Wieder Präsenzunterricht

Tag eins nach dem Lockdown: Lehrer verschaffen sich einen Überblick

In der Waldorfschule sind alle Räume nun mit Raumluftüberwachungsgeräten ausgestattet. Diese zeigen an, wann wieder gelüftet werden muss.
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In der Waldorfschule sind alle Räume nun mit Raumluftüberwachungsgeräten ausgestattet. Diese zeigen an, wann wieder gelüftet werden muss.

„Wir hoffen, dass die Kinder jetzt auch für längere Zeit bei uns bleiben können.“ Jennifer Krause merkt man die Freude über den Wiederbeginn des Unterrichts an den Grundschulen an.

Die Konrektorin der Burgschule und das Kollegium haben am Montag mit dem Wechselunterricht in Neuenrade und am Teilstandort Altenaffeln begonnen.

Erstmals seit Mitte Dezember gab es – zumindest für einen Teil der Grundschüler – damit wieder Unterricht in Präsenzform. Denn jede Klasse sei in zwei Gruppen aufgeteilt worden, die täglich wechseln, berichtet Jennifer Krause. „So haben alle Kinder, verteilt auf zwei Wochen, jeweils fünf Tage Präsenzunterricht. Das ist in dieser Situation ideal“, stellt die stellvertretende Schulleiterin fest.

Möglichst kein Kind soll zurückbleiben

An den Tagen, an denen die Kinder nicht in der Schule sind, lernen sie – wie bisher – zuhause. „Mit Hilfe einer Mischung aus digitalem Unterricht und der Bearbeitung von Unterrichtsmaterial“, beschreibt Jennifer Krause. Für den Präsenzunterricht gelte, dass die Lehrer zunächst die Lernstände der Kinder überprüfen müssten. „Außerdem geht es nicht nur um den Unterrichtsstoff, wir müssen auch berücksichtigen, in welchem Zustand sie sich emotional befinden“, erklärt die Konrektorin. Es gelte, möglichst auf alle Kinder Rücksicht zu nehmen, damit niemand zurückbleibe.

Auch an der Burgschule begann am Montag mit einem Teil der Schüler wieder der Präsenzunterricht.

Für die Pädagogen bedeutet dieses System natürlich zusätzliche Arbeit. Bedingt durch die Doppelbelastung von Präsenz- und Distanzunterricht „sind die Lehrer-Tage momentan schon sehr lang“, räumt Jennifer Krause ein. Und Kolleginnen und Kollegen, die eigene Kinder im Homeschooling betreuen müssten, hätten zusätzlich zu kämpfen. „Sie sind sowohl als Eltern als auch als Lehrer gefordert.“

Erhöhtes Arbeitsaufkommen

Auch aufgrund des erhöhten Arbeitsaufkommens habe sich das Kollegium noch nicht mit der Corona-Impfdebatte beschäftigt. Zum Hintergrund: Momentan wird auf Bundes- und Landesebene darüber diskutiert, die ursprünglich geplante Impfreihenfolge zu ändern, damit sich Lehrer und Erzieher durch die Immunisierung vor einer Corona-Erkrankung schützen können. Jennifer Krause: „Das Kollegium hat so viel zu planen und digital zu besprechen, da gab es bisher keinen Platz, um sich über solche Themen auszutauschen.“

Auch Klaus Giljohann, der kaufmännische Geschäftsführer der Waldorfschule, an der der Schüler der Jahrgangsstufen eins bis 13 beschult werden, hat sich noch keine Gedanken um eine vorgezogene Impfung gemacht. „Ob ich mir nun Gedanken darüber mache oder nicht – das ändert ja nichts“, stellt er fest. Dagegen lohne es sich, das zu nutzen, was verfügbar sei. „Wir haben 30 Raumluftüberwachungsgeräte gekauft“, berichtet Giljohann. Die Geräte sollen nicht nur in jedem Klassenraum zum Einsatz kommen, sondern auch in den Büros und Besprechungsräumen. Anhand einer digitalen Anzeige könnten die Nutzer auf den ersten Blick erkennen, ob das Lüften erforderlich oder noch nicht notwendig sei. „Das hilft uns im Alltag weiter“, stellt Giljohann fest.

Gestartet wird auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner

Auch an der Waldorfschule hat am Montag wieder der Präsenzunterricht begonnen. Für die Grundschüler nach dem gleichen Prinzip wie an der Burgschule. „Es macht keinen Sinn, die Kinder wochenweise zu unterrichten. Gerade die Jüngeren haben nach einer Woche im Homeschooling wieder alles vergessen und es müsste jedes Mal wieder Grundelagenarbeit geleistet werden“, stellt er fest. Jetzt, zu Beginn des Präsenzunterrichts, müssten sich die Lehrer ohnehin zunächst ein Bild von dem machen, was die Kinder zuhause gelernt haben. „Dann starten wir auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Zeitdruck haben wir auf der Waldorfschule im Grundschulbereich zum Glück nicht“, stellt Giljohann fest.

Das sieht bei den älteren Schülern, von denen einige ihren Abschlüssen entgegen sehen, schon anders aus. Auch sie, die Schüler der zehnten bis 13. Klasse, sind in den Präsenzunterricht am Remmelshagen zurückgekehrt. „Da wir relativ kleine Klassen haben, mussten wir sie nicht teilen“, berichtet Giljohann. Lediglich die zehnte Klasse der Walddorfschule sei mit 26 Schülerinnen und Schülern zahlenmäßig relativ stark. „Deshalb haben wir sie in der Aula untergebracht. Dort ist genug Platz, die Abstände können problemlos eingehalten werden.“

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