Werner Schuster zu Gast beim Sparkassen-Forum

Er trainierte schon Olympiasieger: Ex-Bundestrainer in Neuenrade

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Zufriedene Gesichter beim Sparkassen-Forum (von links): Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im MK, der ehemalige Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster, der Neuenrader Michael Schmidt und Sparkassen-Vorstand Mike Kernig.

Neuenrade – Als Bundestrainer der deutschen Skispringer prägte er eine Ära und führte die DSV-Adler von 2008 bis 2019 zu herausragenden Erfolgen. Nach der vergangenen Weltcup-Saison aber sprang er vom Skisprung-Karussell ab.

Er – das ist Werner Schuster. Der 50-jährige Österreicher referierte beim 11. Sparkassen-Forum, zu dem die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis Privat- und Geschäftskunden ins Hotel Kaisergarten geladen hatte, zum Thema „Leitprinzipien im Spitzensport – Durchhaltevermögen und Zielsetzungen“. 

Was Werner Schuster den Gästen am Mittwochabend vor den Canapés servierte, war ein ebenso kurzweiliger wie spannender und durch mehrere spontan eingebaute Anekdötchen mitunter auch überaus vergnüglicher Einblick in seine so erfolgreiche Arbeit. Schuster sprach im Bezug auf seine Tätigkeit als Bundestrainer unter anderem über Teamführung, Zielsetzungen, Durchhaltevermögen oder Entscheidungen, die es zu treffen galt. Themen aus dem Spitzensport, die Schnittmengen haben mit einer Unternehmensführung. Schuster als Referent vor Unternehmern, diese Wahl war gewissermaßen eine blitzsaubere Telemarklandung der Vereinigten Sparkasse im MK um ihren Vorstandsvorsitzenden Kai Hagen. 

Ein Freund realistischer Zielsetzungen

„Ich bin ein Freund realistischer Zielsetzungen“, betonte Schuster, der 2008 als Bundestrainer einstieg. Zu einer Zeit, in der das deutsche Skispringen nach dem abgeflachten Hype um Martin Schmitt oder Sven Hannawald am Boden lag und die Stimmung wegen ausbleibender Erfolge wahrlich keine gute gewesen sein muss. Schuster verfolgte von Beginn an ein System, an dem er „gebetsmühlenartig festgehalten“ habe. Der Österreicher krempelte unter anderem das Förderungs- und Nachwuchssystem um, verbesserte die Kommunikation nach innen und außen, drehte an etlichen Stellschrauben. Schlagworte: Technik und Athletik. „Du musst dir das Selbstvertrauen erarbeiten – durch knallharte, tägliche, konsequente Arbeit. Da muss eine Linie drin sein von A bis Z.“ Und Schuster schaffte es, aus den Springern eine echte Einheit zu formen. „Gerade Teamziele schweißen zusammen. Daher habe ich Teamziele immer höher gestellt als individuelle Ziele“, sagte der Österreicher. 

Voller Saal im Hotel Kaisergarten. Privat- und Geschäftskunden der Sparkasse folgten der Einladung.

Schuster zeigte bei seinem Vortrag in Neuenrade auf, wie die DSV-Adler die gesteckten Ziele nach und nach erreichten, streute immer wieder mal bewegte Bilder oder Fotos der erfolgreichen Skispringer in seinen Vortrag ein. „Es ist unglaublich wichtig, dass alle das gleiche Ziel haben. Jeder beeinflusst jeden. Und jeder kann den Unterschied machen“, machte der ehemalige Bundestrainer deutlich. Die Erfolgsbilanz der DSV-Adler um Skiflug-Weltmeister Severin Freund, der 2014/15 den Gesamtweltcup und 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi Gold mit der Mannschaft gewann, waren unter der Regie des Vorarlbergers schlichtweg beeindruckend. 

Richtlinien im Umgang mit der Mannschaft

Der 50-Jährige zeigte in seinem Vortrag zudem auf, wie es gelang, das hohe Niveau nicht nur zu erreichen, sondern er machte vor allem auch deutlich, wie es gelang, das erreichte Level zu halten und noch zu steigern. Schuster zeigte Richtlinien im Umgang mit der Mannschaft, im Umgang mit dem einzelnen Sportler auf. Schuster sprach unter anderem über Motivation, Leidenschaft, Vertrauen, gegenseitigen Respekt, aber auch über Regeln („Siege feiert man gemeinsam“) sowie Entscheidungen, die er unter anderem bei den Nominierungen vor großen Springen zu treffen hatte. 

Er betonte mehrfach, wie wichtig Authentizität in seiner Rolle gewesen sei und dass er sich und seine Arbeit ständig selbst hinterfragt habe. Schuster: „Ich war mir meiner Sache nie zu sicher. Auch wenn man ein paar Mal gewonnen hatte: Ich habe mich selbst und auch das System immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Das muss man auch machen, um längerfristig Erfolg zu haben. Ansonsten schwebt man irgendwann über den Dingen – und dann ist die Landung hart.“ 

Für Spitzensportler gibt es keinen Lift

Gegen Ende seines Vortrags hielt Schuster fest: „Auch wenn man es immer wieder versucht: Ich habe keine Abkürzung gefunden. Wenn man als Spitzensportler nach oben will, dann muss man die Treppe nehmen. Den Lift oder den Hubschrauber gibt es nicht. Es gibt keine Abkürzungen.“ 

Auf der Bühne überrascht wurde Werner Schuster nach seinem Vortrag vom Neuenrader Michael Schmidt. Der Logistik-Unternehmer ist Cheftrainer der Vorspringer im Skisprung-Weltcup – und Schuster kennt und schätzt die wichtige Arbeit des Hönnestädters. Schmidt hatte Winterjacke, Mütze und Deutschlandfahne, mit der er die Skispringer abwinkt, mitgebracht in das Hotel Kaisergarten. Getragen wurde das Outfit eingangs zur Begrüßung von Werner Schuster, aber kurzzeitig vom bestens gelaunten Kai Hagen, der damit letztlich einen rundum gelungenen Abend eingeläutet hatte.

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