Plettenberger angeklagt

Tödlicher Einbruch erneut vor Gericht: Berufungsprozess gegen möglichen Drahtzieher

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Der Fall des 2016 in Affeln erschossenen Einbrechers wird verhandelt.

Affeln - Als möglicher Drahtzieher des Einbruchs in ein Haus in Affeln stand im November 2016 ein 48-jähriger Plettenberger vor Gericht. Das Amtsgericht Lüdenscheid verurteilte ihn wegen Beihilfe zum versuchten Einbruchsdiebstahl zu einer Haftstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung. 

Gegen dieses Urteil gingen sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft in Berufung. Seit Freitag, 14. Juli, verhandelt die 8. kleine Strafkammer des Landgerichts über den Fall. 

Das Ende der Geschichte war bitter: Er sei in der Nacht vom 25. auf den 26. April 2016 gegen 2.30 Uhr durch ein Geräusch aufgeschreckt worden, habe sofort nach seiner Waffe gegriffen und im Flur laut gerufen „Haut ab!“, erinnerte sich der 64-jährige Besitzer des Hauses. Als er den Raum öffnete, aus dem deutlich vernehmbare Geräusche kamen, leuchtete ihm eine Taschenlampe entgegen, in der anderen Hand des Einbrechers sah er ein Messer blitzen. 

Der abgegebene Warnschuss traf den 18-Jährigen, der wenige Stunden später im Klinikum Lüdenscheid an seinen Verletzungen starb. Pflichtgemäß wurde auch gegen den Todesschützen ermittelt, der nun aber berichten konnte: „Das Ermittlungsverfahren ist abgeschlossen.“ Der 64-Jährige schilderte, in welcher Gefahr er in jener Nacht geschwebt hatte: Die Ermittlungen ergaben, dass ein zweiter, immer noch unbekannter Täter zunächst mit einem sogenannten „Kuhfuß“ hinter der Zimmertür gestanden hatte. „Ich habe mir den Schlag erspart“, versuchte sich der Zeuge in Galgenhumor. 

Glücklicherweise war er nach dem Schuss nicht sofort in das Zimmer mit dem Schwerverletzten gegangen, sondern hatte Polizei und Rettungskräfte verständigt. Ein Toter und ein nicht identifizierter Einbrecher – was aber hatte der 48-jährige Plettenberger damit zu tun, der nun erneut vor Gericht steht? Das Amtsgericht hatte ihm nicht nachweisen können, dass er den Einbruch organisiert hätte. Denkbar war auch, dass er die beiden Einbrecher zu dem Haus gefahren hatte, aber auch das war nicht nachzuweisen. Was blieb, waren zwei Tatwerkzeuge, die von ihm stammen sollten: ein Handy mit Taschenlampe und das Messer. 

Dieser Tatbeitrag führte zur Verurteilung wegen Beihilfe zum versuchten Einbruch. Er habe keinerlei Kenntnis von dem geplanten Einbruch und weder mit der Tatplanung, noch mit der Ausführung irgendetwas zu tun gehabt, erklärte der Angeklagte über seinen Verteidiger Dirk Löber. Als die beiden Täter sich Handy und Messer ausgeliehen hätten, habe er nicht gewusst, was sie damit vorhatten. Es fiel auf, dass der Angeklagte bei der Polizei noch erzählt hatte, dass er die beiden Gegenstände verloren habe. Zwei Zeugen, die den Angeklagten nach der Tat gegenüber der Polizei belastet hatten, wollten gestern nichts mehr von dieser Aussage wissen. 

Einer von ihnen erschien gar nicht erst im Gerichtssaal, der andere wollte plötzlich nicht mehr als Dolmetscher dabeigewesen sein, als der säumige Zeuge damals bei der Polizei aussagte. Die Berufungskammer nimmt sich Zeit für die Angelegenheit: Der Prozess wird am kommenden Freitag ab 9 Uhr fortgesetzt.

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