Tanja Schumann und Renan Demirkan

Amüsanter Abend mit böser Überraschung

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Die Paartherapeutin schüchtert Anna (Tanja Schumann, links) und Carlos (Giovanni Arvaneh) ganz gehörig ein.

Neuenrade - Zwei amüsante Stunden, während derer den Zuschauern das Lachen teils im Halse stecken blieb, erlebten die Zuschauer im Kaisergarten am Samstagabend. Das Theater der Altmark führte das Drei-Personen-Stück „Alles über Liebe“ auf. Doch da ahnte noch niemand, dass es für eine Akteurin auf der Bühne ein ganz besonderer Abend war.

Ein Ehepaar, welches zwei gemeinsame Kinder hat, geht zu einer Therapeutin. Jeder der drei trägt seine Geheimnisse mit sich. Und die vermeintliche Fachfrau lebt selbst getrennt, meint, Kinder machten bloß Dreck und weint hemmungslos mit, wenn ihre Patienten ihr Leid klagen.

Carlos Lima, gespielt von Giovanni Arvaneh, lästert über seine Schwiegereltern: „Deine Mutter krallt sich an einem fest und kratzt Dir die Lebensfreude aus. Und Dein Vater sitzt in der Ecke und stellt sich tot.“ Arvaneh ist bekannt aus TV-Vorabendserien und dem Musical „Falco meets Amadeus“.

Der Schauspieler pendelt mit seiner Figur zwischen Verzweiflung und Ratlosigkeit sowie Sarkasmus und Melancholie. In Wahrheit mag er seinen Schwiegervater nämlich. Was ihn wirklich frustriert ist, dass er als Architekt „nur langweilige Reihenhäuser und hässliche Balkons“ bauen darf. Und das Büro, für das er arbeitet, ist bankrott.

Seine Frau Anna hingegen graust es vor dem Mütter-Kind-Tanzkursus und ist sich sicher, wenn sie dort tanzen muss: „So fühlt sich das Waldsterben an.“ Dargeboten wurde Anna von Tanja Schumann, berühmt geworden durch die RTL-Sendung „Samstag Nacht“ und Musicals wie „Hairspray“ und „Addams Family“.

Schumann spielt authentisch die aufgrund ihrer Orangenhaut an sich selbst zweifelnde Frau. Als Carlos seiner Gattin vorhält: „Du schaust doch auch nach anderen Männern“, entgegnet die: „Ja, aber die schauen nicht zurück.“ Und wenn sie abends denke: „Jetzt machst Du einmal nur etwas für Dich“, dann sei sie auch schon eingeschlafen, führt Anna aus.

Am Ende sprudelte aus der Therapeutin (Renan Demirkan) heraus, was sie selbst bedrückte: Ihre eigene Beziehung war gescheitert.

Die Therapeutin Edeltraut Mayer-Wölk gab Renan Demirkan, die neben Götz George im Schimanski-Kinofilm „Zahn um Zahn“ agierte. Auch als Schriftstellerin ist sie erfolgreich. Sie ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und erhielt einen Grimme-Preis. Demirkan überspitzt die überkandidelte Ärztin zunächst, ohne ins Lächerliche abzugleiten.

Die Therapie funktioniert zunächst ganz passabel. Das Ehepaar hat mittlerweile begriffen, dass es ihnen gar nicht so schlecht wie gedacht miteinander geht. Beide haben den jeweils anderen schon entsetzt gefragt: „Ja, warum hast Du mir das nie gesagt?“

Am Ende des Stückes aber brennen Mayer-Wölk die Nerven durch. Sie räsoniert fortan hysterisch und herrlich absurd über ihr eigenes verkorkstes Leben.

Nicht nur darüber lacht das Publikum an diesem Abend aus vollem Herzen – nicht ahnend, was Demirkan am Schluss bei den Verbeugungen noch sagen wird. Es folgt eine Überraschung, mit der wohl niemand gerechnet hat.

Die Mimin bedankt sich bei den Zuschauern und ihren beiden Kollegen, „dass sie mir durch einen schweren Abend geholfen haben“. Bevor sie schnurstracks die Bühne verlässt, erklärt sie noch: „Mein Vater ist gestern Abend eingeschlafen.“ Im Saal hatte davon bis jetzt niemand etwas bemerkt. Umso höher ist die Leistung Demirkans und des gesamten Ensembles zu bewerten.

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