Nachrichten müssen mühsam übersetzt werden

Totschlag-Prozess: „Es gibt keine Bedrohungen oder Beleidigungen“

Der Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader wurde am Freitag im Landgericht Hagen fortgesetzt.
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Der Totschlag-Prozess gegen einen Neuenrader wurde am Freitag im Landgericht Hagen fortgesetzt.

Eine scheinbar endlose Reihe von Zeugen hilft im Landgericht dabei, den Tod der 24-jährigen Mutter aus Neuenrade aufzuklären.

Die Sprachschwierigkeiten, die eine syrische Nachbarsfamilie von der Kontaktaufnahme mit der jungen Frau aus Nigeria abhielt, mussten auch im Landgericht mithilfe eines Dolmetschers gelöst werden.

Der 35-jährige Familienvater erinnerte sich an wenige Kontakte mit der 24-Jährigen: „Man hat gemerkt, dass sie ihre Kinder gern hatte.“ Seine Frau gab sich gelassen angesichts von Kindergeschrei, das immer mal aus der anderen Wohnung zu ihr herüber drang: „Ich habe selber fünf Kinder. Das ist normal.“

Gesetzlicher Vormund meldet sich zu Wort

Das Schicksal der beiden Kinder der Getöteten spielt eine dauerhafte Nebenrolle im Gerichtssaal. Erstmals meldete sich am Freitag eine Vertreterin des Märkischen Kreises zu Wort, die als gesetzlicher Vormund als Nebenklägerin im Gerichtssaal sitzt – unterstützt von Rechtsanwalt Martin Düerkop. Nach der Beschlagnahme der Wohnung stellte ihr das Neuenrader Ordnungsamt einen Schlüssel zur Verfügung, damit sie Kleidung und Spielsachen für die Kinder holen konnte. Bevor das Jugendamt des Märkischen Kreises die Vormundschaft übernahm, blieben die Kinder für kurze Zeit in der Obhut eines Kirchenmannes: „Der Gemeindepfarrer ist gekommen und hat die Kinder zu sich in die Wohnung gebracht“, erinnerte sich ein Polizeibeamter aus Neuenrade. Viele Zeugen berichteten von einer um ihre Kinder sehr bemühten Mutter und einem „liebevoll“ eingerichteten Kinderzimmer. „Die Kinder waren aufgeweckt, sehr lebhaft und immer top angezogen“, erinnerte sich der Vermieter der 24-Jährigen.

Eine besondere Herausforderung sind WhatsApp-Nachrichten, die die 24-Jährige mit dem Angeklagten vor der Tat wechselte. Ein erster Übersetzungsversuch von Sprachnachrichten scheiterte offenbar am mangelnden Hörverstehen der beauftragten Dolmetscherin. Es blieb einiges unübersetzt. Zu hören war das nigerianische Englisch bei der Zeugenaussage einer 27-jährigen Schwippschwägerin der Getöteten aus Nigeria, die in Begleitung ihres 62-jährigen Partners aus Süddeutschland angereist war. Er war mit einem sehr speziellen Anliegen gescheitert: „Ich wollte die Kinder zur Pflege nehmen.“

Der Angeklagte schweigt

Die geschulte Übersetzerin, die den schweigenden und in sich versunkenen Angeklagten über das Geschehen auf dem Laufenden hält, soll sich nun den Herausforderungen der Sprachnachrichten des Neuenrader Paares stellen. Die Vorsitzende gab erste Hinweise zu den bereits übersetzten Passagen: Das Ganze sei aus der Sicht der späteren Katastrophe „ein relativ harmloser Chat. Es gibt keine Bedrohungen oder Beleidigungen.“

Erneut bestätigt wurden aber Hinweise, dass der 22-Jährige die später Getötete sexuell extrem bedrängt hatte. Ein Mitglied der Mordkommission berichtete, dass ihr Frauenarzt bei der Polizei „ein Sexualdelikt angezeigt“ habe.

Der Prozess wird am Mittwoch, 22. September, ab 12 Uhr fortgesetzt.

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