Vorfall in Neuenrade

Unfall bei Sportfest: Schwere Vorwürfe - Grundschullehrerin vor Gericht

Nach einem Unfall bei einem Sportfest in Neuenrade muss sich eine Grundschullehrerin vor Gericht verantworten.
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Nach einem Unfall bei einem Sportfest in Neuenrade muss sich eine Grundschullehrerin vor Gericht verantworten (Symbolbild).

Der ungewöhnliche Vorwurf einer „unterlassenen Herbeiführung medizinischer Hilfe“ und einer „Körperverletzung durch Unterlassen“ beschäftigt das Amtsgericht Altena.

Neuenrade - Laut Anklage soll die Lehrerin aus Neuenrade im Juni einem Schüler der ersten Klasse zügige medizinische Hilfe verweigert haben, nachdem dieser bei einem Sportfest im Waldstadion gestürzt war und sich einen komplizierten „Mehrfragmentbruch“ des Arms zugezogen hatte.

Sie soll ihm stattdessen vorgeworfen haben, zu simulieren und „eine Show“ abzuziehen. Laut Anklage „weinte und bibberte“ der Junge auf dem Gelände „eine bis anderthalb Stunden“, bis ihn schließlich doch ein Rettungswagen ins Krankenhaus brachte. Dort wurde er noch in der darauf folgenden Nacht operiert.

Sturz auf frisch gemähtem Grashang

Die erfahrene Lehrkraft berichtete von der Sturzgefahr auf einem frisch gemähten Grashang, weshalb sie den Kindern verboten habe, diese Wiese zu betreten. Doch offenbar lockte genau dieses Verbot, und schließlich kam es zum Sturz, dessen Folgen sie zunächst unterschätzt habe: „Für mich war an dem Arm nichts weiter zu sehen.“

Sie habe nur einen blauen Fleck wahrgenommen und sich um eine Kühlkompresse bemüht. Diese habe dem Jungen gut getan. „Warum habe ich nicht erkannt, dass dieses Kind erheblich stärker verletzt war, als ich vermutet hatte?“, fragte sich die Angeklagte im Gerichtssaal und drückte ihr Bedauern aus: „Es tut mir unendlich leid, dass sich dieses Kind so verletzt hat.“

Schüler muss aussagen

Sie hätte aber „nicht anders gehandelt, wenn es meine Kinder oder Enkel gewesen wären“. Die Angeklagte widersprach dem Zeitablauf von einer bis eineinhalb Stunden und berechnete die Verweildauer des verletzten Jungen auf höchstens eine gute halbe Stunde. Auch den Vorwurf eines Arztes, dass sie die starke Verformung des Armes hätte sehen müssen, wies sie zurück: Für sie sei die schwere Verletzung nicht zu erkennen gewesen.

Richter Dirk Reckschmidt hatte zunächst auf eine Ladung des verletzten Schülers verzichtet. Doch zur Beantwortung der offenen Fragen soll er nunmehr zur Fortsetzung des Prozesses geladen werden.

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