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Unternehmen im MK will mit E-Mobilität durchstarten

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Von: Peter von der Beck

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Jacques Mbuyi überprüft die Qualität der Schweißnähte, hier mit Geschäftsführer Sebastian Wagenbach.
Jacques Mbuyi überprüft die Qualität der Schweißnähte, hier mit Geschäftsführer Sebastian Wagenbach. © von der Beck, Peter

Die Neuenrader Kohlhage-Gruppe ist der automobilen Zukunft zugewandt. Die Verantwortlichen haben noch viel vor.

Die Gruppe nutzt auf dem neuen Markt der Elektromobilität die sich bietenden Chancen „als agiler, schneller mittelständischer Betrieb“. Noch bevor man bei der großen Konkurrenz quasi „auf die fünfte Unterschrift“ warte, konnte Kohlhage E-Tech seine Technik beim Automobilkonzern Mercedes-Benz präsentieren, erläutert Sebastian Wagenbach, einer der Geschäftsführer.

Inzwischen liefert Kohlhage exklusiv im fünfstelligen Stückzahl-Bereich wesentliche Teile für Mercedes-E-Modelle: Nämlich „hochpräzise Aggregateträger aus Stahlrohren zur Aufnahme der Elektroantriebe für Elektromotoren“. Die Träger werden in Neuenrade zum Großteil von Robotern geschweißt und von laut Wagenbach „Europas modernster Laseranlage“ mit passgenauen Bohrungen versehen.

Gestell ersetzt quasi die Knautschzone

Es handelt sich dabei um eine Art Tragegestell, das nicht nur den Motor und die vielen anderen Aggregate beherbergt, sondern auch durch seine Konstruktion einen wichtigen Sicherheitsaspekt erfüllt. Es ersetzt quasi die Knautschzone, die zu Verbrennerzeiten der gesamte Motor mit seinen komplexen Aggregaten und Zusatzteilen darstellte. Bei einem Werksrundgang in Neuenrade wird klar: Diese neue Motorhalterung ist das Ergebnis aus einer Kombination hochpräziser Einzelprozesse.

Sebastian Wagenbach und Sven Lehecka, beide Geschäftsführer, präsentieren eine der neuen Motorhalterungen. Die Konstrukte sind das Ergebnis einer Kombination hochpräziser Einzelprozesse.
Sebastian Wagenbach und Sven Lehecka, beide Geschäftsführer, präsentieren eine der neuen Motorhalterungen. Die Konstrukte sind das Ergebnis einer Kombination hochpräziser Einzelprozesse. © von der Beck, Peter

Mit einem integrierten Qualitätsmanagement, bei dem den Menschen immer noch die Schlüsselrolle zukommt, strebt Kohlhage laut Wagenbach die „Zielvereinbarung null Parts per Million“ (die Zahl fehlerhafter Teile muss null bei einer Million Teile sein) an. So ist zum Beispiel Jacques Mbuyi ein wichtiger Mann in der Metallografie/Qualitäts- und Prüfabteilung. Er checkt die wichtigen Schweißnähte auf Fehler; an einem anderen Gerät wird eine spezielle Technologie eingesetzt, um Nietenfestigkeit zu überprüfen. Jedes Teil ist natürlich mit Prüfnummern und Codes gekennzeichnet, bei Fehlern kann alles zurückverfolgt und die Ursache behoben werden. Nicht ohne Stolz präsentiert daher Geschäftsführer Wagenbach das wie ein Uhrwerk laufende Produktionssystem in dem Sauerländer Vorzeigebetrieb. Hier werden nun verschiedene Produkte – aus bis zu 15 Komponenten bestehend und bis zu 80 Anschraubpunkte enthaltend – produziert.

Ein neuer Coup

Ein neuer Coup ist der Kohlhage-Gruppe nun gelungen, indem Geschäftsführer Sven Lehecka den Finnentroper Maschinenbauer Pfeiffer Biegetechnik GmbH & Co. im Rahmen eines Assetdeals (nur Know-how, Maschinen, Werkzeuge) erworben hat. Die Kohlhage-Gruppe übernahm dabei auch die sechs Mitarbeiter, sicherte den Standort in Finnentrop. Mit dem Assetdeal nahm Kohlhage E-Tech gleichzeitig eine spezielle Technik ins Produktionsportfolio, die nun der eigenen Gruppe zur Verfügung steht. Kohlhage ist damit in der Lage, mit den Pfeifferschen Maschinen leichte Aluminiumprofile zu biegen. „Streckbiegen von Hohlkammerprofilen für den Leichtbau“ nennt sich diese Technologie, die für E-Mobile, bei der jedes Gramm Gewichtersparnis im Prinzip Reichweite bringt, sehr wichtig ist. Unterm Strich ist Kohlhage jetzt in der Lage, tragende und leichte Teile einer E-Fahrzeug-Karosserie herzustellen. „Ziel ist es, in diesem E-Mobilitätsbereich ein wichtiger Player zu werden“, sagt Wagenbach. Kohlhage scheint auf dem besten Wege dahin.

Um längere Profile dieser Art zu biegen, werden die Pfeifferschen Maschinen benötigt.
Um längere Profile dieser Art zu biegen, werden die Pfeifferschen Maschinen benötigt. © von der Beck, Peter

2018 wurde die Kohlhage E-Tech gegründet. 65 Mitarbeiter arbeiten inzwischen bei diesem Unternehmensteil der Gruppe, welche insgesamt mehr als 180 Mitarbeiter zählt. „Gut eineinhalb Jahre Planung und Vorlauf gingen bis zur Gründung der E-Tech ins Land“, sagt Lehecka. Eingesetzt wurde mit dem Segen der Gesellschafter unterm Strich dabei ein zweistelliger Millionenbetrag.

Fachkräfte spielen eine wichtige Rolle

Bei all dem spielen auch Fachkräfte, seien es Akademiker oder klassisch Ausgebildete, eine wichtige Rolle. Nicht nur die Expertise sei dabei vonnöten, sagt Lehecka. Auch eine neue Art der Denke sei wichtig, eine systemische. Es sei aber nicht einfach, Fachleute ins Sauerland zu locken. Immerhin gelang das jüngst bei einem Ingenieur für Schweißtechnik aus Hamburg. Beim Anwerben spielen Image, Ausstattung und die Möglichkeiten am Standort eine Rolle. Individuelle Ansprüchen – ob Single oder Familie – sind wichtig. Zuletzt haben sich die Mitarbeiter in Lüdenscheid oder Iserlohn ihren neuen Lebensmittelpunkt gesucht.

Kohlhage hat durchaus noch Möglichkeiten, sich auszudehnen. Gut 2000 Quadratmeter eigene Fläche sind vorhanden. Ob das reicht, bleibt abzuwarten.

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