Mobbing mit Theaterstück und Diskussionsrunde vorbeugen

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Die Schülerinnen folgten dem Schauspiel aufmerksam.

Neuenrade - Franzi mobbt Laura. Aus kleinen Sticheleien wegen derer guter Schulnoten wird nach und nach ausgewachsenes Mobbing im Internet. So lässt sich das Stück zusammenfassen, das der Weimarer Kultur-Express – ein Theater im Tourneebetrieb – am Donnerstagvormittag den siebten und achten Klassen der Gemeinschaftsschule vorspielte. Im Anschluss diskutierten die Schauspielerinnen mit den Schülern zum Thema Mobbing.

Was kann jemand tun, der gemobbt wird? Welche Formen kann Mobbing annehmen? Und wie kann man selbst helfen, wenn ein Mitschüler schikaniert und terrorisiert wird? Genug Diskussionsgrundlage bot das Schauspiel allemal.

Laura und Franziska kommen zu Beginn eines neuen Schuljahres in dieselbe Klasse. Die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein, wie dem Publikum schnell klar wird, und doch müssen die beiden nebeneinander sitzen. Der gemeinsame Tisch, zwei Stühle, eine Schultafel und einige Schulsachen reichen für das Szenenbild, in dem sich das einstündige Stück abspielt. Die laute, extrovertierte und selbstsichere Franziska (Bettina Brezinski) will der stilleren und zurückhaltenden Laura (Stefanie Masnik) weismachen, diese sei nur die Jahrgangsbeste, weil ihre Eltern „jeden Tag die Hausaufgaben kontrollieren, zum Mittag Babybrei reichen und abends Gute-Nacht-Geschichten vorlesen“. Dank „Muttis ständiger Hilfe“ brauche sich Laura gar nicht für ihre Noten anstrengen. Es zeichnet sich ab, dass Laura aus einem Elternhaus kommt, in dem Fürsorge und Unterstützung fester Bestandteil sind, während Franziskas Eltern sich kaum kümmern und die Tochter sich selbst überlassen.

Da sich Franziska und Laura im Schulalltag nicht aus dem Weg gehen können, entstehen Situationen, in denen Franziska Laura vor Klassenkameraden und Lehrern ins schlechte Licht rückt. Sie gibt die Arbeit der Mitschülerin als ihre eigene aus, klaut deren Arbeitsmaterialien, wirft ihre Jacke in den schmutzigen Mülleimer im Klassenzimmer und diktiert Laura, wer zu welcher Zeit wo zu sitzen hat. Immer auf den eigenen Vorteil bedacht, rücksichtslos gegenüber der Mitschülerin. Den Lehrern präsentiert sich Franziska unterdessen als Unschuldslamm und stellt fest, dass sich Laura tatsächlich alles gefallen lässt – auch die beleidigende Kritik an ihrem Äußeren.

Nach und nach werden die Mitschüler von Franziska gegen Laura aufgebracht und mobben schließlich mit – und als das auch vor dem Internet keinen Halt mehr macht, eskaliert die Situation. Nach anonymen Drohanrufen und Nachrichten begreift Laura, dass es so nicht weitergeht, dass das regelrechter Psychoterror ist.

In einem rasant von beiden Schauspielerinnen abwechselnd erzählten Ende – unterlegt mit Tönen, die einem laut und immer schneller schlagenden Herzen gleichkommen – bringt Laura auf den Punkt, dass Franziska „weg muss“. Franziska begreift, dass sie durch ihr Verhalten selbst zum Opfer geworden ist, ihr Gesicht verloren hat.

Den Gemeinschaftsschülern, die zunächst einen nahezu ohrenbetäubenden Applaus spendeten, hatten keine Schwierigkeiten, das Gesehene zu verarbeiten und wichtige Schlüsse daraus zu ziehen. Die verschiedenen Attacken auf die Figur Laura erkannten sie sofort und gaben diese wieder. Und die Schauspielerinnen stellten noch einmal in aller Deutlichkeit dar, dass ein Opfer nie selbst Schuld an seiner Situation trage.

„Der Täter ist derjenige mit dem schwachen Charakter“, sagte Bettina Brezinski, „niemand darf wegen seines kulturellen Hintergrundes, seiner Religion oder seines Aussehens gemobbt werden.“ Stefanie Masnik ergänzte, Mobbing sei eine Straftat. Zusammen mit den Jugendlichen erarbeiteten die Schauspielerinnen schließlich eine Übersicht zu möglichen Reaktionen auf Mobbing. Die Schüler schlugen vor, Hilfe bei Lehrerern oder Eltern zu suchen und auf keinen Fall zu schweigen, im schlimmsten Fall könne sogar die Polizei eingeschaltet werden, oder wenn gar nichts anderes mehr hilft, könne der betroffene Schüler die Schule wechseln, um dem Problem auszuweichen. Im Umgang mit Handy und Internet sei es ratsam, so Brezinski, die Täter mit entsprechenden Einstellungen zu blockieren oder sich eine neue Handynummer zuzulegen.

Dazwischen gehen, Zivilcourage zeigen und zu dem Mobbing-Opfer stehen – so kann jeder dazu beitragen, Mobbing zu verhindern. „Zu denken ‘Wenn ich helfe, werde ich auch gemobbt’, ist ein Trugschluss“, erklärte Masnik den Kindern. „Denn je mehr Leute sich gegen die Täter zusammentun, desto schneller hören die Gemeinheiten auf.“

- Von Kristina Köller

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