Tritt mit Stahlkappenschuhen

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Justitia.

Neuenrade -Auf eine merkwürdige Weise gestalteten zwei Neuenrader am 18. August ihre Freizeit nach dem Arbeitsende um 14 Uhr: Sie verzockten ihr Geld in einer Spielhalle. Möglicherweise hält man solchen Unsinn unter dem Einfluss berauschender Mittel besser aus.

Also tranken sie etwa ab 14.30 Uhr mit einem verblüffenden Ergebnis. Als die Polizei beide nach Mitternacht pusten ließ, um einen ungefähren Blutalkoholwert festzustellen, stand es unentschieden. Beide Kontrahenten hatten etwa zwei Promille im Blut. Dem Älteren von den beiden (46) stieg der Stoff allerdings derart ins Hirn, dass er sein 43-jähriges Gegenüber krankenhausreif schlug und trat.

Mit einer Gehirnerschütterung und einem Kieferbruch blieb der Jüngere fünf Tage lang in stationärer Behandlung. „Ich weiß, es tut mir sehr leid“, legte der Angeklagte im Amtsgericht Altena ein umfassendes Geständnis ab. Anschließend offenbarte er allerdings eine sehr merkwürdige Rechtsauffassung: „Ich habe deutsches Recht gebrochen“, behauptete er, was Richter Dirk Reckschmidt aus grundsätzlichen Erwägungen heraus so nicht stehen ließ. Ein derartiger Gewaltausbruch wäre in jedem Land eine Straftat, belehrte er den Rumänen und zeigte ihm die sichergestellte Videoaufnahme aus der Spielhalle. Da der 46-Jährige von der Arbeit direkt in die Spielhalle gegangen war, hatte er bei der Tat noch seine mit Stahlkappen geschützten Arbeitsschuhe an – ein gefährliches Werkzeug mit entsprechenden Folgen für einen getretenen Kopf.

Das spätere Opfer habe ihn und seine Mutter zuvor beleidigt und bedroht, bemühte sich der nicht vorbestrafte Angeklagte um eine Erklärung für sein brutales Verhalten. Dass Staatsanwältin und Richter die Tat letztlich als eine minderschwere einstuften, lag an der Alkoholisierung der beiden Beteiligten und an der Hilfe, die der Ältere dem Jüngeren nach den Prügeln geleistet hatte: Er wartete mit ihm auf den Krankenwagen und begleitete ihn bei den Fahrten in die Kliniken von Lüdenscheid und Dortmund, wo der Kiefer letztlich wieder gerichtet wurde. „Danach hatten wir keine Probleme mehr miteinander“, versicherte zudem das Opfer.

Und so folgte Richter Dirk Reckschmidt dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in einem minderschweren Fall. Teuer wurde es dennoch: 120 Tagessätze zu je 30 Euro ergeben eine Summe von 3600 Euro. „Sie haben voll reingetreten, und das mehrfach“, fasste der Richter das Geschehen zusammen.

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