage der Stadt Neuenrade zu dem Thema. Die misst diesem Ehrenamt eben auch in Person von Antonius Wiesemann besondere Bedeutung zu. Ziel eines jeden Gespräches zwischen den Schiedsleuten und Kontrahenten ist es, immer etwas auf Basis des gesunden Menschenverstandes zu finden – natürlich mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch als Grundlage.

Mit drei bis fünf Fällen pro Jahr – unabhängig von den Tür-und-Angel-Gesprächen – müssen Schiedsleute rechnen. Sie werden zudem geschult.

Lebenserfahrung als Voraussetzung

Schiedsfrau oder Schiedsmann wird man durch Ansprache, auch Bewerbungen sind möglich. Gewählt wird man für fünf Jahre. Man legt Wert auf Lebenserfahrung. Das Mindestalter liegt bei 30 Jahren, das Höchstalter bei 70 Jahren. Für Schiedsleute wird eine entsprechende Weiterbildung angeboten. Die Schiedsleute sind gut organisiert, es gibt Bundes- und Landesvereinigungen.

Der neue Schiedsmann Martin Köper ist 49 Jahre alt. Der Diplom-Kaufmann wohnt in Küntrop und arbeitet bei Stauff im Bereich Finanzen und Controlling. Angelika Maria Stracke, 57 Jahre alt, ist wissenschaftliche Referentin an der Katholischen Hochschule Westfalen in Paderborn. Sie ist verheiratet und dreifache Mutter.

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