Renaturierung

In der Hönne stehen die Fische unter Strom

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Axel Sobirey baut in der Hönne ein elektrisches Feld auf, sodass die Fische in Richtung seines Keschers schwimmen.

Küntrop - Weil an der Hönne gebaut wird, müssen die Fische weichen: Im Zuge der Renaturierung werden die Tiere kurzfristig umgesetzt. Dafür kommt sogar elektrischer Strom zum Einsatz.

In jedem der vier Bauabschnitte im Gewerbegebiet Küntrop und bis kurz vor dem Klärwerk muss die Prozedur wiederholt werden: Mit einem Kescher watet Axel Sobirey von der Kasseler Gesellschaft für Wasserwirtschaft, Gewässerökologie und Umweltplanung durch das etwa knöcheltiefe Hönne-Wasser. Hinter sich zieht er ein Stromkabel her.

Was brutal anmutet, dient dem Schutz der Fische: Anstatt diese etwa mit der Hand aus dem Wasser zu greifen, wird ein elektrisches Feld aufgebaut, das für die Fische unangenehm ist und sie deshalb in den Kescher treibt. In einem Bottich mit Wasser werden sie zwischengelagert.

Wer eine solche Maßnahme durchführt, braucht nicht nur einen Angelschein, sondern auch eine spezielle Zusatzausbildung. Eine Genehmigung der Fischereibehörde ist obligatorisch, wie Sobirey erklärt.

Für die Fische ist das Verfahren ungefährlich

Bleibende Schäden behielten die Tiere dabei nicht: Einzelne Fische könnten zwar kurzzeitig betäubt sein, das halte aber nicht lange an. Schon im Bottich seien sie wieder putzmunter. Die Hönne wird vor allem von Bachforellen, Groppen und Stichlingen bevölkert.

Putzmunter zeigt sich diese Bachforelle.

Nachdem diese gezählt und statistisch erfasst wurden, können sie weiter flussaufwärts wieder ausgesetzt werden. Eine Sperre sorgt dafür, dass vor Abschluss der Arbeiten kein Fisch ins Baufeld schwimmt.

Flussabwärts wird mithilfe von Stroh sichergestellt, dass die zwangsläufig entstehenden Verunreinigungen auch tatsächlich im Baubereich bleiben.

Die Hönne soll naturnäher werden

Dieses Vorgehen ist eine Auflage, die die Stadt Neuenrade im Rahmen des Genehmigungs-Verfahrens von der Bezirksregierung bekommen hat. Diese folgt damit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die auf europäischer Ebene Handlungsempfehlungen für den Gewässerschutz gibt.

Die Renaturierungs-Maßnahmen sollen die Hönne naturnäher und damit ökologischer machen und auch dem Hochwasserschutz dienen. Der weitgehend gerade Verlauf wird durch Kurven und Auen erweitert.

Ein bereits renaturierter Abschnitt der Hönne.

Abstürze, also abrupte Änderungen des Wasserspiegels, sollen so umgestaltet werden, dass Fische sie leichter überwinden können. „Wenn sich das Gewässer gut entwickelt, dann wird die Qualität von ganz allein besser“, erklärt Sobirey.

Den größten Teil zahlt das Land

Die gleichzeitig stattfindenden Arbeiten an der Hönne an der Westseite der Garbecker Straße, angrenzend an das Gelände der Firma AEZ, haben übrigens nichts mit der Renaturierung zu tun.

Die Hönne-Renaturierung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Für Planung, Gehölz- und Tiefbauarbeiten sind Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro eingeplant, von denen 80 Prozent aus Landesmitteln bestritten werden.

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