Gastwirte warten noch ab

Trotz Corona-Lockerungen: Kaum Öffnungen über Pfingsten

Die Tiroler Stub’n bleibt noch zu: Vor der Öffnung muss die neue Terrasse fertig werden.
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Die Tiroler Stub’n bleibt noch zu: Vor der Öffnung muss die neue Terrasse fertig werden.

Die Bürger im Märkischen Kreis können aufatmen. An fünf aufeinander folgenden Werktagen blieb die Zahl der Corona-Neuansteckungen unter dem entscheidenden Schwellenwert von 100. Deshalb sind endlich einige Lockerungen der Corona-Regeln möglich.

Ab Sonntag darf unter anderem die Außengastronomie wieder öffnen. Die Wirte konnten sich allerdings kaum vorbereiten.

Gerald Strutzmann, Chef der Tiroler Stub’n auf dem Kohlberg, bedauert, dass das grüne Licht für die Öffnung so kurzfristig kommt: „Ich war überrascht, als ich wirklich offiziell davon gehört habe.“ Seine Gaststätte auf dem Kohlberg wird vorerst noch geschlossen bleiben. In erster Linie deshalb, weil sich die neue Terrasse für die Außengastronomie noch im Bau befindet.

Mitarbeiter haben gekündigt

Aber auch unabhängig davon wäre die Öffnung an Pfingsten wohl kaum möglich gewesen: Wegen der monatelangen Schließung ohne eine wirkliche Perspektive, hatten einige seiner Mitarbeiter gekündigt. „Das Kurzarbeitsgeld reicht eben auf Dauer nicht, wenn man zu Hause Kinder hat und eine Familie versorgen muss“, erklärt der Wirt. Deshalb muss sich das Team der Tiroler Stub’n erst neu sortieren.

Für die Mitarbeiter wird es demnächst neue Aufgaben geben. Jemand muss Impfpässe, Schnelltestergebnisse, oder Genesungsnachweise am Eingang kontrollieren. Wie genau das ablaufen wird, darüber will sich Strutzmann in nächster Zeit Gedanken machen. „Wahrscheinlich werde ich einen Pavillon dafür aufbauen“, denkt er und ergänzt: „Ich bin mit dem Aufmachen generell noch ein bisschen vorsichtig.“ Im September 2020 war er bereits gezwungen gewesen, Lebensmittel aus dem gefüllten Lager zu verschenken und schließlich teilweise sogar wegzuschmeißen, weil die Gaststätte relativ spontan schließen musste. Das dürfe sich nicht wiederholen.

Zunächst reduziertes Angebot

Die Öffnung sollte daher gut durchdacht sein. „Wenn ich zu hastig öffne, schieße ich mir damit nur selbst ins Knie. Wenn dann etwas nicht richtig läuft oder länger dauert, sind die Gäste unzufrieden. Das will ich nicht.“ Um dem Problem mit den Nahrungsmitteln beizukommen, denkt Strutzmann darüber nach, das Angebot etwas einzudampfen. „Ich werde wahrscheinlich keine große Karte anbieten, sondern vier bis fünf leckere Gerichte, für die die Zutaten unproblematisch sind.“

Der Wirt ist zuversichtlich, dass er spätestens Anfang Juni die Tiroler Stub’n öffnen wird. Dann sei abzusehen, ob die Infektionszahlen auf dem derzeitigen Niveau bleiben. Dass es schon vor Juni einen Ansturm auf Restaurants geben wird, glaubt Strutzmann nicht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Menschen im Märkischen Kreis sehr vorsichtig sind und es einige Zeit braucht, bis der Betrieb richtig losgeht. „Es steckt den Leuten in den Knochen. Das wird man merken.“

Wilhelmshöhe startet wohl erst am Dienstag

Auch die Außengastronomie des Hotels Wilhelmshöhe bleibt über Pfingsten wahrscheinlich noch geschlossen. Betriebsleiter Kai Friedriszik sagte auf Anfrage, dass er wohl erst am Dienstag den Bereich wieder öffnen wird. Am Sonntag den Betrieb aufzunehmen, wäre „zu sehr übers Knie gebrochen“. Ware müsse besorgt werden, damit die Bewirtung auch funktionieren kann. Außerdem ergibt sich ein praktisches Problem, für das Friedriszik noch keine Lösung gefunden hat. Um Privatleute bedienen zu dürfen, müssen die Mitarbeiter einen negativen Schnelltest aus einer zertifizierten Teststelle vorweisen. Wegen der Feiertage am Sonntag und Montag haben die meisten Teststellen an diesen Tagen aber geschlossen. Der letzte Abstrich könnte also am Samstag gemacht werden. Das Ergebnis ist jedoch nur 48 Stunden gültig, weshalb damit am Montag nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit gearbeitet werden könnte.

Im Hotel Wilhelmshöhe ist es ab Sonntag auch wieder möglich, dass Privatleute anreisen, die übernachten wollen. „Es gibt ein Buch an Vorgaben“, sagt Kai Friedriszik. Er freut sich dennoch, dass die Lockerungen endlich kommen.

Wetter zu schlecht: Henblas bleibt dicht

Die Betreiber des Hotels und Restaurants Henblas haben sich „schweren Herzens“ entschlossen, den Betrieb über Pfingsten ebenfalls noch ruhen zu lassen. Über Facebook teilen sie mit: „Wir können es kaum erwarten, zumindest unseren Biergarten für euch zu öffnen. Aber das Wetter muss auch mitspielen... Wir sind der Meinung, dass es niemandem etwas bringt, wenn ihr euer Schnitzel im Regen essen müsstet, weil wir euch nicht in unser Restaurant lassen dürfen.“

Etwas anders machen es die Brüder Dimitrios und Theofilos Pantelidis in Werdohl. Sie betreiben das Traditionslokal Zum Spiegel und das Lokal Fábrica. „Wir können am Sonntag aufmachen“, berichtet Theofilos Pantelidis. So richtig erfreut darüber klingt auch er noch nicht. Viele Fragen seien offen: „Die Öffnung darf nicht mehr Kopfschmerzen bereiten als wir sie während der Schließung hatten. Ich hätte mir gewünscht, dass schneller klarere Informationen kommen, welche Vorgaben wir einhalten müssen“, sagt der Wirt. Durch die Feiertage sei der Informationsfluss zusätzlich erschwert.

Pantelidis denkt, dass es „zwei bis drei Wochen, vielleicht einen Monat“ dauern wird, bis sich ein neuer Arbeitsrhythmus mit Kontrollen von Testergebnissen und Impfpässen eingespielt hat. Zu überlegen sei, wie man es mit dem Einkaufen handhabe. Die Vorräte komplett aufzufüllen sei riskant, schließlich könne es passieren, dass schnell wieder geschlossen werden muss.

Vorsichtig herantasten

Am Sonntag oder am Montag soll erst einmal nur die Außengastronomie des „Spiegels“ öffnen. So will man sich vorsichtig an die neue Situation herantasten. In der Fábrica könnte ab Mittwoch der Betrieb losgehen. Pantelidis habe sich mit dem Ordnungsamt abgestimmt und darüber gesprochen, welche Vorgaben genau zu beachten sind. Mit einem riesigen Ansturm rechnet auch der Wirt aus Werdohl nicht. „Das Wetter spielt nicht besonders mit.“

Im Eiscafé Valentino an der Freiheitstraße könnte am Sonntag ebenfalls der Betrieb im Außenbereich wieder losgehen. Inhaber Antonio Fratepietro fehlten am Freitag zwar noch genauere Information, er betonte aber: „Wenn es möglich ist und das Wetter mitspielt, machen wir auf!“

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