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Überraschung im Totschlag-Prozess

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Von: Thomas Krumm

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Im Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader könnte es eine überraschende Wendung geben.
Im Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader könnte es eine überraschende Wendung geben. © David-Wolfgang Ebener/dpa

Nach einer kleinen Überraschung sind im Totschlag-Prozess gegen einen 22-jährigen Angeklagten die Plädoyers verschoben worden.

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Hagen erteilte einen rechtlichen Hinweis, dass der Angeklagte auch wegen einer gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt werden könnte. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft war von einem Totschlag ausgegangen. Bei einer Einstufung als Körperverletzung mit Todesfolge würde das Strafmaß zwischen drei und zehn Jahren liegen. Die Mindeststrafe für einen Totschlag liegt bei fünf Jahren, die Höchststrafe bei 15 Jahren.

Hintergrund der Überlegungen des Schwurgerichts ist die unklare Beweislage, wie es am 19. März zum Tod der 24-jährigen zweifachen Mutter gekommen ist. Daraus ergeben sich nun gewisse Zweifel, ob es sich tatsächlich um einen von dem Angeklagten gewollten Totschlag gehandelt hat. Der Gerichtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff konnte nach der Untersuchung der Verstorbenen nicht genau sagen, wie lange der Täter das Opfer gewürgt hatte. Er konnte auch nicht ausschließen, dass Speisebrei in den Atemwegen zum Ersticken der jungen Frau beigetragen hatte.

Wie kam das Messer in die Hand der Getöteten?

Andererseits wurde in der Hand der Getöteten ein Messer gefunden. Wie kam es dorthin? Hatte sie sich damit verteidigen wollen und dem Angeklagten eine Stichverletzung am Oberarm zugefügt? Es gibt wenig Zweifel, dass sie das Messer losgelassen hätte, als sie zu Boden fiel. Die Prozessbeteiligten zogen daraus den Schluss, dass der Angeklagte ihr das Messer nachträglich in die Hand gelegt haben könnte. Warum? Das Verhalten des 22-Jährigen könnte darauf hinweisen, dass er davon ausging, dass die Schnittverletzungen und nicht das Würgen des Halses tödlich wirkten. Das war aber nach klarer Auskunft des Gerichtsmediziners nicht der Fall. Wenn aber der Angeklagte davon ausging, dass nicht der Angriff auf den Hals des Opfers tödlich wirkte, deutet dies darauf hin, dass er möglicherweise nicht glaubte, dass das Würgen des Opfers zum Tode führen würde.

Staatsanwalt zeigt sich überrascht

Staatsanwalt Nils Warmbold zeigte sich überrascht von der möglicherweise abweichenden Einschätzung der Tat durch die Richter. Die Prozessbeteiligten einigten sich letztlich darauf, die Plädoyers zu verschieben, um die Beweisaufnahme noch einmal im Lichte dieser Einschätzung zu prüfen.

Der Prozess wird am Donnerstag, 2. Dezember, ab 12 Uhr mit den Plädoyers fortgesetzt.

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