In Neuenrade wurden am 7. März 2015 nur 399 Euro erbeutet

Überfall auf Getränkemarkt: War der Onkel aus Menden der Ideengeber?

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Neuenrade - Einen Getränkemarkt in Neuenrade überfielen drei junge Männer am 7. März 2015. Einer von ihnen bedrohte die Kassiererin mit einer Luftdruckpistole. Die magere Beute von 399 Euro büßten die Räuber mit mehrjährigen Haftstrafen.

Am Ende des Strafverfahrens im Landgericht Hagen packte einer der Angeklagten noch einen brisanten Hinweis aus: Ideengeber des Überfalls sei sein Onkel aus Menden gewesen. Der habe damals als Sicherheitsmitarbeiter für den Kaufpark-Getränkemarkt gearbeitet. 

Den Überfall habe er dadurch auf den Weg gebracht, dass er seinem heute 23 Jahre alten Neffen mitteilte, dass er am Abend des Überfalls nicht im Markt sein werde. 

Aus dieser Aussage entwickelte sich ein weiteres Strafverfahren, das am Freitag im Landgericht Hagen begann: Die Staatsanwaltschaft wirft dem 42-Jährigen Anstiftung zur schweren räuberischen Erpressung vor. 

42-Jähriger weist Vorwürfe zurück 

Zum Auftakt des Prozesses wies der Angeklagte die Vorwürfe zurück: „Ich bin entsetzt über den Vorwurf, dass ich meinen Neffen auf die Idee gebracht haben soll.“ Tatsächlich habe sich der junge Mann mit Geldsorgen an ihn gewandt: „Ihn trieb immer das Vorhaben, schnelles Geld zu machen.“ 

Um seinem Neffen zu helfen, habe er sich um einen Job für ihn bemüht, den der junge Mann allerdings nicht antrat: „Ich befürchtete schon, dass er auf die schiefe Bahn geraten würde.“ Entsprechende Andeutungen habe er entschieden zurückgewiesen: „Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass er sich bei mir nicht mehr sehen lassen müsse, wenn er solche Sachen im Kopf habe.“ 

Woher hatte der Täter seine Informationen?

Dass er am Abend des Überfalls nicht im Markt sein würde, habe sein Neffe auf keinen Fall von ihm erfahren. Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz hakte nach: „Wie kommt es, dass Ihr Neffe wusste, dass Sie nicht dort sein würden?“ „Von mir wusste er das nicht“, versicherte der 42-Jährige. 

Entgegen bisherigen Annahmen habe er erst kurzfristig erfahren, dass er an jenem Abend keinen Wachdienst haben würde. Am Abend der Tat habe er als Türsteher in einer Diskothek in Menden gearbeitet. Empört habe er dort den Bericht seines Neffen von dem Überfall entgegengenommen. 

Der Räuber wollte die Vorwürfe gegenüber seinem Onkel nicht wiederholen, machte Gebrauch von seinem Aussageverweigerungsrecht: Es sei ihm lieber, nichts zu den Vorwürfen gegen den 42-Jährigen zu sagen. Für die Anklage ergibt sich damit eine schwierige Situation: Ohne Aussage des Hauptbelastungszeugen gibt es kaum belastbare Beweismittel. 

Der Prozess wird am Dienstag, 2. Oktober, im Landgericht fortgesetzt.

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