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Unterhaltsamer Austausch: Ex-Vizekanzler Müntefering besucht Affeln

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Von: Andrea Kellermann-Michels

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SPD-Politiker Franz Müntefering sprach in der Affelner Mehrzweckhalle unter anderem über sein Buch „Unterwegs. Älter werden in dieser Zeit“.
SPD-Politiker Franz Müntefering sprach in der Affelner Mehrzweckhalle unter anderem über sein Buch „Unterwegs. Älter werden in dieser Zeit“. © Andrea Kellermann-Michels

Immer wieder Prominente zu Gesprächen einzuladen, die aus ihrem Leben erzählen sollen: Diese Idee verfolgt der Dorfverein Affeln. Das sogenannte Dorfgespräch startete am Samstag mit Franz Müntefering – und damit mit einem einstigen politischen Schwergewicht.

Affeln – Kaffee und Kuchen gab es für die Gäste, die der Einladung des Dorfvereins gefolgt waren und den Worten des früheren Vize-Bundeskanzlers lauschten. Für Musikbegleitung sorgte in der Affelner Mehrzweckhalle der Musikverein Affeln. Franz Müntefering erzählte etwas zu seinem Buch „Unterwegs. Älter werden in dieser Zeit“: Wichtig in der heutigen Zeit sei es, dass Menschen aufeinander achten und sich gegenseitig unterstützen.

„Viele alte Menschen sterben in Einsamkeit, weil sie niemanden haben, und das muss geändert werden“, so Müntefering. Doch hier sei Organisation nötig und die Mithilfe der Kommunen und ihrer Bürger gefragt, das könne der Staat nicht alleine. „Das sind Tatsachen und Fakten und keine Kritik“, so der 82-jährige. Sein Motto lautet: „Laufen, lernen, lehren, lachen“. Wer sich bewegt schenkt dem Gehirn Energie und diese wird ja im Alter dringend benötigt, um alltägliche Dinge absolvieren zu können.

Zur Person: Franz Müntefering

Franz Müntefering ist ein deutscher Politiker, der 1940 in Neheim geboren wurde und im nahe gelegenen Sundern aufwuchs. In den Jahren 1975 bis 1992 und 1998 bis 2013 war Müntefering Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Von 1998 bis 1999 war er Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen in der ersten rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder. Von 2005 bis 2007 war er Vizekanzler und Bundesminister für Arbeit und Soziales in der ersten Kabinett von Angela Merkel. Müntefering war von 2002 bis 2005 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und von März 2004 bis November 2005 sowie von Oktober 2008 bis November 2009 Bundesvorsitzender der SPD.

Das Prinzip „Familie quer“ sei unter anderem eine gute Möglichkeit sich einzubringen. So suchen sich Senioren beispielsweise Familien mit Kindern, die keine Großeltern mehr haben, sodass beide Seiten voneinander profitieren können. Doch auch Senioren im gleichen Alter sollten sich zusammentun und zu festen Zeiten verabreden. Fehlt jemand, wissen die anderen sofort Bescheid, es ist etwas nicht in Ordnung.

„Es gibt ein schönes Zitat aus dem Snoopy Cartoon. Charlie Brown sagt zu Snoopy: ,Eines Tages werden wir sterben’, und Snoopy antwortet: ,Ja, aber an allen anderen Tagen nicht’“, zitierte der Politiker. „Wir dürfen nicht Trübsal blasen, sondern müssen uns einbringen, denn die Menschen werden immer älter.“

Generationen sollten zusammengeführt werden, um historische Gruppen zu bilden, die etwas aus der Vergangenheit berichten können, aber auch Zukunftsgruppen, die erzählen, wie sie es gerne zukünftig haben möchten. So können alle voneinander lernen. „Wichtig ist, dass die Alten sprechen dürfen und die Jungen auch zuhören, denn alte Menschen haben viel zu erzählen!“

Nah an den Gästen zeigte sich Franz Müntefering, der sich in die Runde setzte und offene Gespräche mit den Anwesenden führte.
Nah an den Gästen zeigte sich Franz Müntefering, der sich in die Runde setzte und offene Gespräche mit den Anwesenden führte. © Andrea Kellermann-Michels

Im Anschluss setzte sich der Politiker in die Runde und führte Gespräche mit den Gästen. Alexander Bender, Kassierer des Dorfvereins, stellte schließlich den Zitate-Buzzer vor den ehemaligen Abgeordneten des Bundestages und konfrontierte ihn mit neun Zitaten aus seiner politischen Karriere, auf die er eingehen sollte. Zum Beispiel: „Ich habe versprochen: Ich werde nie ein Buch schreiben.“ Lachend antwortete Müntefering: „Tja, man wird halt schlauer mit dem Alter, und ich hatte viel, was gesagt werden musste.“

Auch auf das Zitat: „Erstmal sollte man sich auf das Spiel konzentrieren, bevor man darüber nachdenkt mit wem man duschen geht“, hatte er eine gute Antwort: „Das war vor der Wahl und bevor ich die Wahl nicht gewonnen habe, brauche ich mir keine Gedanken darüber zu machen, mit wem ich in die Koalition gehen möchte“.

Mit durchaus interessanten Ansichten und nahe an den Gästen gab sich der Politiker. Als Dankeschön überreichten der Dorfvereins-Vorsitzende Stefan Kemper und Alexander Bender Müntefering die Chronik „Altenaffelner Spurensuche“, damit der gebürtige Neheimer einen Einblick in das Dorfleben und die dazugehörige Vergangenheit bekommt. Es war ein unterhaltsamer Nachmittag, an dem nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern auch viel gelacht wurde.

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