Windpark Neuenrade

Trotz Baustopp: Darum wird auf dem Kohlberg weiterhin gearbeitet

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Die Baustelle wird stillgelegt. Windradteile und Materialien werden eingelagert.

Neuenrade – Durch den in der vergangenen Woche gerichtlich verhängten Baustopp ist Investor SL Naturenergie auf dem Kohlberg nun dazu gezwungen, die Baustellen der sechs Windräder stillzulegen.

Das gestaltet sich allerdings nicht so einfach, zieht sich über längere Zeit hin. Deshalb wird auf dem Kohlberg weiterhin gearbeitet. 

Wie Milan Nitzschke, Mitglied der SL-Geschäftsführung, auf Nachfrage der Redaktion erläuterte, müsse man schauen, dass das Equipment zentral und ohne Schaden zu nehmen gelagert werden könne. Die einzelnen Baustellen müssten per Zaun gesichert werden, die Windkraft-Türme Stabilität haben. Flugsicherung sei zudem ein Thema. Auch die Kräne müssten abgebaut werden. „Das ist eine Menge Gerät“, sagte Nitzschke und ließ durchblicken, dass eine derartige Baustelle nicht mal eben abzustellen sei. Die Arbeiten dürften also noch einige Tage in Anspruch nehmen. 

Arbeiter akzeptieren die Entscheidung

Noch am Donnerstag waren Arbeiter damit befasst, die Gerätschaften in Containern zu verstauen und Windradteile einzulagern. Man akzeptiere die Entscheidung, wolle nichts weiter dazu sagen, hieß es. Einer war im Zweifel für die Vögel. 

Mitglieder der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“, hatten darauf aufmerksam gemacht, dass auf dem Kohlberg trotz Baustopps noch umfangreiche Baustellenaktivitäten herrschten. Zudem berichteten Spaziergänger und Anwohner, dass trotz der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster (OVG) weiter „reger Baustellenverkehr“ herrsche. Die Bürgerinitiative ist nicht gegen Windenergie wie man immer wieder betont – nur gegen das Projekt auf dem Kohlberg, wo sechs bis zu 200 Meter hohe Windräder entstehen sollen. 

Baustopp für Investor ein "umweltpolitisches Desaster"

Für Milan Nitzschke ist der Baustopp ein „umweltpolitisches Desaster“. „Nach Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg im vergangenen Jahr haben wir wieder mit dem Bau des Windparks Neuenrade begonnen. Diese sechs Windenergieanlagen stellen die zukünftige Energieversorgung für Neuenrade, Altena und die Umlandgemeinden dar. Die Anlagen werden mehr Strom erzeugen als alle Haushalte in den Ortschaften gemeinsam verbrauchen – und das CO2-frei. Als Inbetriebnahmezeitpunkt war Oktober geplant.“ 

Sobald die Baustellen auf dem Kohlberg gesichert sind, müssen die Arbeiten eingestellt werden.

Die Entscheidung des OVG Münster bedauere man daher sehr und sei überrascht, dass sie auf einem Argument fußt, das „trotz jahrelanger Verfahren auf mehreren Gerichtsinstanzen und zahlreichen Prüfungen nicht vorher angemerkt worden ist“. Nun werde dieses Argument aber zum Anlass genommen wird, die Wirksamkeit der ausgestellten Baugenehmigung erneut aufzuschieben. 

Richter bemängeln umweltrechtliche Prüfung

So hatten die Richter in Münster insbesondere die umweltrechtlichen Prüfungen durch den Märkischen Kreis im Rahmen eines Gutachtens bemängelt. Hier geht es unter anderem um den Rotmilan und den Schwarzstorch. Während die Vorinstanz in Arnsberg diese Prüfungen als „einwandfrei“ bezeichnet und deshalb den ersten Baustopp von Anfang 2017 aufgehoben hatte, hieß es nun aus Münster, dass diese Prüfungen nicht den Vorgaben entsprächen. 

Die SL Naturenergie stehe laut Nitzschke weiterhin zu den „umfangreichen Gutachten“ und zu der vom Kreis getroffenen Entscheidung, den Windpark Neuenrade zu genehmigen. „Artenschutz und Windenergie gehen auf den Forstflächen des Kohlberges zusammen“, so der SL-Verantwortliche. „Während es in der Vergangenheit in den Anliegergemeinden durchaus kontroverse Debatten um die Windenergienutzung gegeben hat, haben die vergangenen Wochen gezeigt, dass sich die Haltung gegenüber der Erzeugung CO2-freier Energie auf dem Kohlberg sehr zum Positiven entwickelt hat.“ 

Großes Interesse an Schwertransporten

Das sei besonders bei den 18 Schwertransporten mit Windradteilen durch die Region deutlich geworden. Jede Nacht hätten bis zu 500 Menschen den Weg gesäumt. Und: „Täglich fragen bereits Bürger an, ob und wie sie sich persönlich an den Anlagen beteiligen können. Der Start der Bürgerbeteiligung war für Ende August geplant. Leider wird sich auch dieser Termin nun verzögern.“ 

Nitzschke sieht die aktuelle Entwicklung mit Sorge: „Dies entspricht einem allgemeinen Trend, dass Genehmigungsverfahren in Deutschland länger und länger werden und für Unternehmen und Gemeinden zunehmend Risiken beinhalten. Die-SL Gruppe ist imstande, diese Risiken zu tragen und steht entschlossen zu ihrem Ziel, die Stromversorgung in Region und Land klimaneutral zu machen.“ Aber: Für die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele seien derartige Verzögerungen und Hemmnisse fatal. 

Projektzeitraum wird immer länger

Von Planung bis Bau einer Windenergieanlage dauere es heute häufig zehn Jahre und mehr. „Damit können wir uns als Gesellschaft nicht zufriedengeben, wenn wir eine saubere und sichere Energieversorgung für die Zukunft gestalten wollen“, findet Nitzschke. Dazu könne sich die Landes- und Bundespolitik nicht tatenlos verhalten – wenn sie den Umbau der Energieversorgung ernst meine. 

Bei der SL Naturenergie hat sich inzwischen offenbar eine Jetzt-erst-recht-Mentalität entwickelt. Zumindest heißt es von Nitzschke: „Uns bestärkt es allerdings darin, weiter für eine schnellstmögliche Fertigstellung und Inbetriebnahme der Neuenrader Anlagen einzutreten.“ Die SL-Naturenergie-Gruppe scheint gut aufgestellt. In der Branche ist die Gruppe keine kleine Nummer. In Coesfeld wird aktuell ein Energiepark mit 13 Anlagen ins Leben gerufen – zumindest gab es im Juni den ersten Spatenstich dazu. Auch in Hamm ist die SL Naturenergie mit Projekten unterwegs. Kürzlich wurden zwei Windräder nahe der A2 genehmigt. Auch hier erfährt der Investor Gegenwind.

Mehr zum Windkraft-Projekt auf dem Kohlberg lesen Sie hier.

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