Tönnesmann spricht mit der Bruderschaft Klartext

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Letzten Endes sprachen sich die Schützenbrüder dafür aus, die Optionen auszuloten.

Küntrop - Um nicht weniger als die Zukunft der Küntroper Schützenbruderschaft ging es am Samstagabend. Denn Ralf Tönnesmann, zur Wahl stehender Vorsitzender der St.-Sebastian-Grünröcke, stellte im Rahmen der Jahreshauptversammlung einen entscheidenden Punkt zur Diskussion – und vom Konsens, sprich dem Ergebnis der Abstimmung, machte er seine Kandidatur abhängig. Die Schützen stärkten ihrem Vorsitzenden den Rücken und wählten ihn anschließend für eine weitere Periode als ihren Ersten Mann.

Hintergrund der an eine Vertrauensfrage erinnernden Konstellation war die wirtschaftliche Situation des Vereins. Tönnesmann betonte in seinem mehr als einstündigen Bericht zur Lage der Bruderschaft mehrfach, dass er bei den aktuellen Rahmenbedingungen keine Lust mehr verspüre, so weiter zu machen wie bisher.

Das Problem der Schützen ist eine mehr als 40 Jahre alte Vereinbarung mit der Stadt Neuenrade, in der die Nutzung der Halle geregelt ist. Die Bruderschaft bekam seinerzeit einen Bauzuschuss und zudem wurde geregelt, dass die Bruderschaft gegen Zahlung eines zusätzlichen jährlichen Zuschusses aus dem Topf der Stadtverwaltung allen Küntroper Vereinen die kostenlose Nutzung der Räume gewähren muss.

Nicht nur Tönnesmann und sein Vorstand mussten erkennen, dass sich die Rahmenbedingungen im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte „etwas“ verändert haben. Seit Jahren zahlen die Schützen „drauf“, lautete das Fazit, das Tönnesmann zog und seine Aussage mit Zahlen untermauerte. Allein die Fixkosten der Halle seien beträchtlich, die laufenden Kosten für Heizung, Strom, Wasser und Ausgaben für Reparaturen kämen noch dazu.

Wenn man dann bedenke, so der Vorsitzende, dass die Schützen als Betreiber das Objekt lediglich 60 bis 65 Stunden im Jahr nutzten, käme man zwangsläufig ins Grübeln – und Rechnen. Rund 13 000 Euro bekommen die Schützen als Zuschuss. Dieses Geld reiche aber bei Weitem nicht aus, um die Ausgaben, die die Vereine durch ihre kostenfreie Nutzung verursachten, zu decken. Somit sei die Halle als ein Zuschussgeschäft zu betrachten.

Wenn man dann noch in Betracht ziehe, dass die Mitgliederzahlen sinken (aktuell nur noch 385 ordentliche Mitglieder), werde schnell deutlich, dass die Rechnung nicht mehr aufgehe. Und diesen Sachverhalt machte Tönnesmann seiner Bruderschaft detailliert, und garniert mit der einen oder anderen provokativen Spitze, mehr als deutlich.

Den Vorwürfen, die Schützen hätten die Mietpreise für kommerzielle Nutzer angehoben, widersprach Tönnesmann. Vielmehr seien die Schützen gezwungen, korrekt abzurechnen. Wenn Veranstalter für ihre Auf- oder Abbauarbeiten die Halle benutzten, fielen zwangsläufig Kosten für Heizung, Strom und Wasser an. Und diese müssten, wie in einem ganz normalen Mietverhältnis, die Schützen in Rechnung stellen – mehr nicht.

Rund zwei Stunden nach Versammlungsbeginn stellte Tönnesmann die entscheidende Frage. Die Mitglieder gaben ihm und dem Vorstand grünes Licht, sämtliche Faktoren der Vereinbarung und die Optionen auf den Prüfstand zu stellen – mit allen Beteiligten. Die Bruderschaft will also versuchen, mit der Stadtverwaltung und den Vereinen, die die Halle nutzen, einig zu werden. Denn klar sei, so könne es nicht weitergehen. Ziel sei es, dass alle Nutzer zufrieden seien. Man wolle die anderen Vereine auf keinen Fall aus der Halle haben, betonte der Vorsitzende.

Im Vergleich zu dieser fundamentalen Diskussion ging die Bilanz der Schützenfestsaison fast unter. „Zufriedenstellend“, lautete Tönnesmanns Resümée. Dass er im Anschluss an seinen Bericht in seinem Amt bestätigt wurde, verdeutlichte aber, dass der Verein an einem Strang zieht.

Die weiteren Personalien in der Übersicht – gewählt beziehungsweise bestätigt wurden außerdem: Frank Raphael (Adjutant), Sven Müller (2. Schießoffizier), Kai Tönnesmann (1. Jungschütze), Stephan Sandt (Technikwart), Stephan Mütherich (Verpflegungswart), Rainer Grünebaum, Dominik Rapp, Marcel Griesenbruch und Patrick Bexten (alle Beirat).

Von Markus Jentzsch

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