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Mit Kühen Milch und Strom produzieren

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Von: Peter von der Beck

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Die Biogasanlage auf dem Hof Cremer-Schulte. Im Hintergrund sind die Gasbehälter zu erkennen.
Die Biogasanlage auf dem Hof Cremer-Schulte. Im Hintergrund sind die Gasbehälter zu erkennen. © Peter von der Beck

Nicht nur Milch wird auf dem Hof Cremer-Schulte produziert, sondern auch Strom. Aus Gülle und Mist wird Biogas gewonnen, damit wird wiederum ein Generator angetrieben. Zusätzlich fällt noch besonders gut von Pflanzen verwertbarer Dünger an.

Neuenrade – Benedikt Cremer-Schulte präsentiert seine Anlage nicht ohne Stolz. Der junge Landwirt hat schon viel geleistet: Einen großen modernen Kuhstall inklusive Kreisel-Melkanlage hat er erst vor gut drei Jahren fertiggestellt, jetzt kommt noch eine beeindruckende Biogas-Anlage hinzu. Sie leistet 99 Kilowattstunden (kW/h). Betriebsstoff ist dabei die Gülle, welche die Kühe produzieren, aus der wiederum unter Luftabschluss Biogas als Antrieb für den Stromgenerator hergestellt wird. „Mindestens 200 Kühe“ muss man schon haben, damit die Gülle ausreicht. Cremer-Schulte hat für die Biogasanlage 650 000 Euro investiert. Zu 90 Prozent muss sie mit Gülle und Mist bestückt werden.

Bis zu 250 Häuser werden mit Strom versorgt

Das Herzstück der Anlage hat die Dimensionen eines mittelgroßen Lastwagens und im Innern läuft ein sparsamer, mit Biogas betriebener Motor, der bis zu 250 Häuser mit Strom versorgt, was entsprechend vergütet wird. Das passiert indirekt per Einspeisung. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, zwölf Monate im Jahr läuft der Motor. Das dafür erforderliche Biogas wird direkt auf dem Hof von Bauer Cremer-Schulte in Affeln produziert – in einem Gär-Raum. Ein großer Behälter in der Form eines flachen Halbkegels nimmt dieses Gas auf und gibt es an den großen Generator ab. Die Anlage lebe von Kontinuität. Wie eine Kuh, auch die lebe von Kontinuität, sagt Cremer-Schulte.

Kühen produzieren nicht nur Milch, sondern mit ihren Exkrementen in einer Biogasanlage indirekt auch Strom.
Sie produzieren nicht nur Milch, sondern indirekt auch Strom. © Peter von der Beck

Für den Landwirt geht es dabei nicht allein ums Geld: „Für mich steht nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund. Die Anlage macht unseren Betrieb rund.“ Für ihn gehöre die Anlage zu den Kühen, die Gülle werde zudem besser verwertet, nach dem Gärprozess sei der Gär-Rest als Dünger für die Pflanze viel besser nutzbar. „Es ist quasi wie eine weitere Verdauung.“ Zudem stinke der wertvolle Rohstoff weniger, denn das Methan werde ja verwertet. Unter dem Strich sei die Atmosphärenbelastung geringer, der Gasverbrauch des Generators ebenfalls – und umweltfreundlicher als jeder Otto-Motor. Die Wärme des Motors nutzt Cremer-Schulte noch als Fernwärme für die Privathäuser.

Affelner Milch KG produziert bis 9000 Liter pro Tag

Der Landwirt verdient den Großteil seines Geldes mit Milchvieh. Die Abwicklung läuft über die Affelner Milch KG. Zwischen 8 000 und 9 000 Liter Milch produzieren die Kühe am Tag. Natürlich ist auch der Kuhstall mit einer Photovoltaik-Anlage bestückt, die soviel Strom produziert, dass der Kuhstall einschließlich Melkanlage und Biogasanlage versorgt sind.

Biogas speicherfähig und vielseitig

Fachleute sehen im Biogas etwas Besonderes, denn Biogas ist speicherfähig. Das sei die ideale Ausgleichsenergie im modernen Stromnetz, denn mit Biogas sei es möglich, Schwankungen in der Produktion regenerativ erzeugter Energie und im Versorgungsnetz auszugleichen. „Biogasspeicher werden dabei mittelfristig als Zwischenspeicher zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist die Biogasproduktion zumeist Teil eines ökologisch und ökonomisch sinnvollen Verwertungskreislaufs“, schreibt zumindest der Hersteller derartiger Anlagen – die Planet Biogastechnik GmbH. Ökonomische Vorteile sieht man, weil an der Wertschöpfungskette von Biogas viele gesellschaftliche Gruppen teilhaben würden.

Kommunen sowie Klein- und Mittelbetriebe produzieren

Wegen der dezentralen Produktion könnten hier insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen und Kommunen auf regionaler Ebene profitieren. Auch Einspeisungen in ein Erdgasnetz seien möglich. Kritik gibt es durchaus auch. Vor allem werden Biogasanlagen, die mit eigens dafür angebauten Pflanzen betrieben werden, von manchem nicht gern gesehen. Es gibt zudem gewisse Ängste über entweichendes Methan.

Umweltausschuss

Jüngst zeigte der Landwirt seine Anlage den Neuenrader Kommunalpolitikern des Ausschusses für Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit und Forsten. Die zeigten sich beeindruckt. Die Stadtverwaltung prüft auch laufend, was in Sachen Energieeinsparung machbar ist.

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