Frau in Neuenrade getötet

Totschlag-Prozess: Mithäftlinge sollen über Selbstgespräche aussagen

Strafgesetzbuch
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Der Totschlag-Prozess gegen einen Mann aus Neuenrade dauert länger als geplant.

Der Totschlag-Prozess gegen einen Mann aus Neuenrade, der seine Lebensgefährtin getötet haben soll, wird in die Verlängerung gehen. Es geht um die psychische Verfassung des Angeklagten.

Neuenrade – Der Totschlag-Prozess im Landgericht Hagen geht voraussichtlich in die Verlängerung: Die Prozessbeteiligten haben sich am Mittwoch auf weitere mögliche Prozesstage am 6. und 27. Oktober geeinigt.

Zur Vorbereitung des endgültigen psychiatrischen Gutachtens des Sachverständigen Dr. Brian Blackwell soll unter anderem die Anstaltspsychologin der Justizvollzugsanstalt geladen werden. Auch zwei Mitinsassen aus der Zelle des Angeklagten sollen darüber aussagen, ob sie tatsächlich Selbstgespräche des 22-Jährigen gehört haben.

Staatsanwalt Nils Warmbold äußerte nach einer ersten Lektüre des schriftlichen Gutachtens Skepsis hinsichtlich der Angaben des Nigerianers zu seinem bisherigen Leben: „Ich habe den Eindruck, der Angeklagte ist ein notorischer Lügner.“ Nach wie vor schweigt der 22-Jährige zu der Tat. In einem Rechtsgespräch sprachen die Prozessbeteiligten über Berichte angeblicher Sexualdelikte, die der Angeklagte seiner Ex-Partnerin – und später Getöteten – angetan haben soll.

Sexuelle Übergriffe: Freundinnen der Toten erhärten Verdacht

„Ein Tatnachweis mit dem, was in den Akten steht“ sei schwer zu führen, erklärte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen. Die 24-Jährige habe im Laufe des Ermittlungsverfahrens nichts mehr dazu sagen wollen. Und es gebe „keine Spuren, keine weiteren Tatzeugen“ jenseits ihrer Aussage über diese Übergriffe.

Ein Kriminalbeamter berichtete von der Aussage einer Cousine der Getöteten, die inzwischen in England lebt: Die 24-Jährige habe ihr erzählt, dass ihr Partner sie regelmäßig geschlagen und schon einmal gewürgt habe. Ähnlich soll sich die 24-Jährige gegenüber ihrer besten Freundin geäußert haben, die auf Sardinien lebt: Sie sei zu Sex gezwungen worden und habe schließlich eine Vergewaltigung angezeigt.

Geld vom Konto der Toten gefunden

Diese Vorwürfe werden sich ohne die Zeugin nicht mehr aufklären lassen. Die Freundin bestätigte auch Hinweise, dass die 24-Jährige bereits einen neuen, deutschen Partner hatte: Sie wolle mit Nigerianern nichts mehr zu tun haben, soll sie gesagt haben.

Eine ganz andere Spur legten Ermittlungen der Polizei: Trotz einer Abbuchung vom Konto der Getöteten, die wenige Tage vor ihrem Tod getätigt wurde, hätten die Ermittler kein Geld in der Wohnung gefunden, erklärte der Leiter der Mordkommission. Das deutete vage einen Raub oder Diebstahl an.

Hatte Angeklagter Probleme mit Alkohol?

Die Vertreterin des Jugendamtes des Märkischen Kreises berichtete jedoch, dass sie bei einem genehmigten Besuch in der Wohnung an zwei Stellen Geld gefunden habe: Mehrmals 50 Euro an verschiedenen Stellen in der Wohnung. Das Geld übergab sie dem Amtsgericht Altena.

Dass der Alkohol im Leben des Angeklagten eine zunehmende Rolle spielte, machte die Aussage eines 26-jährigen Zeugen deutlich. Er habe den Angeklagten Mitte 2020 kennengelernt und am Wochenende gerne mal mit ihm getrunken – Bier oder auch mal zu zweit ein Flasche Schnaps. Ein Alkohol-Problem habe der Angeklagte aber nicht gehabt, vermutete er. „Ich habe ihn als netten, sympathischen Typen kennengelernt.“

Der 22-jährige Nigerianer soll seine Ex-Partnerin (24) am 19. März in deren Wohnung an der Bahnhofstraße in Neuenrade erwürgt haben. Zuvor hatte es wohl einen Streit gegeben, in dem es um die beiden gemeinsamen Kinder ging. Bei diesem Streit mit einem Messer wurde auch der Angeklagte verletzt.

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