Bekanntes Festival abgesagt

„Totaler Firlefanz“: Vereinschef im MK kritisiert Corona-Maßnahmen

Kulturfluter-Chef Christian Schulte-Backhaus. Der Verein lebt und die Zahl der Mitglieder ist sogar ohne offizielle Aktivitäten auf nun 73 Mitstreiter gestiegen.
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Kulturfluter-Chef Christian Schulte-Backhaus. Der Verein lebt und die Zahl der Mitglieder ist sogar ohne offizielle Aktivitäten auf nun 73 Mitstreiter gestiegen.

Abgesagt hat der Verein Kulturfluter das alljährliche Rumo-Tripot-Festival auf dem Hof Schulte. „Eigentlich hätte es am 28. August stattfinden sollen“, sagte der Vereinsvorsitzende Christian Schulte-Backhaus.

„Aber in der Kürze der Zeit ist solch eine Veranstaltung einfach nicht zu stemmen.“ Man habe zwar erst jüngst den Entschluss öffentlich gemacht, „doch eigentlich haben wir uns schon vor dem Sommer auf diesen Weg verständigt“, skizziert Schulte-Backhaus die vereinsinternen Diskussionsvorgänge. „Bei dem totalen Corona-Firlefanz, der nebenbei derbst abnervt, kannst Du einfach nichts organisieren.“ Der Kulturfluter-Chef verrät: „Eigentlich müssten wir ja jetzt schon loslegen mit der Planung für das Rumo Tripot 2022.“

Da nun aber fast alle Bands ohnehin kaum gefüllte Terminkalender haben, wäre unter Umständen auch kurzfristiger etwas auf die Beine zu stellen. „Doch das Risiko, alles dann doch wieder rückabwickeln zu müssen, wollten wir nicht eingehen.“ Steigende Inzidenzzahlen hätten eben auch größere Einschränkungen und andere Auflagen zur Folge.

Schulte-Backhaus: „Sind nicht Jonny Controletti“

„Konzerte mit diesen 3G-Regeln sind ja auch nur zum Abgewöhnen“, positioniert sich Schulte-Backhaus eindeutig. „Man schließt damit ja viele Zuschauer einfach aus, die sich nicht impfen oder testen lassen wollen“, begründet er seine Haltung. „Wir sind ja auch nicht Jonny Controlletti“, formuliert er in Anlehnung an einen alten Udo-Lindenberg-Klassiker. „Und was ist, wenn dann wirklich was passiert, sich einer auf dem Hof ansteckt?“, fragt er rhetorisch.

Schulte-Backhaus blickt anderthalb Jahre zurück: „Bei der Absage des Mayperlorama-Festivals 2020 waren wir absolut konsterniert.“ Der Vereinsvorsitzende schnauft und sagt dann: „Wir sind ja einmal angetreten für Rock ‘n’ Roll. Beim Gedanken an einem Bestuhlungsplan für den Hof kriege ich einen Fön.

Verzicht auf Alkohol wäre die Folge

Er überlegt kurz und schiebt hinterher: „Den wirklich umzusetzen, geht ja auch nur bei einem kompletten Verzicht auf Alkohol.“ Schon grübelt er erneut und sinniert: „Und was machst Du mit Besuchern aus anderen Bundesländern? Welche Testbescheinigungen gibt es dort? Wie sehen die aus? Sind die fälschungssicher? Und gelten die hier auch?“ Er zuckt mit den Schultern.

„Am Ende musst Du bloß das Gelände hier hermetisch abriegeln.“ Der Bassist der Entspannungsminister ruft sogleich: „Was wir mal ursprünglich wollten war Gemeinschaft, war sich zu umarmen, war sich gehen zu lassen. Wir wollen schwitzen, riechen und dabei leicht einen im Tee haben.“

Finanziell noch nicht in Schwierigkeiten

Konzerte per Internet-Stream „sind natürlich ein denkbares Format“. Sein Gesichtsausdruck mit den herunterhängenden Mundwinkeln verraten jedoch keine Begeisterung. „Damit hilfst Du aber nur den betroffenen Künstlern. Spaß für die Zuschauer kommt dabei doch nicht auf. Ich persönlich würde da höchstens mal zehn Minuten reinschauen.

Die bisherigen Absagen hätten die Kulturfluter monetär nicht so stark getroffen, „weil mir musikalisch ja nicht bei den ganz Großen mitspielen, sondern im Indiebereich“, erklärt Schulte-Backhaus. „Wir einigen uns mit den Bands per Handschlag und nicht mit harten Verträgen. Bei einer Absage genügt dann ein Anruf.

Zahl der Mitglieder sogar gestiegen

Der Verein Kulturfluter existierte mit Hilfe von Videokonferenzen weiter. „Auch einen Stammtisch halten wir auf diese Art und Weise am Leben“, erläutert Schulte-Backhaus. „Die Zahl unserer Mitglieder ist in den zurückliegenden anderthalb Jahren sogar um zwei auf nun 73 gestiegen.“ Und auch finanziell habe die Corona-Pandemie den Kulturflutern noch nichts anhaben können. „Wir könnten, wenn hart auf hart kommst, auch fünf, sechs Jahre durchhalten, bevor wir pleite sind“, sagt Schulte-Backhaus

Das nächste Rumo-Tripot-Festival wurde vorsorglich auf den 13. August 2022 terminiert. „Erste Vorplanungen diesbezüglich laufen im Hintergrund auch bereits.“ Doch er schränkt sofort die Vorfreude der Fans ein: „Zunächst warten wir aber erst einmal ab.“ Dann betont er: „Als Erstes auf dem Plan stünde ja auch der Scheunenzauber im Advent.“

Auftritte in diesem Jahr nahezu ausgeschlossen

Schulte-Backhaus ist auch selbst Musiker. Seine Band - die Entspannungsminister - ist in Neuenrade beinahe jedem ein Begriff. „Wir haben jetzt aber anderthalb Jahre nicht geprobt und deshalb alle Anfrage, die es durchaus gab, absagen müssen.“ Das Bassist verrät: „Wir wollen aber noch in diesem Monat mal zusammen kommen und uns besprechen, vielleicht sogar eine erste Probe wieder terminieren.“ Einen Auftritt noch im laufenden Jahr halte er für nahezu ausgeschlossen.

Ebenfalls zum Dunstkreis der Kulturfluter gehört die Metal-Band Esposed to Noise. „Patrick Jager gehört zu denen, der bei uns für Technik und Bühnenaufbauten zuständig ist“, weiß Schulte-Backhaus. „Und David Appelhans, der bei uns ebenfalls Technik, aber auch Booking macht, spielt bei Crash Tape.“ Beide Bands hätten sich in der Corona-Zeit nicht aufgelöst, sogar teils live gespielt. „Im Gegenteil“, bekräftigt Schulte-Backhaus, „es gab sogar Überlegungen für Neugründungen von Bands.“ Der Kulturfluter-Chef ergänzt allerdings umgehend: „Was Konkretes ist aber nicht daraus geworden. Man hat ja dann doch immer wieder was anderes zu tun, auch wenn man erst denkt, man hat jetzt so viel Zeit übrig.“

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