„Nicht nur zum Anschauen da“

Burkhard Kühn mit seinem restaurierten IHC McCormick D 439. Mit seinen 36 Pferdestärken wird der Oldtimer auch in Zukunft im, zumindest gelegentlichen, Arbeitseinsatz sein. - Fotos: Kühn

NEUENRADE -  Oldtimer sind längst nicht nur Autos oder Motorräder, es gibt ebenso Oldtimer-Trecker, die von ihren Besitzern aufwendig restauriert werden und hin und wieder auch noch als Arbeitsgerät dienen. Der stolze Besitzer eines solchen Treckers ist Burkhard Kühn. Fünf Jahre stand sein feuerroter McCormick-Traktor, Baujahr zwischen 1962 und 1966, zur Wartung in der Garage, bevor der 55-jährige erstmals eine Ausfahrt wagen konnte.

Die Traktoren der International Harvester Company, kurz IHC, wurden bis 1985 in Neuss gefertigt. Die International Harvester Company hatte die Firma McCormick aufgekauft, den Namen jedoch beibehalten. Zur Produktpalette gehörte unter anderem der IHC McCormick D-439, das Modell, das auch Burkhard Kühn besitzt. Angetrieben wird es von einem 36 Pferdestärken kräftigen Motor mit vier Zylindern. Das wassergekühlte Arbeitsgerät wurde zwischen 1962 und 1966 gebaut. Insgesamt 17 627 Exemplare wurden so produziert.

Burkhard Kühn kaufte seinen eigenen IHC im Jahr 2007 recht kurzentschlossen. Das Exemplar habe auf einer Wiese in Küntrop gestanden. „Nachdem ich täglich auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeigefahren bin, habe ich irgendwann beim Besitzer nachgefragt, ob das Teil zum Verkauf steht“, erklärt Kühn. Und er hatte Glück. Der Trecker wechselte den Besitzer, ebenso ein alter Miststreuer. Doch eine Fahrt mit dem neu erworbenen Stück sei zu diesem Zeitpunkt aus eigener Kraft unmöglich gewesen. „Neben der beschädigten Lenkstange waren der Zylinderkopf und der Kühler geplatzt“, berichtet Kühn. Erst mit Hilfe eines anderen Treckers konnte das Gefährt dann in seine Garage geschleppt werden. „Mein Auto musste also fünf Jahre lang draußen bleiben“, bemerkt der 55-Jährige.

Zuerst habe er den gesamten Traktor bis auf den Motorblock auseinandergebaut. Um seinen Trecker zu reparieren, musste er noch zwei weitere Gefährte gleichen Bautyps dazukaufen, um die benötigten Teile auszubauen und die übrigen Bestandteile weiterzuverkaufen.

Nachdem der gesamte Lack von den einzelnen Bauteilen abgeschliffen war, habe er seinen Garten zum Auftragen der Farbe kurzerhand in eine Lackierwerkstatt verwandelt. Beim Lackieren habe ihn zudem ein Freund unterstützt. Allerdings seien beim Auftragen der Farbe Probleme aufgetreten. „Die International Harvester Company verwendete eine Mischung aus zwei verschiedenen Farbtönen als Lack“, erklärt Kühn. Je nach Mischverhältnis verändere sich auch die Endfarbe. So musste auch Burkhard Kühn mehrere Lackierungen ausprobieren, ehe der McCormick in der gewünschte Farbe strahlte.

Über die fünf Jahre wuchs der Trecker nach und nach wieder zusammen. Auch der erstandene Miststreuer würde gerade aufwendig restauriert, so Kühn. Neben einem neuen Rahmen sei ein verstärkter Boden und eine Umsteckbremse hinzugekommen. Diese kann auch vorne am Trecker befestigt werden, wodurch der Fahrer auch von dort den Anhänger bergab bremsen kann.

Eine weitere Besonderheit zeichne den Traktor aus. Die hinteren Räder seien größer als bei anderen Modellen, wodurch sich die Höchstgeschwindigkeit leicht erhöhe. Um die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern erwarb der stolze Besitzer einen kleinen Kran, den man durch ein selbstgebautes Gerüst an der Ackerschiene, einer Vorrichtung zum anhängen von landwirtschaftlichen Machinen, befestigen kann. So könne Lasten bis 900 Kilogramm problemlos gehoben werden. „Der Trecker ist ja nicht nur zum Anschauen da“, meint Kühn. So kämen zu den bisher 23 Betriebsstunden wohl noch einige hinzu. Und bei schönem Wetter sei auch mal ein Ausflug mit der Familie geplant.

- Von Julian Kühn

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