Urteil: 57-Jähriger bekommt 18 Monate Haft

Die Kammer stellt einen Teil der 23 Anklagepunkte ein. Bedrohungen auf Obergerichtsvollzieher wirken sich negativ aus. Deshalb Unterbringung in Psychiatrie angeordnet.

NEUENRADE/HAGEN ▪ Nahezu regungslos sitzt der 57-Jährige auf der Anklagebank und starrt auf die Tischplatte. Von Zeit zu Zeit rutscht er auf seinem Stuhl vor und zurück. Seine Bewegungen wirken dabei wie in Zeitlupe. Auch als das Urteil verkündet wird, zeigt der Neuenrader keine Gefühlsregung. Von Jana Peuckert

Nachdem es einen Teil der insgesamt 23 Anklagepunkte eingestellt hatte, verurteilte das Landgericht Hagen den Mann gestern zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Zudem ordnete die Kammer aufgrund einer wahnhaften Störung die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Damit kam das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft nach. Die sah den Tatvorwurf durch Zeugenaussagen als bewiesen an. Besonders negativ wirkten sich für den Angeklagten die an einen Obergerichtsvollzieher gerichteten Bedrohungen aus.

In zahlreichen Briefen hatte der Neuenrader immer wieder davon gesprochen, die Leiche des Mannes und die seiner Frau zu zerteilen und zu verspeisen. Der Staatsanwalt sprach in diesem Zusammenhang von „Bedrohungen erheblicher Intensität”. Aufgrund der beim Geschädigten verursachten Angst, war es ihm und seiner Familie über einen längeren Zeitraum nicht möglich gewesen, ein unbeschwertes Leben zu führen.

Der Verteidiger des Mannes, Rechtsanwalt Thomas Drost hingegen forderte einen Freispruch für seinen Mandanten. In seinen Augen konnten dem 57-Jährigen einige Taten nicht eindeutig nachgewiesen werden. Bezüglich des Angriffs auf den Obergerichtsvollzieher plädierte er auf Schuldunfähigkeit.

Die Unterbringung in eine Psychiatrie hielt jedoch auch er für eine sinnvolle Lösung. Auch die abschließenden Worte der Kammer machten die Notwendigkeit einer solchen Unterbringung noch einmal deutlich: „Es sind weitere erhebliche Straftaten vom Angeklagten zu erwarten, weswegen er für die Allgemeinheit gefährlich ist.” Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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