Saftige Geldstrafe für die Urlaubsvertretung des Dealers

Symbolbild

Neuenrade- Eine solche Urlaubsvertretung wird ein ehemaliger Neuenrader wohl nie wieder machen: Wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln muss der 25-Jährige eine Geldstrafe von 4500 Euro bezahlen.

Die Anklage klang merkwürdig: „An einem nicht genau bekannten Ort in der Umgebung von Neuenrade und Werdohl“ sollte der junge Mann bis am 25. August 2013 bis zu 100 Gramm Marihuana bei sich gehabt haben. Diese Unbestimmtheit machte schon deutlich, dass er mit dieser Ware nicht der Polizei in die Hände gefallen war. Vielmehr hatte einer der beiden Brüder, die Neuenrade im Jahr 2012 mit einer Einbruchserie heimgesucht hatten, den 25-Jährigen abgezogen: „Ich habe ihm die 100 Gramm einfach so weggenommen“, sagte der Zeuge – „in Küntrop an der Schützenhalle“. Dabei sei der Bestohlene nur die Urlaubsvertretung für seinen regelmäßigen Lieferanten gewesen, berichtete der 21-Jährige. Doch der Lieferant sei in jener Zeit im Urlaub in Italien, und deshalb habe der Angeklagte den Job vorübergehend übernommen. „Das stimmt nicht“, versicherte dieser. „Ich war nicht im Raum Neuenrade mit 100 Gramm Marihuana unterwegs.“ Der mutmaßliche Geschäftsinhaber des Bauchladens für Marihuana stellte sich als Zeuge vor seine Urlaubsvertretung: „Er hat nie etwas von mir bekommen und hat nie den Läufer für mich gegeben“, versicherte er.

Staatsanwalt Bußmann glaubte dem räuberischen Zeugen dennoch: „Er hat (strafrechtlich) sein Paket gekriegt. Der hat überhaupt nichts davon, wenn er jemanden in die Pfanne haut“, stellte er fest und zeigte sich davon überzeugt, dass der Zeuge dem Angeklagten tatsächlich ein ordentliches Päckchen Marihuana abgenommen hatte.

Da dieses aber nicht der Polizei in die Hände gefallen war, konnte der genaue Wirkstoffgehalt nicht ermittelt werden. Deshalb gingen Staatsanwalt und Richter gegen ihre persönliche Überzeugung bei der Entscheidung davon aus, dass die strafrechtlich sehr bedeutsame Grenze zur „nicht geringen Menge“ nicht überschritten war. „Im Prinzip ist das nicht sein Milieu“, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten zugute, der beruflich recht erfolgreich unterwegs ist. „Das war ein Freundschaftsdienst für seinen besten Kumpel.“

Auch Richter Dirk Reckschmidt sah keinen Grund für den inhaftierten Belastungszeugen, „hier nicht die Wahrheit zu sagen“. 100 Gramm Marihuana seien nicht wenig. „Da ist die halbe Jugendszene in der Umgebung bekifft.“ Er verurteilte den 25-Jährigen zu 90 Tagessätzen zu je 50 Euro, die der Aushilfsdealer überraschenderweise sofort akzeptierte. Mit einem klaren Geständnis hätte er möglicherweise Geld sparen können.

Der Belastungszeuge indes, welcher aus der Jugendhaftanstalt Iserlohn-Drüpplingsen angereist war, nahm seinerseits gute Wünsche für den Fortgang seiner mehrjährigen Strafhaft mit, die er nach der Einbruchserie in Neuenrade kassiert hatte. Derzeit macht er in der Iserlohner Vollzugsanstalt eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker. „Weiter ordentlich lernen und arbeiten!“, lautete deshalb die freundliche Empfehlung des Staatsanwalts.

- Von Thomas Krumm

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