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Trolle, Putins Koch und Candy Crush: Einblick in nicht so schöne Internet-Welten

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Von: Peter von der Beck

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Manfred Theisen in Aktion.
Manfred Theisen in Aktion. © von der Beck, Peter

Was Fakenews sind, wie man sie erkennt, was bestimmte Russen damit zu tun haben, wie Trolle arbeiten, wer sie bezahlt und warum man mehr über die Arbeit mit Google wissen wollte, erfuhren die Schüler der Neuenrader Hönnequell-Schule von einem echten Experten.

Der erklärte auch, warum man zum Beispiel Candy-Crush-süchtig werden kann, wie Tiktok arbeitet oder warum Snapchat Erfolg hat und wie die überhaupt alle Geld verdienen: Es war ein weites Feld, das Autor Manfred Theisen am Freitag in der Aula der Hönnequell-Schule beackerte – und die Siebtklässler hörten zu und lernten etwas.

Zumindest werden Kim und Emma über die Nutzung der Suchmaschinen nachdenken und zumindest Kim will auch mal Yahoo oder DuckDuckGo ausprobieren – vor allem DuckDuckGo, die sich nach den Worten von Manfred Theisen nicht merkt, wo und wie man im Netz gesurft hat und tatsächlich dann objektive und nicht interessengefärbte Ergebnisse auswirft. Und zwei Schulkollegen von Kim und Emma werden nur noch technische Cookies zulassen.

Der Experte geht gleich in die Vollen

Manfred Theisen war auf Einladung von Stadtbücherei und Zelius gekommen, unterstützt vom Friedrich-Bödecker-Kreis, indirekt also durch das NRW-Kultusministerium, um in der Aula der Hönnequell-Schule aus seinen Büchern zu lesen und etwas über Fakenews zu erzählen.

Theisen ging gleich mit einem Stück aus der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie in die Vollen. Viele waren demnach auf die Nachricht reingefallen, dass es im Schuljahr 2019/2020 „keinen Unterricht“ mehr geben solle. Angeblicher Absender: das Bildungsministerium des Landes NRW. Wer misstrauisch war, die Überschrift der Nachricht kopierte und er-googelte, landete gleich wieder wegen der Google-Mechanismen auf der gefakten Seite des Bildungsministeriums. Die Fakenews verbreiteten sich – auch wegen des Phänomens „Bestätigendes Lesen“ (ich will, dass das stimmt), mangelhafter Lesekompetenz (es gab jede Menge Schreibfehler) und von Panik ergriffenen Eltern, die nicht mehr genau hingeschaut hatten – in Windeseile. Auch die Frage, wer denn so etwas verbreitet, beantwortete Theisen: „Es sind russische Trolle, die machen das den ganzen Tag. Das ist deren Arbeit“, sagte Theisen, der nach eigenen Angaben zwei Jahre für das deutsche Innenministerium in Russland forschte.

Einblick in die russische Propaganda

„350 Euro bekommen diese Trolle im Schnitt.“ Die würden auch „mit Hilfe von Bots“ Diskussionen in den sozialen Medien befeuern, Likes setzen und anheizen. Theisen ist sich sicher: Hinter der Hälfte der Diskussionen und Kampagnen steckten Bots und Trolle. Auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nannte Theisen am Rande der Veranstaltung. Der bezahle wohl 6000 Trolle. Wie auch immer: Oberster Troll in Russland sei „Putins Koch“(Jewgeni Prigoschin), der mit Hilfe des russischen Präsidenten viel Geld verdient habe. Eine Hand wasche die andere, ließ Theisen durchblicken. Putins Koch stecke auch hinter der Söldnertruppe Wagner. Der Politologe und Autor Theisen gab noch einen Einblick in die russische Propagandamaschine, die mit Sendungen wie „der heiße Draht“ aus Putin den liebevollen Landesvater kreiert habe. Bei diesem Format dürfen Bürger den Präsidenten direkt befragen, der sich dann als Kümmerer in Szene setze. So habe man „einen Präsidenten gebaut“.

Es war auch für die Schüler spannend, was Manfred Theisen über die sozialen Medien und Spiele erläuterte. Wie Tiktok mit den kleinen Filmchen immer für einen kurzen Dopaminausstoß sorgen würde, wie Snapchat mit der Zugehörigkeit zu Gruppen Kundschaft binde, wie Spiele wie Candy Crush, Ballerspiele oder andere mit der „Illusion von Kompetenz“ agieren würden. So werde ab einem bestimmten Level ein Spiel einfacher, um eben für Dopaminausstoß zu sorgen und süchtig zu machen. Und verdienen würden die Anbieter mit dem Datenverkauf. Am Ende gingen viele Schüler nachdenklich nach Hause.

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