Pragmatisches Miteinander

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Theo Wingen, Vorsitzender des Arbeitgeber-Ortsverbandes Neuenrade.

Neuenrade - Der Wirtschaftsstandort Neuenrade bietet für heimische Unternehmen im Wettbewerb deutlich mehr Vor- als Nachteile. Das erklärte der örtliche Unternehmer Theo Wingen im Gespräch mit dieser Zeitung. Er ist 1. Vorsitzender des Arbeitgeber-Ortsverbandes Neuenrade, der organisatorisch und rechtlich zum Märkischen Arbeitgeberverband zählt.

Theo Wingen, der hauptberuflich mit der operativen Geschäftsführung der Drahtwerke Elisental W. Erdmann GmbH & Co. betraut ist, führt dies überwiegend auf ein unkompliziertes und pragmatisches Miteinander zwischen Unternehmen, Politik und Verwaltung zurück.

Entscheidend sei, dass sich der örtliche Mittelstand in Neuenrade „gut aufgehoben“ fühle und „die Stadt immer offene Augen und Ohren für die Belange der Industrie“ gehabt habe. Deutlich sei dies an den vorhandenen Strukturen zu sehen, die sich in den letzten Jahren entwickelt und zu neuen Arbeitsplätze geführt haben. Als positiv bezeichnete er auch das Vorhandensein der Gewerbeflächen im Ortsteil Küntrop, die neuen Unternehmen bei der Standortsuche angeboten werden können, aber auch örtlich expandierenden Unternehmen als Fläche zur Verfügung stehen. Selbst bei baulichen Einzelwünschen von Unternehmen, so betonte Wingen, habe die Verwaltung eine flexible Reaktion gezeigt. Wünschenswert sei künftig eine Verbesserung der Verkehrssituation, dies betreffe vorrangig die B 229n, die „für das Küntroper Gewerbegebiet besonders wichtig ist.“ Der Arbeitgeber-Ortsverband Neuenrade zählt 22 Unternehmen mit knapp 2000 Mitarbeitern.

2000 Mitarbeiter bei 22 Unternehmen

Generell biete die Stadt den mittelständischen Unternehmen auch die erforderliche Planungssicherheit, „weil die richtigen Personen an der richtigen Stelle sitzen“ lobte der heimische Verbandschef und fügte hinzu, dass „bei uns in Neuenrade die Industrie vom Mittelstand stark beeinflusst“ werde. Die günstigen Voraussetzungen im Kampf um Marktanteile seien auch Garant dafür, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Neuenrade stabil geblieben und sogar ausgebaut wurden. Zur guten Gesamtsituation habe aber auch beigetragen, dass der heimische Mittelstand vielfach als familiengeführtes Unternehmen im Wettbewerb agiere und damit eine besondere Bindung und Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber und zu Neuenrade aufgebaut habe. Wingen wertet dies als „Tatsache, die zur Standortsicherung in Neuenrade beiträgt.“ Der Abzug von konzerngeführten Unternehmen, wie in den Nachbarstädten geschehen, sei in Neuenrade kein Thema. Zwar sei auch hier die Gewerbesteuer auf 460 Prozent gestiegen und für Unternehmen weniger erfreulich, letztlich trage der Mehraufwand aber dazu bei, dass die Stadt Neuenrade freiwillige Leistungen aufrecht erhalten könne und damit eine bestimmte finanzielle Handlungsfreiheit habe.

Die vorhandenen Strukturen seien für die Unternehmen durchweg zufriedenstellend, wenngleich auch einige Betriebe im Laufe der Zeit einen mehr innerstädtischen Standort erreicht hätten und damit besondere Auflagen (Lärmschutz) beachten müssen. Als ein sich abzeichnendes Problem sieht der 1. Vorsitzende die Situation am Facharbeiter- und am Ausbildungsmarkt. Zwar sei es bisher gelungen, alle Lehrstellen in Neuenrade zu besetzen, doch werde es wegen der demografischen Entwicklung zunehmend schwieriger, neben den „Traumberufen Elektriker und Werkzeugmacher auch alle anderen Berufsfelder mit Azubis abzudecken.“ Gleiches gelte auch für Facharbeiter und ausgesprochen schwierig sei es, hochqualifizierte Mitarbeiter ins Sauerland zu holen.

Der örtliche Arbeitgeberverband sieht sich aber im Vergleich zu den Nachbarstädten gut aufgestellt. Es sei kein Einzelfall, das abgewanderte Facharbeiter zunehmend als Repeater (Zurückkommer) bei ihrer alten Neuenrader Firma anklopften, um zu arbeiten. Das spreche für die heimischen Unternehmen und zeige, dass „die Stimmung in den Betrieben gut ist.“

- Von Udo Schnücker

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