Mindestens zwei Minuten gewürgt

Totschlag-Prozess: Gerichtsmediziner bestätigt massive Gewalteinwirkung

Im Landgericht Hagen wurde am Mittwoch der Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader fortgesetzt.
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Im Landgericht Hagen wurde am Mittwoch der Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader fortgesetzt.

Erstmals haben am Mittwoch Zeugen im Landgericht Hagen ausführlich über die Vorgeschichte des Tötungsdelikts an der Bahnhofstraße gesprochen. Dabei wurde auch deutlich, warum sich die später Getötete von ihrem Partner im September 2020 getrennt hatte.

Eine entfernte Schwägerin berichtete von regelmäßigen Telefongesprächen, in denen ihr die 24-Jährige ihr Leid geklagt hatte. Demnach hatte der Angeklagte „täglich Sex“ von der später Getöteten verlangt – „wenn es nach ihm gegangen wäre“. Die Rede war auch von Vergewaltigungen, die die junge Frau nur deshalb nicht angezeigt habe, weil er der Vater ihrer Kinder war. „Sie musste sich immer wehren“, erklärte die Zeugin. Als er ihr kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes Sex abnötigte, musste sie mit gravierenden Verletzungen zurück ins Krankenhaus.

Solche Berichte gibt es nicht nur aus dem persönlichen Umfeld der 24-Jährigen. Auch eine Frau aus Neuenrade, die sich aus christlichem Glauben heraus um das Paar bemühte, wusste von diesem Dauerdruck, den die junge Frau irgendwann nicht mehr ertragen wollte. Nach der Trennung bezog sie eine eigene Wohnung, in der der Angeklagte allerdings immer noch regelmäßig zu Gast war und sich um seinen Nachwuchs kümmerte: „Die Kinder waren sein Ein und Alles. Die waren ihm lieb und teuer“, erinnerte sich die Zeugin.

Getötete wollte als Lehrerin arbeiten

Die Getötete beschrieb sie als temperamentvoll, aufgeweckt, zuweilen etwas hyperaktiv und „immer lieb zu den Kindern“. In Streitsituationen sei sie auch gelegentlich laut geworden. Vom angeblichen Wunsch der 24-Jährigen, später als Model zu arbeiten, wusste die Zeugin nichts: „Sie wollte immer gerne Deutsch lernen, aber das war ja nicht möglich mit den beiden Kindern.“ Ihr Ziel sei es gewesen, als Englischlehrerin in Deutschland zu arbeiten. Beide Flüchtlinge hätten „immer versucht, genau das zu machen, was hier von ihnen erwartet wird – um nicht zurück zu müssen“.

Warum kam das Paar nach Deutschland? Auch dazu gab die Zeugin einige Hinweise: Der Angeklagte sei in einem christlichen Umfeld großgeworden, sie war eine Muslima. „Sie sollten nicht heiraten. Deshalb wollten sie aus Nigeria weg.“ Es soll noch einen Grund für die Flucht gegeben haben: Angeblich war die Getötete in ihrer Heimat sexuell verstümmelt worden – ein Schicksal, das sie ihrer Tochter um jeden Preis ersparen wollte.

Flucht auf einem Lastwagen durch die Wüste

Bei seiner Flucht soll das Paar auf einem Lastwagen durch die Wüste nach Norden gefahren sein. Dann ging es möglicherweise über das Mittelmeer nach Italien und von dort aus nach Hamburg, Soest und schließlich Neuenrade.

Die harten Fakten rund um den Tod der jungen Frau lieferte der Gerichtsmediziner Dr. Ralf Zweihoff: Er bestätigte eine massive Gewalteinwirkung von mindestens einer bis zwei Minuten gegen den Hals der Toten, die zunächst zur Bewusstlosigkeit führte. Der Erstickungstod trete bei einem gesunden Menschen erst nach fünf bis acht Minuten ein, erklärte der Sachverständige. Ob der Tod durch die Aspiration von Mageninhalt oder durch fortgesetzten Druck auf den Hals eintrat, konnte nicht festgestellt werden.

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