MVZ-Streit: Freie Wähler finden Standort "komplett unakzeptabel"

+
An der Zweiten Straße soll das Zentrum nach aktuellen Planungen entstehen.

Neuenrade – Der Streit um das Medizinische Versorgungszentrum geht weiter: Die Freien Wähler lehnen den geplanten Standort ab und erheben schwere Vorwürfe.

Die Stimmung kochte im Hotel Wilhelmshöhe bei einer Informationsveranstaltung der Freien Wählergemeinschaft Neuenrade (FWG). Allein eineinhalb Stunden diskutierten die  Besucher und FWG-Vertreter über das Streitthema Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ). „Das Konzept ist in seiner jetzigen Form nicht zukunftsfähig. Das werden wir im Rat ablehnen“, sagte der FWG-Fraktionsvorsitzende Bernhard Peters. 

Die CDU als Mehrheitsfraktion im Rat um Bürgermeister Antonius Wiesemann hatten die Planung vorgestellt, das MVZ an der Zweiten Straße in den Praxisräumen von Landarzt Michael Beringhoff ansiedeln zu wollen. Beringhoff soll zugleich die ärztliche Leitung übernehmen. 

Fraktionschef: "Vetternwirtschaft und Kungelei"

Peters warf der CDU samt Bürgermeister „Vetternwirtschaft und Kungelei“ vor, denn „Beringhoffs jahrelange Mitgliedschaft in der CDU hat sich damit ja gelohnt“. Ein MVZ an der Zweiten Straße sei komplett unakzeptabel, da es dort weder Parkplätze, noch einen barrierefreien Zugang gebe. Die Straße verfüge über Kopfsteinpflaster. Und im Haus stehe Patienten kein Aufzug zur Verfügung. Außerdem befinde sich keine Apotheke in der Nähe. Zudem zeichne sich ein MVZ durch eine Vielzahl von Ärzten aus, für die in der Immobilie kein Platz sei. 

FWG im Grundsatz für MVZ

Zuvor hatte FWG-Vorsitzender Detlef Stägert allerdings auch deutlich gemacht: „Im Grundsatz sind wir entschieden für ein MVZ.“ Zugleich forderte er: „Die eigentliche Diskussion über ein MZV muss im öffentlichen Raum stattfinden.“ FWG schlägt alternative Standorte vor Auch bei den Besuchern der Infoveranstaltung kam der vorgeschlagene Standort an der Zweiten Straße mehrheitlich nicht gut an. „Ich finde das sowas von idiotisch. Da könnte ich mich tagelang drüber aufregen“, sagte beispielsweise eine Neuenraderin. 

Gegen den Standort:  Bernhard Peters (links) und Detlef Stägert von der FWG Neuenrade.

Fraktionsvorsitzender Peters schlug zwei aus seiner Sicht geeignetere, alternative Standorte vor. Im Bauprojekt Hinterm Wall – welches Ruth Echterhage im späteren Verlauf des Abends vorstellte – seien drei Arztpraxen vorgesehen. Im Ärztehaus „Hönne Med Center“ seien ebenfalls noch genügend freie Kapazitäten vorhanden. 

Kritik vom Mediziner

Zur Infoveranstaltung der FWG war auch der Neuenrader Mediziner Dr. Paul Gotthardt, dessen Praxis sich in eben jenem Ärztehaus befindet, gekommen. Dieser berichtete von einem Gespräch, das die heimischen Ärzte mit dem Bürgermeister vor knapp einem Jahr geführt hätten. Seinerzeit hätten die Mediziner ausdrücklich betont, dass ein mögliches MVZ nach ihrem Wunsch in städtischer Hand geführt werden soll – und nicht von einem Investor mit wirtschaftlichen Interessen.

Die Stadt plant, die renommierte Kanzlei Broglie, Schade und Partner mit dem Erstellen eines Businessplans für das Versorgungszentrum zu beauftragen. Betrieben werden soll das MVZ allerdings über eine noch zu gründende Anstalt des öffentlichen Rechts (AÖR), die am 1. Januar 2020 ihre Arbeit aufnehmen soll. Die AÖR soll durch einen Verwaltungsrat, der paritätisch mit den Ratsmitgliedern besetzt ist, kontrolliert werden.

Arzt: "Wir sind erbost"

 „Wir sind überrascht und erbost über den jetzigen Stand der Dinge“, sagte Gotthardt. Denn die Ärzte seien in den zwölf Monaten, die seit dem Bürgermeister-Gespräch vergangen sind, nie über den Fortgang der Entscheidungsfindung informiert worden. Auf Nachfrage stellte Dr. Gotthardt klar: „Wir sind vom Bürgermeister nie gefragt worden, ob wir uns an einem MVZ beteiligen wollen.“ 

Doch er versicherte auch – ohne weitere Namen zu nennen: „Wir machen sofort und gerne mit.“ Bürgermeister Wiesemann hatte erst Ende vergangener Woche gegenüber unserer Zeitung erklärt, bis auf Michael Beringhoff sei kein weiterer Mediziner aus Neuenrade bereit, bei diesem Projekt mitzuwirken. FWG-Vorsitzenden Stägert stellte klar: „Das, was die CDU hier macht, ist die Arroganz der Macht. Der Wähler muss bei der kommenden Kommunalwahl dafür sorgen, dass die CDU endlich weniger als 50 Prozent der Ratssitze bekommt."

Lesen Sie auch:

Auch die FDP übt massive Kritik an der CDU

So steht das Ministerium zum MVZ

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare