Über den wirtschaftlichen Reichtum Affelns

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Affeln pflegte intensive Beziehungen zur Hanse, die die wirtschaftliche Entwicklung beeinflusste. ▪

AFFELN ▪ Über Jahre erntete der ehemalige Kreisarchivar Dr. Rolf Dieter Kohl im Kollegenkreis nur ein müdes Lächeln für seine Theorie vom Reichtum und dem wirtschaftlichen Einfluss des heutzutage beschaulichen Affelns im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Mittlerweile sind auch die ehemals kritischen Historiker überzeugt, dass auf dem Höhenzug an der Grenze zwischen den Märkern und den Kurkölnern aufgrund der erheblichen Erz- und Bleifunde ein wirtschaftlicher Aufschwung stattgefunden hat.

Kohls namhafter Kollege Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Präsident des Landesarchivs NRW mit Sitz in Düsseldorf und anerkannter Fachmann im Bereich Bergbau, verfasste in Zusammenarbeit mit dem Diplom-Ingenieur Reinhard Köhne hierzu ein Buch mit dem Titel „Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit“. In diesem Zusammenhang wird auch die Region Affeln mehrfach genannt.

„Weitere Bergwerke bei Affeln sind urkundlich und topografisch nachzuweisen. Die Grube Bonelohe liegt westlich von Affeln und wurde 1779 bzw. 1793 von Haus Wocklum neu gemutet. Zwischen Affeln und Altenaffeln befand sich 1575 ein schon damals aufgelassenes Bergwerk...“, schreiben Reininghaus und Köhne und erklären weiter, dass der außergewöhnliche Schnitzaltar der Lambertuskirche vom „sichtbaren Reichtum an der Wende zur Neuzeit“ zeugt.

Die Erz- und Bleifunde ließen Affeln wirtschaftlich florieren. Dabei beschränkte man sich nicht nur auf die Förderung der Rohstoffe, die Weiterverarbeitung und der Handel trugen ihren Teil zum Aufstieg bei.

Der 30-jährige Krieg (1618 - 1648) setzte der Entwicklung dann ein plötzliches Ende und drängte Affeln laut Reininghaus und Köhne in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit aus der es sich nicht mehr befreien konnte.

Dr. Kohl fand bei seinen Forschungen und Recherchen heraus, dass Affeln durch die Erhebung durch Erzbischof Hermann IV 1492 in den Rang einer „Freiheit“ aus seinem ländlichen Dornröschenschlaf erwachte. Ein Rathaus, das gegenüber der Lambertuskirche lag, und ein landesherrliches Gericht belegen die Selbstverwaltung Affelns. Bereits 1466 wird Johannes Wigger mit dem Titel „proconsul“, was dem Rang eines Altbürgermeisters oder Stellvertretenden Bürgermeisters entspricht, erwähnt.

Kohl geht davon aus, dass Affeln bereits vor der Freiheitserhebung 1492 gewisse Verwaltungsrechte besaß. Kohl bringt den Namen Wigger zudem in Zusammenhang mit der Stadt Soest, mit der Affeln offenbar rege Hanse-Verbindungen pflegte – ebenso wie zu Köln und den Niederlanden. Bernt Wyger erwarb 1503 das Soester Bürgerrecht, wie Dr. Kohl herausfand, und handelte intensiv mit Blei, das er aus der Endorfer Hütte bezog.

Neben den Familie Wigger, die über Jahrzehnte zu den einflussreichsten Affelner Familien zählte, rücken auch die Smet in den Vordergrund. Der Name Smet leitet sich mit großer Wahrscheinlichkeit von Schmied ab. Auch die Smet waren sowohl in Affeln als auch in Soest vertreten.

In der Hanse waren Kaufleute mit gleichen Interessen vertreten, um den Handel mit Rohstoffen, Halbzeugen und Produkten zu organisieren. Die vielfach nachweisbaren Verpflechtungen zwischen Affeln und Soest zeugen von einer regen Handelstätigkeit zwischen den Orten.

„Affeln, der Nabel der Welt“, drückte sich Prof. Dr. Reininghaus gegenüber Dr. Kohl in einem Gespräch einmal herausfordernd aus. Affeln war zwar nicht der Nabel der Welt aber doch so bedeutend, dass Dr. Kohl gerne noch mehr Zeit in die Forschung der vielschichtigen Beziehungen investieren will. Er schließt nicht aus, dass neben den Wigger und Smet noch andere einflussreiche Familien an der Beschaffung des Antwerpener Flügelaltars beteiligt waren.

Von Dr. Niklas Gliesmann, der am Kölner Schnütgen-Museum tätig ist und seine Doktorarbeit über Retabel verfasste, erhofft sich Kohl genauere Aussagen über den Wert des Altars, um Rückschlüsse auf die noch unbekannten beteiligten Stifter ziehen zu können, weil der Historiker davon ausgeht, dass es sich um eine Stifterkreis handelt. - Markus Jentzsch

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