Geldstrafe und Fahrverbot für Angeklagten

Twingo rammt Bushäuschen: Urteil gefällt

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Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe und einem Fahrverbot verurteilt.

Neuenrade - Der Entlastungszeuge war keiner: „Das Alibi ist widerlegt“ stellte Oberstaatsanwalt Bernd Maas nach der Anhörung eines 29-jährigen Zeugen aus Hamm fest. „Ich bin mir eigentlich sicher, dass er nicht bei mir geschlafen hat“, erinnerte er sich an die Nacht vom 18. zum 19. September 2015.

„Er“ – das war der 23-jährige Angeklagte eines Strafverfahrens im Amtsgericht Altena. Zur Überzeugung von Oberstaatsanwalt Bernd Maas und Richter Dirk Reckschmidt hatte er in den frühen Morgenstunden des 19. September 2015 ein Buswartehäuschen vor dem Haus mit der Adresse „Am Zollhaus 4“ mit seinem Twingo zerstört und sich danach vom Unfallort entfernt. Zurück blieb ein Schaden, der später sehr exakt beziffert wurde: 25 853,66 Euro. 

Geschichte erfunden

Um den Verursacher des Unfalls zu schützen, erfand der Besitzer des ebenfalls schrottreifen Autos eine Geschichte, mit der er am nächsten Tag zur Polizei ging: Der Wagen sei ihm gestohlen worden. 

Daraus resultierte eine Anzeige wegen falscher Verdächtigung, der er sich als Mitangeklagter stellen musste. Er war allerdings von vornherein geständig und kam mit einer Einstellung seines Strafverfahrens davon. Bevor sich der Aktendeckel über der erfundenen Geschichte endgültig schließt, muss er allerdings eine Geldauflage von 600 Euro zahlen. 

Der 23-jährige Angeklagte, Fahrer des Twingos, hatte am dritten Verhandlungstag darauf verzichtet, die Aussage seines angeblichen Alibi-Zeugen zu hören und war auf der Zielgeraden des Verfahrens gar nicht erst erschienen. Da es sich um einen Fortsetzungstermin handelte und der Angeklagte sich zuvor schon zu den Vorwürfen geäußert hatte, verhandelte Richter Dirk Reckschmidt in Abwesenheit des 23-Jährigen. 

Oberstaatsanwalt Bernd Maas hatte sich den angeblich zurückgelegten Fußweg von drei Kilometern zur Wohnung des Zeugen in Hamm angeschaut und war zu der Überzeugung gelangt, dass diese sportliche Leistung des Angeklagten eher unwahrscheinlich sei. 

Einen Saunaclub besucht

Denn der 23-Jährige hatte zuvor mit seinen Kumpels einen Saunaclub in Hamm besucht. Auf der Rückfahrt nach Neuenrade war er um 4.17 Uhr noch Mitfahrer in dem Twingo, wie das von einer Verkehrsüberwachungsanlage in Hamm geschossene Foto bewies. 

Viel sprach dafür, dass er sich nach der Rückkehr nach Neuenrade noch ans Steuer des Kleinwagens setzte und mit überhöhter Geschwindigkeit in das Bushäuschen raste. 

Richter Dirk Reckschmidt teilte die Einschätzung des Oberstaatsanwaltes und verurteilte den 23-Jährigen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je zehn Euro. Obendrauf gab es ein Fahrverbot für alle motorgetriebenen Fahrzeuge von drei Monaten. „Das mit dem letzten Wort hat sich erledigt“, stellte der Richter angesichts des freigebliebenen Stuhls des Angeklagten fest.

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