Eine Fahrt mit Dieter Lötters

Unverzichtbares Angebot

+
Der weiße Mercedes-Bus ist jeden Tag im Stadtverkehr unterwegs. Der Bürgerbusverein finanziert sich mit Hilfe der Einnahmen von den Fahrten. Der Fahrgästemangel macht den Vereinsmitgliedern sorgen.

Neuenrade - „Wollen sie schnell noch Kartoffeln holen?“, fragt Dieter Lötters, Bürgerbusfahrer, die ältere Dame. Dann steuert er den großen, weißen Bus an den Rand des Marktplatzes. Geräuschlos öffnet sich die Tür und die Frau eilt zum Stand des Gemüsehändlers. 

„Wenn es die Verkehrssituation zulässt, dürfen wir kurz anhalten“, erklärt der 75-jährige Lötters. Schon steigt die Seniorin wieder zu. „Sie sind ein Engel“, rutscht es ihr heraus. Dann lässt sie sich mit einem Lächeln im Gesicht auf einen der blauen Sitze fallen. „Kein Problem“ entgegnet Lötters, schließt die Türen und fährt weiter.

Militmeterarbeit

Seit acht Jahren ist er ehrenamtlicher Fahrer und steuert den Mercedes-Bus über die Straßen der Stadt. „Das ist manchmal Millimeterarbeit“, sagt der 75-Jährige über seine Fahrten. Wie auf Kommando biegt vor ihm ein weißer Toyota ein und fährt auf den Bus zu anstatt zu warten. „Ein bisschen mehr Rücksicht auf den Bürgerbus“, schimpft Fahrer Lötters leise und lenkt den großen Mercedes langsam an dem anderen Fahrzeug vorbei.

Jedes halbe Jahr muss er zu einer Fahrtüchtigkeits-Untersuchung, erklärt er. Außerdem hat er zusätzlich zum Führerschein einen speziellen Beförderungsschein gemacht. Dieser muss alle fünf Jahre erneuert werden. 

Knapp 30 Fahrer seien im Bürgerbusverein. „Die brauchen wir auch, schließlich müssen jeden Tag drei Schichten besetzt werden“, sagt der 75-Jährige. Neue Fahrer seien immer willkommen, betont er weiter. 

Auf drei Linien verkehrt der Bürgerbus im gesamten Stadtgebiet. Seit neuestem steuert er auch den Baumarkt an. Besonders viel Spaß habe Lötters auf Fahrten mit der „Kindergartenlinie“. „Da passiert immer etwas“, sagt er und lacht. 

Wenn sich die Tür des Bürgerbusses öffnet, werden die Fahrgäste vom 75-jährigen Dieter Lötters begrüßt.

Die Jungen und Mädchen würden ihn nur liebevoll „Herr Bürgerbusfahrer“ nennen. Auf den Fahrten werde dann oft gemeinsam gesungen. Außerdem würden die Kinder viel erzählen, sei es nun eine Geschichte aus ihrem Alltag oder der Inhalt ihres Wunschzettels für das Weihnachtsfest. Da nicht alle Fahrer die Fahrten mit den Kindern mögen würden, müssten die Schichten sorgfältig geplant werden, betont der Rentner.

Die Fahrten mit den älteren Fahrgästen würden dagegen mehr Routine bieten. „Das sind ja alles vernünftige Leute“, betont er und zwinkert seinen Kunden zu. Diese lachen und entgegnen: „Wenn der Gute aber mal eine Haltestelle verpasst, haben wir lange Schirme, um ihn von hinten zu pieksen.“ Da schmunzelt dann auch der wortgewandte Lötters. 

Dass besonders für die älteren Fahrgäste der Bürgerbus aber nicht zu ersetzen ist, wird bei einer Mitfahrt schnell deutlich. Für viele wären tägliche Besorgungen, Arztbesuche und andere Termine nicht möglich. „Sie sind wirklich Gold wert“, betont eine Dame, die täglich mit dem Bus fährt. 

Monatskarte für 40 Euro

Auch ein älterer Herr erklärt: „Ich habe extra eine Monatskarte, weil ich so oft fahre.“ Diese kostet ungefähr 40 Euro. Für eine Einzelkarte zahlen Erwachsene 2 Euro und Kinder 1,20 Euro. Nirgendwo sonst würden Ehrenamtler so viel Lob und Dank erhalten wie im Bürgerbus, erzählt Dieter Lötters. 

Einzig die Anzahl der Fahrgäste mache ihm etwas Sorgen. „Es wäre schon wichtig für uns, wenn mehr Leute unser Angebot nutzen würden.“ Schließlich finanziere sich der Verein selber und müsse auch daran denken, dass irgendwann ein neuer Bus benötigt werde.

Während er erzählt und das Fahrzeug durch die schmalen Straßen steuert ruft plötzlich ein Fahrgast von hinten: „Stopp, können sie mich hier rauslassen?“ Fahrer Lötters schaut sich um und parkt den Bus am Straßenrand. Die ältere Frau kommt langsam nach vorne und tritt durch die geöffnete Tür. „Dankeschön“, sagt sie und steigt aus. 

Nach einer kurzen Weiterfahrt erreicht der Bus wieder die Haltestelle Zweite Straße. Lötters guckt auf die Uhr und stellt fest: Schichtwechsel. Dann öffnet er ein letztes Mal an diesem Tag die Bustür und begrüßt seine Ablösung mit einem Handschlag und einem lauten: „Na wie gehts mein Freund?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare