Umweltbildung ist das wichtigste Anliegen des Rangers

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Ranger Christoph Nolte.

Neuenrade -Mit Rucksäcken bepackt und Wanderschuhen ausgerüstet versammelte sich eine große Gruppe am Sonntagvormittag am Quitmannsturm.

Dort startete die geführte Wanderung auf dem Sauerland-Höhenflug mit Ranger Christoph Nolte von Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Der Begriff Ranger stamme aus dem Englischen und bedeute Naturwacht, doch irgendwann hätten sich die verschiedenen Länder für den allgemein gültigen Begriff entschieden, erklärt er zu Beginn der Wanderung.

Als Ranger habe er drei Aufgabenfelder. Zum einen sei er auf dem Höhenflug als Ansprechpartner unterwegs, zum anderen stellte er sicher, dass die Landesforstgesetze eingehalten werden. Als seine wichtigste Aufgabe sehe er jedoch die Umweltbildung für Kinder und Jugendliche: „Ich versuche zwischen Mensch und Natur zu vermitteln und möchte den Kindern zeigen, wie schön und wichtig unsere Natur ist.“ Denn nur wer die Natur kenne, schätze und schütze sie auch.

Genau das versucht er auch in den folgenden 2,5 Stunden auf der 4,5 Kilometer langen Strecke zu vermitteln, sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen. Die beiden Hauptthemen bei dieser Wanderung lauten „Zehn Jahre nach Kyrill“ und „Die Fichte, Baum des Jahres“. Neuenrade war damals im Epizentrum des Orkans. „Die Natur hat sich durch den Sturm sehr verändert“, sagte Nolte. Mit 212 Stundenkilometern fegte der Wind über das Sauerland, die höchste Zahl, die in ganz Deutschland gemessen wurde. 650 Hektar Wald, etwa ein Drittel der Gesamtfläche, zerstörte der Sturm. In einer Nacht seien so viele Bäume umgefallen wie sonst in 28 Jahren, besonders Fichten waren davon betroffen. Das läge vor allem daran, dass Kyrill ein Wintersturm war und daher nicht gut in die Laubbäume greifen konnte, so der Ranger. Da die Fichte ein Flachwurzler ist, konnte sie dem Orkan Kyrill kaum Stand halten. „Nach dem Sturm stellte sich die Frage, was wird jetzt gepflanzt bei den ganzen Umweltveränderungen?“ Die Fichte habe damals gut gepasst, mittlerweile jedoch nur noch auf feuchten Nordhängen.

 Die Douglasie sei eine gute Alternative, da sie Wetterspitzen und Sturm viel besser aushalte als die Fichte. Vor allem Artenvielfalt werde in Zukunft immer wichtiger, Monokulturen dagegen seien eher gefährlich, da diese anfällig für Schädlinge sind.

Darüber hinaus erfuhren die Teilnehmer auch viel Interessantes über die vielen Gewächse am Wegesrand. Gundermann beispielsweise wirke entzündungshemmend und die Menschen brauten früher Bier aus den Blättern. Darin sei außerdem ein schmerzstillendes Mittel enthalten, welches den Kater am nächsten Tag linderte, sagte Nolte. Huflattich dagegen benutzten die Menschen im Mittelalter demnach als Toilettenpapier.

 Auch die Namensherkunft vieler Pflanzen kennt der Ranger und erzählt die Geschichten seinem Publikum. So kam die Pestwurz zu ihrem Namen, weil die Menschen im Mittelalter versuchten, damit die Pest zu heilen. Die Eberesche, oder auch Vogelbeere genannt, heißt so, weil die Menschen früher ihre Schweine damit fütterten und mit den Beeren Vögel anlockten. Darüber hinaus weiß der Ranger auch viel über die medizinische Nutzung der Gewächse. Die Vogelbeere wirke frisch verzehrt abführend, während sie getrocknet die gegenteilige Wirkung hat. „Früher gab es keine Apotheken, daher haben sich die Leute alles aus der Natur geholt“, sagte Nolte. Heute gäbe es auch viele Wanderungen mit sogenannten „Kräuterhexen“.

Die Kräuter würden natürlich auch heute noch wirken, jedoch sei die richtige Dosierung ein ganz entscheidender Punkt. Denn viele Pflanzengifte würden die Leber angreifen. Während der geführten Wanderung können auch die Besucher ihre Erfahrungen mit einbringen und Fragen stellen. „Das Interesse an der Natur und der Umwelt ist groß“, stellte der Ranger zufrieden fest...- Von Anna-Sophie Kölsche

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