Umweltpreis für Walter Goseberg

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Walter Goseberg (2.v. rechts) ▪

NEUENRADE ▪ Der Mann ist ein Phänomen. Fast 80 ist er, verfügt über ungebrochene Energie und Innovationskraft. Walter Goseberg wurde gestern geehrt und erhielt den RWE Umweltpreis, den der Energiekonzern gemeinsam mit der Stadt jährlich ausschreibt. „Einstimmig“ – so betonte Dierk Rademacher als Vertreter der Verwaltung gestern – habe der Rat der Stadt in einer der jüngsten nicht-öffentlicher Sitzungen für Goseberg votiert.

Goseberg, der seine Energie und Antriebskraft aus dem Christsein zieht, freute sich über diese Anerkennung. Auch ist der Preis mit 1000 Euro dotiert, exakt jene Summe, die für die Zwischenfinanzierung des gewaltigen Mbesa Projektes (wir berichteten) noch fehlte. Bei diesem Projekt haben Goseberg, sein Vetter Kaemper und viele Gönner auch aus seinem christlichen Netzwerk in Tansania ein fein austariertes, zuverlässiges, auf afrikanische Verhältnisse ausgerichtetes, preiswertes Stromerzeugungssystem für ein Krankenhaus aufgebaut.

Doch, nicht dafür bekam er die Auszeichunung. Die erhielt der Tüflter, der jahrzehnte bei Telefunken „maßgeblich die Entwicklung von Farbfernsehen mit beeinflusst“ hatte, für sein Wärmepumpensystem, das er in sein Wohnhaus eingebaut hatte.

Dabei ging Goseberg nach seinen Regeln vor, die er sich bei seinen Vorhaben immer setzt: effizient, klein, billig und zuverlässig muss ein System sein. Wärmepumpen funktionieren nach dem Kühlschrankprinzip. Wird ein Gas gepumpt (verdichtet), wird Wärme produziert, dehnt es sich aus, kondensiert es und es entsteht Kälte. Im allgemeinen wird bei Wärmepumpen mittels Leitungen ein Kühlmittel in tiefere Erdschichten gebracht. Dort nimmt der Stoff die konstante Umgebungstemperatur auf, verdampft, dann wird er gepumpt und die entstehende Wärme wird an das Heizungssystem abgegeben. Benötigt wird Strom für den Antrieb der Pumpe. Statt nun im Garten Tiefbohrungen anzulegen, kam Goseberg auf einen Gedanken: Sozusagen ein Leitungssystem (wie die Spiralen hinter einem Kühlschrank) flachzulegen und im Garten zu vergraben. Das spart teure Tiefbohrungen, die im Sauerland ohnehin wohl risikoreich sind. Mit Hilfe von Verwandtschaft und Freunden und einem geliehenen Bagger verlegte Goseberg 450 Meter Kupferleitungen spiralförmig im Garten, zwei Lastwagenfuhren Sand kamen dann darauf, eine Weile musste es liegen, dann wurde das Leitungssystem im Keller an die Wärmepumpe angeschlossen, ein Wärmetauscher übergibt die Wärme an das Heizungssystem.

Brauchwasser für den Haushalt wird über eine Luftwärmepumpe produziert. Die steht im Keller, wo die Abwärme der Tiefkühltruhe genutzt wird. Das war die Kurzfassung.

Unter dem Strich ist es ein fein abgestimmtes System mit viel Tüftelei und Dämmung. Aber am langen Ende sparen Walter Goseberg und seine Frau nun die Hälfte der Heizkosten ein. ▪ Peter von der Beck

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