MJO trotzt der Hitze und überzeugt das Publikum

Als echtes Talent zeigte sich Jay Oh, der im Dezember 2015 die RTL-Show „Das Supertalent“ gewann.

Neuenrade -  Einen gemischten Eindruck hinterließ am Samstagabend der Auftritt des Märkischen Jugendsinfonieorchesters im Hotel Kaisergarten.

Einerseits verbreiteten die jungen Musiker mit ihrem Programm „Night of Swinging Classic“ ausgesprochen gute Laune und wurden vom Publikum nach einer starken zweiten Halbzeit mit Ovationen im Stehen entlassen. Auf der anderen Seite war es ein elend heißer Abend, der den Musikern das Leben schwer machte und die Besucher zu allem greifen ließ, was zum Fächer taugte.

Gesanglich nicht wirklich überzeugen konnte Kathy Kelly, einer der vielen Sprösslinge der „legendären“ Kelly Family, die als Solistin eingekauft worden war. Erst im Finale taute die zumeist ziemlich mürrisch dreinschauende Diva im Opernkostüm ein wenig auf. Besser machte es ihr männlicher Gegenpart Jay Oh, der damit bewies, dass ein Sieg bei der RTL-Show „Das Supertalent“ kein Hinderungsgrund für eine Gesangskarriere sein muss.

„Klassik meets Jazz“ lautete der Untertitel des Konzerts, das eine Begegnung von U- und E-Musik bot. Eine Operetten-Ouvertüre von Carl Millöcker eröffnete den Reigen – bei der von Thomas Grote mit viel Leidenschaft dirigierten Haffner-Sinfonie von Mozart war das Orchester in stark verkleinerter Besetzung schon erheblich besser eingespielt.

Kräftig durcheinander gewirbelt gegenüber dem ursprünglichen Programm spielte das Orchester eine Art „Best of“ der amerikanischen Film-, Swing- und Big-Band-Musik: Einen Vorgeschmack lieferte das Orchester mit Thomas Guthoffs „Amerika-Medley“, das im Eiltempo vom Marlboro-Country zu „I wanna live in America“ vorstieß. Unvergessen ist das Duo Frank und Nancy Sinatra mit „Something stupid“ – da hatten das Talent und die ältere Dame mit ihrer Interpretation kaum eine Chance. Das schwere Erbe von Edith Piaf lauerte anschließend auf Kathy Kelly. Das trotzig-selbstbewusste Chanson „Je ne regrette rien“ verträgt keinen Operettenton und erwies sich in der Tat als zu schwer. Aufatmen konnten die Zuhörer anschließend bei Jay Oh und Bart Howards „Fly me to the Moon“, das Frank Sinatra einst berühmt machte. Nach der Pause legten Orchester und Solist mit Sinatras ebenso berühmter Ode an „New York, New York“ nach. Und einzig das Alter des Interpreten passte nicht, als Jay Oh das lebenssatte und selbstbewusst zurückblickende „My Way“ anstimmte. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Stimmung schon mächtig aufgehellt. „Neuenrade, 42 Grad, die Stimmung kocht“, lieferte Moderator Stephan Quandel den passenden Lagebericht. Schön waren ein Querschnitt durch Cole Porters Musical „Kiss me Kate“, John Miles’ „Music“ und ein Saxophon-Auftritt von Xavier Paez, dem ehemaligen Musikstipendiaten der Märkischen Kulturkonferenz. An Glenn Millers wunderbarem „In the Mood“ hatten die Zuhörer gleich zweifach Freude, und letztlich erklang auch noch der Klassiker „Unforgettable“, der dem Programm den Titel gegeben hatte.

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