Vernissage

Politisch-nachhaltige Kunst mit Teebeuteln, Strohhalmen und Klo-Rollen

Unzählige Arbeitsstunden sind in diese Jacke eingeflossen, die Künstlerin Claudia Ackermann (rechts) aus 333 Teebeuteln genäht hat. Neben ihr stehen Bürgermeister Antonius Wiesemann und Irmhild Hartstein, Abteilungsleiterin Bildende Kunst im Forum Neuenrade.
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Unzählige Arbeitsstunden sind in diese Jacke eingeflossen, die Künstlerin Claudia Ackermann (rechts) aus 333 Teebeuteln genäht hat. Neben ihr stehen Bürgermeister Antonius Wiesemann und Irmhild Hartstein, Abteilungsleiterin Bildende Kunst im Forum Neuenrade

Neuenrade – Teebeutel und Klorollen ganz neu präsentiert: Künstlerin Claudia Ackermann hat am Sonntag ihre Ausstellung „Tribus - Zeichnung - Malerei - Installation“ in der Neuenrader Stadtgalerie eröffnet.

Noch bis Sonntag, 24. Oktober, sind die Werke ausgestellt. Für einen großen Teil ihrer Arbeit verwendet die Kiersperin scheinbar nutzlosen Abfall.

Genau 333 Teebeutel hat Ackermann für das Highlight der Ausstellung zu einer Jacke zusammengenäht. „Den Tee habe ich selber getrunken“, sagt sie. Gut ein Jahr lang habe sie an dem Kunstwerk gearbeitet. Die kleinen Beutel musste sie erst trocknen, dann öffnen und säubern. Die Vorderseite der Jacke ist stylish verziert. Auf der Rückseite macht ein Text auf die Schattenseiten der Modeindustrie aufmerksam– auf die Kinderarbeit und die teils katastrophalen Arbeitsbedingungen.

Eisschmelze als Auslöser für Claudia Ackermanns aktuelle Kunst

Zu sehen sind in der Ausstellung 45 Werke aus verschiedenen Kunstrichtungen („Ich möchte mich nicht auf eine festlegen“). Auf der einen Seite hängen Aquarell-Bilder, die Ackermann in Urlauben gemalt hat, auf der anderen neuere Werke, die sich mit dem Thema Upcycling beschäftigen, also der Wiederverwertung von Abfallprodukten. Den Anstoß für diese Art der Kunst habe der Besuch eines Gletschers in Norwegen gegeben, der sie auf die Eisschmelze aufmerksam machte.

Seitdem schaut sie, welche gebrauchten Dinge sie für ihre Kunstwerke benutzen kann. Stichwort Nachhaltigkeit. Vor allem Teebeutel hätten es ihr angetan, wie sie im Gespräch erzählt. Das wird auch bei den detaillierten Korallenriff-Kunstwerken deutlich, für die Ackermann zudem Strohhalme und Flaschenverschlüsse verwendet hat. Zum Einsatz kommen immer wieder auch Klorollen – inspiriert durch die Hamsterkäufe zu Beginn der Corona-Zeit.

Virus-Skulptur

Apropos Corona: Auf einem kleinen Tisch findet sich eine Virus-Skulptur, angefertigt aus Teebeuteln und Nägeln. „Die Nägel hat meine Tochter vor Jahren mal am Rhein gefunden“, erzählt sie, dass regelmäßig auch Fundstücke Verwendung finden.

Keine Malschule, keine Ausstellung – die Corona-Zeit hat die Künstlerin hart getroffen. Seitdem konnte sie erst einmal wieder ausstellen. Umso größer war die Freude, dass nun auch die Neuenrader Ausstellung eröffnet werden konnte, wie sie in einer kleinen Ansprache sagte. Geplant war diese schon 2018, musste dann 2019 erst wegen einem Wasserschaden und 2020 wegen der Pandemie abgesagt werden.

Am Sonntag galt die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet), dafür konnte die Maske abgenommen werden. Für die nächste Ausstellung zieht es Ackermann nach Herzogenrath bei Aachen, wieder mit dem Thema nachhaltige Kunst.

Sehr gut besuchte Ausstellung

Groß war die Freude auch bei Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU). Er hatte die Gäste zu dieser ersten Ausstellung nach fast zwei Jahren begrüßt. In Neuenrade habe es Tradition, Künstlern auf diesem Wege eine Plattform zu bieten. „Es ist sehr gut besucht“, freute sich auch Irmhild Hartstein über das große Interesse. Sie leitet beim Forum Neuenrade, das zur Vernissage eingeladen hatte, die Abteilung Bildende Kunst.

Irmhild Haastert, Maresa Hohmann und Miriam Schneider umrahmten den Vormittag musikalisch als Querflöten-Trio. Mit „Italienisches Konzert BWV 971“ von Johann Sebastian Bach beschlossen sie ihren Auftritt. Die Gäste dankten mit Applaus.

ÖFFNUNGSZEITEN

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 24. Oktober, jeweils samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr in der Stadtgalerie in der Aula der Hönnequell-Schule geöffnet.

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