Vanilla Boat Crew spielt beim Burgschuljubiläum

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Die Balver Band Vanilla Boat Crew spielt Britrock mit einem Hauch Pop. Die Bandmitglieder träumen davon, irgendwann einmal auf der Insel spielen zu können.

NEUENRADE ▪ Sechs Geschwister und noch einer, der „zur Familie gehört“, wie Anna Eifler betont – das sind Vanilla Boat Crew. Wenn sich das Septett in den Proberaum quetscht, dann geht es auch schon mal rund: „Zwischen uns kann es richtig knallen, aber keiner nimmt einem anderen etwas übel“, verrät Silas Eifler.

Die Rockgruppe fuße auf einem „großen Zusammenhalt“, man empfinde „viel Liebe füreinander“. Und – wohl auch nicht ganz unwichtig: „Wir sind alle gleich verrückt.“

Die Balver Band spielt beim 100-jährigen Jubiläum der Burgschule. Zu ihr gehören neben den Geschwistern Anna (28 Jahre alt, spielt Cello) und Silas (25, Gitarre, Vocals, Kontrabass) auch Vanja (20, Drums), Mosche (18, Klavier), Parosch (22, Trompete, Percussion, Harp) sowie Joshua (26, Bass) Eifler und der aufgenommene Bruder Sebastian Queren (27, Gitarre, Vocals).

Sie spielen Britrock. „Mit einem Hauch Pop“, ergänzt Silas. Ihr Geschmack ist identisch. Und ihr Ziel steht fest. Anna fasst es in Worte: „Wir wollen nach England.“ Ins Mutterland der Rockmusik zieht es die musikalische Familie. Berühmt müssten sie nicht unbedingt werden. „Okay, es muss kein Hobby bleiben. Es darf auch mehr werden“, sinniert Silas. Aber Anna stellt klar: „Wenn’s nicht klappt, werden wir auch weiter Musik machen.“ Aber live auf der Insel spielen, dass möchten sie auf jeden Fall.

Am Anfang stand – was sonst – ein Brite. Zwei Konzerte von Carl Barât in Köln und Bielefeld besuchten die Geschwister und Sebastian, der Silas bereits aus einer anderen Band kannte. Sie lernten den Musiker dabei kennen, machten Fotos mit dem Gitarristen und Sänger. Die beiden Shows des britischen Musikers waren eine Art Initialzündung für Vanilla Boat Crew.

Silas träumte eines Nachts von der noch namenlosen Band und von einem zurückliegenden Urlaub am Gardasee. Dort lag am Ufer ein Schiff, von welchem aus Eis verkauft wurde. Silas gönnte sich eine Kugel. Nach der Geschmacksrichtung benannte er für sich selbst das Schiff Vanilla Boat. Der Bandname war geboren – im Traum. Sebastian ergänzte noch das Wörtchen Crew, „um unser Zusammengehörigkeitsgefühl zu unterstreichen.“

Seit Dezember 2010 spielte das Septett schon acht Konzerte von Dortmund über Paderborn bis Kassel. Bis zu 300 Zuschauer standen jeweils vor der Bühne. Der Radiosender Eins Live empfahl im Rahmen seiner Ausgeh-Tipps einst einen Auftritt der Band, erinnert sich Anna stolz.

Die Geschwister waren zuvor schon Musiker – jeder für sich. „Aber dann wollten wir unser Potential zusammen packen“, erinnert sich Silas. Dabei entstanden bisher 16 Songs. „Wir haben eine Rock-Seele gekoppelt mit einer charmanten Seite“, beschreibt Silas. Sebastian nickt: „Manche Songs sind sehr sensibel.“

Viel Zeit für die Band bleibt den sieben nicht. Arbeit, Studium und Schule sorgen dafür, dass bei der einen Probe pro Woche kaum einmal alle gemeinsam da sind. „Das ist alles schwer unter einen Hut zu bringen“, bedauert Sebastian. Trotzdem sorgen er und Silas dafür, dass die Konzerte ausschließlich aus Eigenmaterial bestehen.

Die beiden Komponisten bringen die Grundideen für die Songs. Um die Proben nicht zu überladen, entwickeln sie dann mit jedem Mit-Musiker Arrangements für die einzelnen Instrumente. Schließlich soll jeder zu Gehör kommen. Sebastian umschreibt es so: „Unsere Lieder sind wie eine Unterhaltung.“

Nicht immer gelingt es, die so erdachten Arrangements im Proberaum zueinander zu führen. Manchmal überlagern sich die Instrumente. Anna beschreibt die Feinarbeit: „Wir machen Aufnahmen. Die hören wir uns dann an und reflektieren das Gehörte.“ Trotzdem geht es meist recht schnell, bis wieder ein Vanilla-Boat-Crew-Song fertig ist. „Wir haben schon wieder ein paar im Hinterkopf“, lässt sich Sebastian in die Karten schauen.

Vielleicht sind das dann die drei oder vier Songs, die im Herbst für eine erste eigene EP aufgenommen werden sollen. Es folgt ein besonderer Auftritt: In der Dortmunder Pauluskirche. Wenn die Sauerländer dort am 8. September live spielen, soll die EP schon verkauft werden. Die Texte werden sich wieder um Selbst-Erlebtes drehen. Politik oder Gesellschaftskritik sucht der Zuhörer vergebens. Sebastian umreißt die Themenfelder: „gewonnene und verlorene Liebe, Freundschaft“. Sie wollen, so Silas, einfach ihre „Gedanken los werden“. Sebastian stellt aber klar: „Wir haben unsere eigenen Ansprüche an die Texte. Es muss in sich einen Sinn ergeben.“ Meist reimten sich die Ergebnisse. Und wenn zwei Zeilen sich einmal nicht reimten, „dann gibt das einen schönen Bruch“. Silas räumt ein: „Was wir an vielen Musikern bewundern, sind ihre Texte.“ Gute Lyrics müssten „ehrlich und echt“ sein. ▪ Von Michael Koll

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