„Tschüss, maach et joot, bunter kölscher Hund“

Schiffchen und zwei große Torten bekam Grünberg geschenkt.

NEUENRADE ▪ Der Abschied fällt schwer, dass war Schülern, Eltern, Kollegen und Weggefährten deutlich anzumerken. Und auch dem scheidenden Schulleiter Volker Grünberg beschlug es hin und wieder die Stimme. Am Freitagging für den 63-Jährigen ein Lebensabschnitt zu Ende. Er wurde in den Ruhestand verabschiedet. Nun bricht er auf zu neuen Ufern. Denn er wird Hafenmeister in den Niederlanden.

„Meine Schüler bedeuten mir eine Menge, das ist wie eine Familie“, erzählte Grünberg kurz vor dem Abschied. Dass dies nicht nur leere Worte sind, zeigte sich wenig später. Mühevoll hatten alle Schüler eine einstündige Abschiedsshow organisiert. Dafür legten sie sich mächtig ins Zeug. Schwungvoll begann die Fünfte Klasse ihren Abschiedsgruß. Mit einem Rock ´n´Roll Lieblingslied Grünbergs überraschten sie ihn. „Unterwegs zu neuen Ufern“, lautete der Titel des zweiten Liedes. Passend, denn Grünberg, selbst leidenschaftlicher Bootsfahrer, bricht demnächst auch zu neuen Ufern auf. „In der Ferne warten schon die Ziele, das Leben ist zum Leben da“, sangen sie weiter. Auch die Siebtklässler wissen welch große Lücke Grünberg hinterlässt. Sie hatten für ihn gedichtet: „Wenn einer geklettert ist auf´s hohe Dach, schon meint, dass er der Rektor wär, so irrt sich der.“ Denn Grünbergs Nachfolge sei ein schweres Erbe. „Ich liebe diese Schule und sie wird immer ein Teil von mir sein“, erklärte der Schulleiter. Beim türkischen Tanz zeigte Grünberg was in ihm steckt. Er konnte einfach nicht sitzen bleiben und tanzte kurzerhand mit seinen Schülern vor der Bühne. Bewegend war der Abschied des Kollegiums. Gemeinsam sangen sie „Niemals geht man so ganz.“ Auch Grünberg werde nie so ganz gehen. Er habe diese Schule geprägt, wie kein anderer, daher sangen sie: „Niemals gehst du so ganz, irgendwas von dir bleibt hier, es hat seinen Platz immer bei mir.“ Die Ballade ließ auch die zuvor eher cool wirkenden Schüler nicht kalt, heimlich wischte sich der ein oder andere eine Träne aus dem Gesicht.

Auch am Abend ging es nicht weniger emotional zu, Freunde, Weggefährten, Vertreter aus Politik und Verwaltung hatten sich im Kaisergarten versammelt. „Der Kapitän geht von Bord, jahrelang hatte er das Ruder in der Hand“, erklärte Schulrat Christoph Hermey. So habe Grünberg stets den Kurs gehalten und seine Mannschaft sicher durch Sturm und Klippen manövriert. Nun habe er einen neuen Hafen angelaufen. „Du übergibst ein Schiff an dem viele Erinnerungen und Wünsche hängen“, erzählte er weiter.

Bürgermeister Klaus Peter Sasse ließ es sich ebenfalls nicht nehmen seinem Freund adieu zu sagen. Humorvoll erinnerte er an Grünbergs Anfang in Neuenrade, der alles andere als problemlos lief. Aber schon bald, gehörte Grünberg nicht mehr nur zur Schule, sondern prägte auch die Stadt und ihr Vereinsleben. So leitete er beispielsweise die Skiabteilung ohne Skizufahren und war Vorsitzender des Musikvereins, obwohl er nur den Plattenspieler bedienen konnte. „Du bist ein Multitalent der besonderen Art und eine facettenreiche Persönlichkeit. Aber das wichtigste ist, dass du dir stets treu geblieben bist“, erklärte Sasse sichtlich bewegt. ▪ lm

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