Thema Hoffnung auf dem Rosa Sofa

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Berichteten auf dem Rosa Sofa aus ihren jeweiligen Lebens- und Krankheitsgeschichten (von links): Mika und Dana Schnabel sowie Michael Tönnies.

Neuenrade - Man schreibt den 27. August 1991: Im Duisburger Wedau-Stadion stehen sich in einem Fußballpiel der ersten Bundesliga der MSV Duisburg und der Karlsruher SC gegenüber. MSV-Stürmer Michael Tönnies schreibt mit einem lupenreinen Hattrick Bundesligageschichte: Innerhalb von fünf Minuten überwindet er einen weitgehend unbekannten KSC-Keeper Oliver Kahn dreimal. Später legt Tönnies noch zwei weitere Treffer nach. Die Zebras gewinnen mit 6:2, das Stadion ist im Ausnahmezustand.

Doch zu diesem Zeitpunkt war Tönnies’ Karriereende nicht mehr fern: 1994 eröffnete er eine Gaststätte in Essen-Krey und wurde zum Kettenraucher, wie er am Dienstag auf dem Rosa Sofa des Neuenrader Kulturvereins berichtete. Die Folge war ein lebensgefährliches Lungenemphysem, das den Ex-Bundesligaprofi immer mehr aus der Puste brachte und schließlich völlig aus der Bahn warf. Eine Lungentransplantation rettete ihm im April 2013 das Leben.

Bedrohliche Gesundheitskrisen, ihre lebensgeschichtlichen Folgen und die medizinische Behandlungen durch die Transplantation gespendeter Organe standen im Mittelpunkt des Gesprächs, das Moderator Ludger Heitmann mit Tönnies sowie Mika Schnabel und dessen Schwester Dana führte. Mika wurde bekannt durch die Aktion „Wir helfen Mika“, bei der seine Familie, allen voran Dana, und Tausende hilfsbereite Menschen aus dem „Dorf“ Neuenrade und seiner Umgebung nach einem geeigneten Stammzellenspender für den an Leukämie erkrankten Teenager suchten.

2530 Menschen erklärten sich bereit, ihr Blut typisieren zu lassen. Da die Krankenkassen diese Blutuntersuchung nicht bezahlen, sammelten Dana Schnabel und ihre Mitstreiter unglaubliche 155 000 Euro. Dank dieser Spenden der zahlreichen Freiwilligen konnte schließlich eine Frau gefunden werden, deren Blut in allen zehn relevanten Punkten passte. Knapp 14 war Mika, als er erstmals erkrankte, heute ist er 18 und die Chancen auf dauerhafte Genesung stehen gut.

Doch es dauert noch lange Jahre, bis es Gewissheit darüber gibt, dass die Krankheit nicht wiederkommen wird. Das ist schon einmal geschehen: „Er hatte eine Schlacht gewonnen und wusste nicht, dass er in einen Krieg gegen seinen Körper ziehen muss“, beschrieb Dana die Situation ihres Bruders.

Mika half offenbar sein unerschütterlicher Optimismus. „Hast Du Dich mit dem Tod beschäftigt?“, wollte Moderator Heitmann wissen. „Nein, ich wusste, dass ich das schaffe – nur nicht, wann ein Spender gefunden werden würde“, gab Mika zurück.

Warten – das musste auch Tönnies, dem die Ärzte eine lebensrettende Lungentransplantation in Aussicht gestellt hatten. Zweimal wurde er in die Universitätsklinik in Hannover gefahren, um dort zu hören: „Die Lunge, die wir haben, ist für Sie nicht geeignet.“ Beim dritten Mal klappte es. Wie es sich für einen Ex-Fußballprofi gehört, wurde Tönnies an einem Samstag ab 15.30 Uhr operiert – zur Bundesligazeit.

Auch dieser Kampf war erfolgreich: „Ich kann nur drei Kreuze machen, dass das gelungen ist“, sagte der 53-Jährige auf dem Rosa Sofa. Und: „Kaffeetrinken und Zeitung lesen – für jeden anderen ist das normal, für mich ist das ein Wunder.“ Über die schwere Zeit half ihm auch ein 50-seitiges persönliches Aufmunterungsbuch hinweg. MSV-Fans hatten es erstellt. „Immer, wenn es mir schlecht geht, blättere ich darin. Das hilft ungemein, wenn es Menschen gibt, die an Dich glauben.“

Dass es viele Menschen gab, die an einen Erfolg der Spender-Suche für Mika Schnabel glaubten, rettete auch diesem das Leben. Dana Schnabel verabschiedete sich deshalb mit einem großen Dank an alle Mitstreiter und vor allem Mikas Klassenkameraden, die ihren Freund äußerst tatkräftig unterstützten.

Von Thomas Krumm

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