Ungewöhnliches Konzert

The Twiolins: Anarchistische Exzesse auf zwei Violinen

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Technisch hochversiert bewältigten sie die sehr unterschiedlichen Anforderungen fast spielerisch.

Neuenrade - Ein ungewöhnliches Konzert erlebten die Besucher in der Villa am Wall am Sonntag: Zu Gast waren die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler. Zusammen sind sie The Twiolins.

„Klassische Musik ganz neu erleben“, lautete ihre Einladung, und sie kamen ihr auf eine ganz besondere Art und Weise nach: Weil Kompositionen für zwei Violinen nicht wie Sand am Meer zu haben sind, gründeten die beiden kurzerhand einen Kompositionswettbewerb, an dem sich mittlerweile mehr als 500 Komponisten aus 55 Nationen beteiligten. Alle drei Jahre finden dieser Wettbewerb statt – so auch 2018. 

Aus jenen Kompositionen, die ganz unterschiedliche Nachwuchstonsetzer im Jahr 2015 einreichten, machten die Geschwister ihr persönliches Konzertprogramm: „Secret Places“. Mehr zeitgenössische Musik geht also kaum in einem Konzert, und die Twiolins machten deutlich, wie viel Freude ein solches Konzert machen kann. 

Innere Bilder und Stimmungen

Technisch hochversiert bewältigten sie die sehr unterschiedlichen Anforderungen fast spielerisch und nicht ohne das eine und andere gegenseitige Necken.

Als Marie-Luise Dingler das Publikum aufforderte, die Kompositionen „Trance No. 1“ des Amerikaners Benjamin Heim und „Atem – Licht“ von Johannes Meyerhöfer mit geschlossenen Augen zu hören, machte sie deutlich, dass es den beiden Musikern auch um die Erzeugung innerer Bilder und Stimmungen geht. 

Um Natureindrücke ging es in Rebecca Czechs „Ich glaub, es gibt Regen“ und in dem meditativ-poetischen „Doch Laub und Wolken unter Nacht“ von Johannes Söllner.

Das Publikum wurde toll unterhalten.

Ein wildes Hin und Her zwischen den verträumten Pirouetten einer Ballerina und harten Rockklängen für Streicher lieferte Jens Hubert mit seinem „Rock you vs. Ballerina“. Minimal Music, Großstadtrhythmen, Jazz-Harmonik und Ausflüge in die traditionelle Musik des Balkans vereinigte der Ungar András Derecskei in seiner mitreißenden Komposition „Balkanoid“.

Äußerst unterhaltsam – außer für die am Ende mithilfe einer Klatsche zur Strecke gebrachte Fliege – kam die Komposition einer weiteren Ungarin daher: Judit Varga komponierte „Leben und Untergang einer Fliege“, und die beiden Streicher machten deutlich, was für eine unglaubliche Fülle an Tönen und Ausdrucksmöglichkeiten ihr Instrument bietet – zur Darstellung eines solchen Fliegenschicksals. Die Geigen surrten und summten, schlugen rasend schnell mit den Flügeln und stachen blitzschnell zu.

Sturm und Drang zum Abschluss

Eine Geschichte von Fliegen komponierte der Amerikaner Benedykt Brydern im Jahr 2015: Schillers Nachtflug bot ein bisschen Sturm und Drang zum Abschluss. Doch noch sollte die Zugabe folgen. 

Christoph Dingler versprach „Das letzte Geheimnis: Wir können auch Noten lesen!“ Es folgten anarchistische Exzesse auf zwei Violinen mit gelegentlichem Wecken der Mitspielerin. Ein entschiedenes „Bravo!“ belohnte ein mitreißendes Finale, mit dem die beiden Musiker das freudig-erregte Publikum in die Nacht entließen.

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