Große Investition

Umbau: Das passiert in der Gertruden-Apotheke

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Dr. Sven Simons (links), Architekt Carl E. Palm und Inhaberin Alexandra Simons schauen sich die Umbau-Pläne an.

Neuenrade – Die Gertruden-Apotheke wird erheblich erweitert. Derzeit laufen die Bauarbeiten, während der reguläre Betrieb weitergeht.

Die Inhaberin, Apothekerin Alexandra Simons, gibt für den Umbau „einen mittleren sechststelligen Betrag“ aus. Das Objekt am Stadtgarten wird dabei nach hinten raus erweitert, was die Echterhage-Immobilien möglich macht, denn der Erweiterungsbereich war bis vor nicht allzu langer Zeit noch Tiefgarage. Der Vermieter investiert in den Umbau „rund 250 000 Euro“. Wie Jürgen Echterhage betonte, gehe es dabei vor allem „um Standortsicherung“. 

Hat die Apotheke von Alexandra Simons bislang 160 Quadratmeter, so wird sie nun um 80 auf 230 Quadratmeter erweitert. Planerisch begleitet wird das Projekt von dem Kölner Diplom-Architekt Carl E. Palm. Familie Simons macht so die Apotheke zukunftsfähig. Seit Dezember wird in und an der Apotheke gewerkelt, „Ende März wird der Umbau vollendet sein“, sagte der Architekt. 

Mehr Lagerfläche für Medikamente

Der Umbau geschieht in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Die klassischen Gewerke bei dem Umbau kommen aus der Region. Die Umbauarbeiten betreffen dabei sichtbar auch den vorderen Bereich. Der kleine Beratungsraum verschwindet, es wird zusätzliche Lagerflächen für Medikamente geben, auch das Labor wird größer. 

Die Zahl der Bedienplätze wird von vier auf fünf erhöht. Untereinander sind die Plätze schon jetzt optisch und akustisch getrennt, sodass auch künftig eine diskrete Beratung möglich ist. Eine automatisierte Medikamentenausgabe ist schon vorhanden. 

Neuer Behandlungsraum

Zudem wird ein von außen zugänglicher Behandlungsraum eingerichtet. Hier ist eine umfangreichere Beratung möglich, zum Beispiel die Anpassung von Strümpfen und weiteren Hilfsmitteln. Dort stehen auch Klappliegen zur Verfügung. Messungen sind ebenfalls möglich, erläutert Alexandra Simons. 

Im hinteren Bereich wird das Büro vergrößert. Hier wird mehr Platz benötigt, weil „die Dokumentationspflichten immer umfangreicher werden“ – auch was die Heim-Versorgungen anbelangt und die Zusammenarbeit mit Pflegediensten. Die aktuellen Sicherheitsstandards werden beim Umbau zudem umgesetzt. 

Klimatisierte 24-Stunden-Anlage

Die Gertruden-Apotheke verfügt bereits über ein Serviceangebot, das „in der Region nicht alltäglich ist“. „Es gibt nicht viel, was nicht schon bei uns geleistet wird,“ sagt Dr. Sven Simons, der als Ehemann von Alexandra Simons involviert ist. Da ist zum Beispiel die klimatisierte 24-Stunden-Anlage, durch die es Patienten möglich ist, nach Schließung der Apotheke an ihre benötigten Medikament zu kommen. Es gibt ein per W-Lan gesteuertes Temperaturüberwachungssystem. Die Apotheke ist unter der Woche durchgängig geöffnet, zudem samstags von 8 bis 14 Uhr auf. Ein Botendienst bringt Medikamente gekühlt zum Kunden. „Ob dass die Versandhändler leisten können?“, fragt Simons rhetorisch angesichts der Online-Konkurrenz im Netz. 

Die Apotheke nimmt künftig die gesamte Seitenfront ein. Dort gibt es auch einen separaten Zugang.

Die Gertruden-Apotheke ist mit ihrem Volumen und den 20 Arbeitsplätzen durchaus mit einem mittelständischen Betrieb vergleichbar. Alexandra Simons: „Wir sind die voll versorgende Apotheke – vom Pflegepaket bis hin zu Kompressionsstrümpfen.“ Ein Teil der Arbeitsplätze seien in Teilzeit, um familienfreundliches Arbeiten zu ermöglichen. 

Apotheke soll klimaneutral werden

Als weiteres Vorhaben soll die Gertruden-Apotheke klimaneutral werden. „Wir werden eine der ersten Apotheken sein, die den Prozess durchläuft und auch zertifiziert wird, wenn wir das wollen“, sagt Sven Simons. 

Die Familie reagiert zudem auf die Herausforderungen der Digitalisierung. Schon jetzt können e-Rezept eingelöst werden. „Das hat deutlich an Fahrt gewonnen. Wir haben schon Patienten, die eine entsprechende App nutzen. Das Rezept wird als Bilddatei dokumentiert. Auch die Kassen sind digital aufgerüstet. Jede Kasse hat vier Netzwerkschienen.“ 

Vorstandsmitglied bei Noventi

Doch die Digitalisierung wird noch viel weiter gehen. Was diesen Aspekt anbelangt, so ist Sven Simons, mittlerweile Vorstandsmitglied für den Bereich „Kunden und Innovation“ beim Apothekendienstleiter Noventi, bestens informiert. Er hilft mit, die Apotheke der Zukunft zu kreieren, sie noch viel deutlicher „als medizinischen Dienstleistungsbetrieb“ zu etablieren. Simons hat mit seinem Vorstandsposten gut zu tun, hat die Position aber recht familienfreundlich ausgestalten können. In der Regel verbringt er zwei Tage pro Woche am Firmensitz in München, die restliche Zeit kann er von Neuenrade aus arbeiten. 

Signale aus der Politik bestärkten ihn in seiner Auffassung, dass die elektronische Patientenakte kommen werde und auch mit Hilfe von Noventi begleitet werde. Davon scheint er überzeugt. Denn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe allen Beteiligten der Medizinbranche geraten, die Telematikinfrastruktur bereitzustellen. 

Andere Länder sind weit voraus

Das es Länder gibt, die Deutschland in dieser Hinsicht weit noch weit voraus sind, konnte Simons im Januar bei einem Besuch in Israel feststellen. Mit einer Delegation von Repräsentanten des deutschen Gesundheitssystems besichtigte er Krankenhäuser, Gesundheitsunternehmen und viele Start-ups. Israel gilt in Sachen Digitalisierung als höchst innovativ. 

Das gesamte Gesundheitssystem dort ist laut Dr. Simons seit 15 Jahren papierlos. Die Nutzung digitaler Apps und Diagnosegeräte durch Ärzte und Patienten sei dort Alltag. Ob das alles so schnell in Deutschland in dieser Form umsetzbar sei, da ist Simons allerdings skeptisch. Für ihn ist aber klar: „Unser System wird sich verändern müssen.“ Was Simons an Innovativem und an neuen Eindrücken erlebt, das bringt er mit nach Neuenrade und in die Apotheke seiner Frau. Die Hönnestadt hält er in vielerlei Hinsicht für innovativ: Die Gründung des ersten kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sei dafür ein Beispiel.

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