Talentcampus: Eine inspirierende Woche

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Das ist die internationale Truppe, die beim Talentcampus Filme drehte, Musik produzierte und aufführte.

Neuenrade - Es war am Ende eine amüsante Präsentation dessen, was 25 junge Männer und drei Dozenten mit Unterstützung von Ehrenamtlichen sowie des Büchereiteams auf die Beine stellten.

 Sie hatten gefilmt, gedichtet, komponiert, diskutiert, gelacht und gearbeitet und ein schönes Stück abgeliefert. Es gewährte einen kleinen Einblick in das Seelenleben junger Männer aus Afghanistan, Irak, Iran und Syrien. Es war eine Show, die überwiegend auf Deutsch stattfand und am Ende in einem gemeinsam gesungenen Friedenslied endete.

Nichts Bierernstes war dabei: So drehten sich die Filme um Zwischenmenschliches: Da war ein junger Mann, der ins Café ging, ein hübsches Mädchen sah und schon überlegte, wie er an die Handy-Nummer kommen könnte, als das Mädchen laut ins Taschentuch schnäuzte. In Syrien ist das ein No-Go und in dem Café endete für den jungen Syrer eine Liebesbeziehung, die nie begonnen hatte. So können kulturelle Unterschiede trennen.

 Auch junge deutsche Frauen waren beteiligt und die thematisierten lautstarke Unterhaltungen von Flüchtlingen. Laut verquickten sie mit Aggressivität, mit Bedrohung, während sich die Flüchtlinge eben auf Arabisch nur übers Wetter unterhielten. Ein sicher erhellender Kurzfilm für beide Seiten. Auch der triste Mittwochnachmittag in einer Kleinstadt des Sauerlandes wurde filmisch von den jungen Flüchtlingen aufgearbeitet. Bürokratie und Formularwahn in Deutschland war dabei genauso Thema, wie Mädchen, mit denen man abends feiert, die einen am anderen Tag aber nicht mehr kennen wollen. Thema war auch, dass Syrer, Afghanen und Iraker mit dem Vorurteil Hinterwäldler zu sein, kämpfen müssen. All das sind Erfahrungen, die gemacht und verarbeitet wurden und werden. Welche Schlüsse daraus gezogen werden – das steht auf einem anderen Blatt.

Dagmar Freitag SPD-MdB, als Gast geladen. ließ jedenfalls durchblicken, dass sie die ganze Aktion schon „ziemlich gut“ fand. Sie freute sich wie gut die Jugendlichen, die noch keine zwei Jahre in Deutschland weilen, schon Deutsch sprechen. Sie hätten offensichtlich verstanden, dass Sprache eben „der Schlüssel zum Erfolg“ ist. Und sie erinnerte daran, dass man eben nie vergessen dürfe, was die einzelnen Menschen auch durchgemacht hätten.

Mike Wiesegart, einer der Dozenten hat bei dem Projekt auch viel gelernt: Die technische Bewältigung und der Umgang mit den Flüchtlingen. Das habe ihn fachlich und menschlich weitergebracht. Der direkte Umgang mit den jungen Männern, die Lebensläufe – all das verändere den Blickwinkel. „Das war spannend.“ Er bemaß das auch an kleinen Erlebnissen. So hätten sich die Afghanischen Flüchtlinge beschwert, dass sich die Syrer in den Vordergrund rücken würden. „Wir sind auch Flüchtlinge“, hätten die dazu betont.

 Wie auch immer: Es war ein hilfreiches und sicher auch erfolgreiches – gar interkommunales – Projekt mit Flüchtlingen aus dem Märkischen Kreis. Sicher hat es diese Menschen nach vorne gebracht –- auch mit Hilfe der Ehrenamtlichen, die noch mal ein besonderes Lob von Bürgermeister Antonius Wiesemann bekamen. Die Entwickler des Projektes, wie unter anderem VHS-Chefin Barbara Funke unter Beratung durch das Jugendforum Neuenrade, waren sicher mit Recht mehr als zufrieden.

Von Peter von der Beck

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